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Ein Bus der Linie OF-99 macht jetzt im Kreis Offenbach auf die Hilfsangebote für Frauen aufmerksam. Foto: Kreis Offenbach
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Ein Bus der Linie OF-99 macht jetzt im Kreis Offenbach auf die Hilfsangebote für Frauen aufmerksam.

Kreis Offenbach

Frauenberatungsstelle im Kreis Offenbach: seit 25 Jahren Hilfe bei Gewalt

  • Annette Schlegl
    VonAnnette Schlegl
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Geschlagen, vergewaltigt, gestalkt: Rund 4700 Frauen haben bisher in 25 Jahren Hilfe bei der Frauenberatungsstelle im Kreis Offenbach gefunden.

Die Ehefrau, die von ihrem Mann geschlagen wird, der Teenager, der zum Sex gezwungen wird, die junge Frau, die von einem Stalker belästigt wird – sie alle erhalten seit einem Vierteljahrhundert im Kreis Offenbach professionelle Hilfe. Kostenlos unterstützt die Frauenberatungsstelle seit 25 Jahren Frauen, die Gewalt erleben oder erlebt haben. Rund 4700 Frauen wurden in dieser Zeit beraten, schätzt die Mitarbeiterin Susan DeTroy. Gleichzeitig feiert der Verein „Frauen helfen Frauen Kreis Offenbach“ sein 30-jähriges Bestehen. Er hat die Frauenberatungsstelle einst ins Leben gerufen und ist auch Träger für ein Frauenhaus, das im Jahr 1992 eröffnet wurde.

Frauen sind in der Beratungsstelle seit 25 Jahren kostenlos für Frauen da. Aber nicht nur für sie: Auch Angehörige und Fachkräfte erhalten dort Information und Hilfestellung. Ein zehnsprachiger Flyer liegt bei anderen Beratungszentren, bei der Polizei, im Jugendamt und im Jobcenter aus. Seit dem Vorjahr gibt es auch Videoberatungen.

„Begonnen hat das alles, als fünf Mitarbeiterinnen aus dem Frauenhaus in unserer Beratungsstelle in Rodgau je fünf Stunden pro Woche Telefondienst gemacht haben“, sagt DeTroy. Seit der Gründung wird die Beratung aus Kreis- und Landesmitteln bezahlt; in den Anfangsjahren finanzierte der Verein „Frauen helfen Frauen“ noch die Kosten, wenn Mitarbeiterstunden erhöht wurden oder eine neue Mitarbeiterin eingestellt wurde. Mittlerweile gibt es im Landkreis in drei Städten Räume: im Haupthaus in Rodgau-Jügesheim, im Mehrgenerationenhaus Zenja in Langen und seit 2016 auch im Beratungszentrum Mitte in Dietzenbach – dort übrigens auch Beratung in Türkisch und Arabisch. Der Standort Rodgau ist durchgehend besetzt, die Standorte Langen und Dietzenbach nur stundenweise.

Immer mehr Hilfen

Im Eröffnungsjahr 1996 suchten 48 Frauen und Mädchen Hilfe in der Frauenberatungsstelle. Im Jahr 2019 waren es 275 Klientinnen, im Vorjahr 338.

Die Zahl der Beratungsgespräche blieb dagegen gleich: 2019 wurden 644 Gespräche geführt, 2020 waren es 643. Im Vorjahr habe es coronabedingt sehr viele anonyme tefefonische Beratungen gegeben, sagt Susan DeTroy, Mitarbeiterin der Frauenberatungsstelle. „Daten dürfen nur aufgenommen werden, wenn die Person unterschreibt“, erklärt sie. Das sei in der Pandemie schwierig gewesen.

Im Frauenhaus fanden seit der Eröffnung im Jahr 1992 insgesamt 1743 Frauen mit 1380 Kindern eine vorübergehende Bleibe.

Die Frauenberatungsstelle ist unter Tel. 06106/3111 erreichbar, das Frauenhaus unter Tel. 06106/13360. ann

Zweimal im Monat bietet die Frauenberatungsstelle in Dietzenbach auch zwei offene Sprechstunden für Mädchen an. „Aber die Hemmschwelle ist bei Jugendlichen sehr hoch“, sagt DeTroy. Deshalb hofft sie, dass der Kreis im Lauf der nächsten Jahre auch eine zusätzliche Vollzeitstelle für die aufsuchende Beratung, die Präventionsarbeit, die Mädchenberatung und die Weiterbildung von Lehrern und Erziehern finanziert. Die Mitarbeiterin könnte dann auch Jugendzentren besuchen und die Schulprävention ausbauen. Der Kreis Offenbach ist laut DeTroy im Rahmen der Istanbul-Konvention zur Verhütung und Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen gefordert. Die Konvention wurde 2011 vom Europarat als völkerrechtlicher Vertrag ausgefertigt, ist in Deutschland seit Februar 2018 geltendes Recht.

Aufklärung an Schulen

„Primärprävention ist wichtig“, sagt DeTroy. „Wenn wir Gewalt verhindern wollen, müssen wir verhindern, dass es Täter gibt. Dass es Opfer gibt, ist nur Sekundärprävention.“ Deshalb begann die Frauenberatungsstelle im Jahr 2019 die Präventionsarbeit in Schulklassen. Fünf Veranstaltungen fanden für die 7. Klassen der Geschwister-Scholl-Schule in Rodgau statt und zwei für die 9. Klassen der Adolf-Reichwein-Schule in Heusenstamm. „Wir machen den Jugendlichen klar, was Liebe ist, was eine gute Beziehung ausmacht und was in den ersten Liebesbeziehungen körperliche, psychische und verbale Warnsignale sind für Gewalt“, sagt DeTroy. Gemeinsam werden Lieder aus den Charts unter die Lupe genommen. „Wir versuchen so, ein kritisches Hinterfragen zu wecken.“

Wie sehr die Gewalt gegen Frauen zugenommen hat, sei schwer zu sagen. „Wir haben nämlich mehr Standorte und Beratungsstunden, sind in der Öffentlichkeit präsenter geworden, haben Werbung in den sozialen Medien gemacht“, erklärt DeTroy. Sie glaubt aber, dass sich die Pandemie in der Frauenberatungsstelle erst zeitverzögert bemerkbar machen wird. „Wenn Gewalt zum ersten Mal passiert, kommt das Opfer nicht gleich zu uns.“

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