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Allein im Jahr 2018 mussten 2798 Frauen abgewiesen werden.

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Mehr Schutz vor Gewalt

  • Pitt v. Bebenburg
    vonPitt v. Bebenburg
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In Corona-Zeiten könnte die häusliche Gewalt zugenommen haben, befürchtet die hessische Landesregierung. Der Landtag streitet darüber, ob die Hilfe für Frauenhäuser ausreicht.

Die Parteien im hessischen Landtag befürchten, dass Gewalt gegen Frauen und Kinder in Zeiten der Corona-Pandemie zugenommen hat. Viele Misshandlungen seien aber nicht ans Tageslicht gekommen, weil die Betroffenen keine Gelegenheit gehabt hätten, sich anderen anzuvertrauen.

Das Dunkelfeld habe sich „vermutlich während der Zeit der Kontaktbeschränkungen vergrößert“, stellte Sozialminister Kai Klose (Grüne) am Mittwoch im Landtag fest. Zwar hätten zeitweise weniger Frauen in Frauenhäusern Schutz gesucht, aber das Hilfetelefon habe 20 Prozent mehr Anrufe erhalten.

Die Politiker stritten darüber, ob das Land genug tut, um die 31 hessischen Frauenhäuser, die Notrufe und Beratungsstellen zu unterstützen. Die schwarz-grüne Landesregierung stellt drei Millionen Euro zur Verfügung, zusätzlich zu den gut acht Millionen Euro, die ohnehin jährlich fließen. Die Linken-Sozialpolitikerin Christiane Böhm nannte das „einen kleinen Tropfen auf den sehr heißen Stein“.

Nicht genug Plätze

31 Frauenhäuser gibt es in Hessen. Dort stehen nach Angaben der Landesregierung insgesamt 727 Plätze zur Verfügung. Daneben gibt es sechs Schutzplätze für junge volljährige Frauen zwischen 18 und 21 Jahren sowie zwei Mädchenzufluchtstellen mit insgesamt 17 Plätzen. In Corona-Zeiten mieteten Frauenhäuser weitere Wohnungen an.

Die Plätze reichen aber nicht aus. Allein 2018 mussten 2798 Frauen abgewiesen werden. pit

Auch der SPD-Abgeordneten Lisa Gnadl erscheint die Summe von drei Millionen Euro zu gering. Das wiederum leuchtete CDU und Grünen nicht ein, da die Sozialdemokraten selbst nur 1,5 Millionen Euro an zusätzlicher Unterstützung für die Frauenhäuser beantragt hatten. Die Grüne Silvia Brünnel schüttelte den Kopf: „Das mag verstehen, wer will. Ich verstehe es nicht.“

Gnadl entgegnete, die SPD habe diesen Bedarf schon im Mai erkannt. Seinerzeit habe die schwarz-grüne Koalition noch keinerlei Bedarf gesehen.

Außerdem wandte sich die Sozialdemokratin dagegen, den Corona-Zuschuss für Beratungsstellen auf höchstens 15 000 Euro zu deckeln. Für manche reiche das bei weitem nicht aus. Nun müssten sie Kurzarbeit einführen – trotz des gewachsenen Bedarfs an Beratung.

Breite Unterstützung erfuhr der Plan der Regierung, ein sogenanntes „Childhood House“ in Hessen zu etablieren. Dafür stünden 400 000 Euro zur Verfügung, erläuterte Minister Klose. Das Konzept orientiert sich am skandinavischen „Barnahus“. Dort werden Kinder, die Opfer von Gewalt geworden sind, betreut. Zugleich kümmert sich ein interdisziplinäres Team darum, Beweise für die an ihnen begangenen Verbrechen zu sichern und die Strafverfolgung einzuleiten.

Das sei ein Ansatz, „den wir sehr begrüßen“, lobte die FDP-Abgeordnete Wiebke Knell. Sie forderte mehr Schulungen von Beamten der Polizei und Justiz, um sie im Umgang mit Opfern häuslicher Gewalt zu sensibilisieren. Mehrere Rednerinnen betonten, die Rollenbilder von Männern und Frauen in der Gesellschaft müssten grundlegend hinterfragt werden. „Wichtig ist, dass Gewalt in unserer Gesellschaft geächtet ist“, hob die CDU-Sozialpolitikerin Claudia Ravensburg hervor.

SPD und Linke forderten außerdem, dass Hessen eine unabhängige Stelle einrichten müsse, um die „Istanbul-Konvention“ umzusetzen. Darin hatten sich die Staaten des Europarats verständigt, wie Gewalt gegen Frauen und häusliche Gewalt bekämpft werden muss.

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