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In vier Ministerien in Hessen leiten nur Männer die Abteilungen. Die  SPD vermisst eine Frauenförderung.

Frauenförderung

Männerdominanz in Hessens Ministerien 

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In vier Ministerien in Hessen leiten nur Männer die Abteilungen. Die  SPD vermisst eine Frauenförderung.

Die Führungsetagen der hessischen Ministerien werden weiterhin von Männern dominiert. Das gilt nicht nur für die Ebene der Staatssekretäre, sondern auch für die Abteilungsleiterposten, wie aus der Antwort von Sozialminister Kai Klose (Grüne) auf eine Anfrage von 13 weiblichen SPD-Abgeordneten hervorgeht.

Seit Jahren beklagt die SPD-Frauenpolitikerin und stellvertretende Fraktionsvorsitzende Lisa Gnadl, dass die Führungsebene mancher Ministerien „frauenfreie Zonen“ seien. Das bestätigt sich nun erneut. In den Ministerien für Inneres, für Wirtschaft, für Justiz und für Finanzen gebe es „keine weibliche Leitung“ einer Abteilung, teilt Klose mit. Allein in diesen vier Häusern geht es um 25 Abteilungsleiterposten.

Paritätisch besetzt: Das Umweltressort

Insgesamt arbeiten elf Abteilungsleiterinnen für die Regierung. Das sind 18 Prozent der 61 Abteilungsleiter. Hinzu kommt eine kommissarische Abteilungsleiterin im Wissenschaftsministerium.

Nur in einem einzigen Ministerium sind die Führungsaufgaben mehr als paritätisch besetzt: im Umweltressort. Dort leiten vier Frauen und vier Männer die acht Abteilungen. Noch vor zehn Jahren gab es in dem Haus erst eine einzige Abteilungsleiterin. Da die Hausspitze mit Umweltministerin Priska Hinz und ihrer Staatssekretärin Beatrix Tappeser (beide Grüne) komplett weiblich ist, sitzen in diesem Ministerium mehr Frauen als Männer an den Schalthebeln.

Bei vier Ausschreibungen im Umweltressort in den Jahren 2017 bis 2019 wurden die Abteilungsleiterjobs in drei Fällen mit Frauen besetzt.

Das gilt aber nicht für alle von Grünen geführten Häuser. Im Wirtschaftsministerium von Tarek Al-Wazir werden alle Führungsaufgaben von Männern wahrgenommen. Neben dem Minister sind die beiden Staatssekretäre männlich, ebenso die sieben Abteilungsleiter, die derzeit die acht Abteilungen führen.

„Konstant schlecht“

Sozialdemokratin Gnadl bezeichnete die Frauenquote in den Ministerien als „konstant schlecht“. So habe es im Justizministerium von Eva Kühne-Hörmann (CDU) 2017 immerhin noch eine Abteilungsleiterin gegeben. Inzwischen seien aber wieder alle fünf Abteilungen mit Männern besetzt.

CDU und Grüne versichern in ihrem Koalitionsvertrag, sie träten für „reale Verbesserungen“ ein: „für mehr Frauen in Führungspositionen, den Abbau von Lohnunterschieden und Benachteiligungen im gesellschaftlichen Leben“. Man sei sich „der Vorbildfunktion der öffentlichen Verwaltung bewusst“.

Weiter heißt es im Koalitionsvertrag: „Wir setzen uns dafür ein, dass Frauen genauso oft in Führungspositionen vertreten sind wie Männer. Das gilt für die Leitungsfunktionen in der Wirtschaft und in der öffentlichen Verwaltung sowie in anderen Entscheidungsgremien, auf die die Landespolitik einen Einfluss hat.“

Oppositionspolitikerin Gnadl kennt die Worte, sieht sie aber durch die Praxis widerlegt. „Frauenförderpolitik zeigt sich nicht in wohlklingenden Sonntagsreden, sondern in tatsächlichem Handeln“, sagte sie der Frankfurter Rundschau. „Die vorliegenden Zahlen sprechen eine deutliche Sprache. Das Desinteresse der Landesregierung an Frauenförderpolitik ist in der Antwort auf unsere Kleine Anfrage ein weiteres Mal deutlich dokumentiert.“

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