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Touren derzeit gemeinsam, aber eher ohne Hund: Judith Holofernes und Teitur.
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Touren derzeit gemeinsam, aber eher ohne Hund: Judith Holofernes und Teitur.

Judith Holofernes

Frau und frei

  • VonUlrike Rechel
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Mit ihrem zweiten Solo-Album legt Judith Holofernes das studentische Girlie-Image ab und gibt sich reif und elbstironisch. Mit ihrer Band gastiert sie am 15. März in Sankt Peter in Frankfurt.

Zu Zeiten der Beatles mussten sich Musiker keine tieferen Gedanken darüber machen, wie man im Popmetier würdig altern soll: Die Zahl an Bands war schließlich noch klein, es war vor der Ära von Rockbands mit Methusalem-Karrieren.

Inzwischen sieht die Musiklandschaft freilich ganz anders aus; die Frage nach einem überzeugenden Altern in der Popzunft ist kniffelig. Auch Judith Holofernes, einst Sängerin der Berliner Studentenpop-Band Wir Sind Helden, muss sich gründlich mit dem Thema auseinander gesetzt haben. Die Sängerin mit dem mädchenhaften Sopran und dem Talent für geniale Wortspiele hat jedenfalls einen Schnitt gemacht, ihre erfolgreiche Band auf Eis gelegt und als Solistin etwas Neues angefangen.

Damals, als es im Jahr 2000 für Holofernes und Wir Sind Helden aus dem Stand fulminant losging und ihre Debütsingle „Die Reklamation“ („Guten Tag, ich will mein Leben zurück!“) allgegenwärtig war, avancierte die Bandleaderin gleichzeitig zum Rollenmodell: als schrilles Girlie mit Attitüde – kein „Riot Girl“ nach Vorbild feministischer Pionierinnen aus den USA; eher eine Wiedergängerin von starken weiblichen Stimmen der Achtziger wie Ideals Annette Humpe oder Nena.

Nach vier „Helden“-Platten war die Fangemeinde um 2010 herum noch stattlich, doch schien der jugendliche Spirit der Band verflogen. Das Quartett reagierte konsequent und legte die gemeinsame Unternehmung auf Eis. Rückblickend ein kluger Schritt; denn offenbar befreite sich die Songschreiberin damit gleichzeitig von einer Last. Das erklärt das Selbstbewusstsein und die Leichtigkeit, die einem auf Holofernes’ bisher zwei Soloalben begegnen. „Ein leichtes Schwert“ hieß das erste von 2014, jetzt legt die Mutter zweier Kinder den Nachfolger „Ich bin das Chaos“ vor.

In den neuen Songs zeigt sie sich wieder von Seiten, die auf angenehm beiläufige Weise erwachsen sind und auch den „Helden-müden“ Teil des alten Publikums wieder fesseln können. Im Titelsong etwa besingt die Berlinerin den Druck, das Leben in die üblichen geregelten Bahnen zu bringen; woanders geht es um starke Frauen, die einknicken („Charlotte Atlas“) oder um Paarbeziehungen in Auflösung („Oh Henry“). Wie unlustig unvorhergesehene Absturznächte im gereiften Eltern-Alter sein können, malt sie gleich zur Eröffnung aus, Textzitat: „Die Polizei ist dann doch gegangen, so was sieht keiner gern mit an“; und in „Das Ende“ reimt sich die „Mütze“ ganz prächtig auf „Apokalypse“.

Unterwegs streut Holofernes mit fröhlichem Augenzwinkern Zitate aus Hoch- und Popkultur ein, ohne dass man es zwingend bemerken muss – ob Schillers „Ode an die Freude“, Karl May oder „Ein Loch ist im Eimer“: Bei der ehemaligen Heldin findet sich die undichte Stelle im Seelenraum. Musikalisch hat sie wieder eine Runde Vertrauter um sich, darunter ihren Mann und ehemaligen Helden-Schlagzeuger Pola Roy, zudem den Multi-Instrumentalisten Teitur von den Färöer Inseln. Auf diese Weise hat das Album wenig zu tun mit einer klassischen Singer-Songwriter-Platte. Vielmehr assoziiert man eine Band, die nebenbei sehr gut im Pop schwelgen kann – etwa im radioaffinen Titelstück –, die aber ganz besonders gut ist, wenn sie luftige Akustikklänge beisteuert wie in der Einstiegsballade „Der letzte Optimist“.

40 ist Judith Holofernes jetzt; ihr Spielfeld hat sie fernab von Silbermond, Mia oder Juli aufgerollt. Viel dichter dran ist sie an selbstironischen Köpfen wie Element Of Crime, Die Sterne oder Christiane Rösinger. Die alte „Girlie“-Rolle ist seither übrigens unbesetzt geblieben. Holofernes wird’s nicht bedauern.

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