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„Fraports Giftberg gefährdet das Trinkwasser“

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Fraports Erdlager liegt in einem Schutzgebiet, sagt Ausbaugegnerin Schmidt aus Mörfelden-Walldorf. Die Behörden kämen ihrer Verantwortung nicht nach.

Verfehlungen bei der Aufsicht der Fraport-Baustelle wirft die Bürgerinitiative (BI) Mörfelden-Walldorf den zuständigen Landesbehörden vor. „Das Terminal 3 hätte ohne ausreichende Bodenproben und den Nachweis einer unverzüglichen und ausreichenden Entsorgung des belasteten Aushubs nie genehmigt werden dürfen“, sagt Sprecherin Petra Schmidt. „Dass der Bau des Terminals trotzdem durchgezogen wird, ist ein Skandal.“ Aus Sorge um das Trinkwasser hätten sich Bürgerinitiativen in der Vergangenheit mehrfach an das hessische Umweltministerium gewandt. „Die Antworten waren Beschwichtigungen, jedoch keine zufriedenstellenden Auskünfte.“

Vortrag

Die PFC-Belastungdurch das Bodenlager am Flughafen Frankfurt ist Thema der von der Stadt Mörfelden-Walldorf veranstalteten Reihe „Wir und der Flughafen“. Es referiert Volker Zeisberger vom Hessischen Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie.

Termin:Donnerstag, 30. Januar, 19 Uhr, Sitzungssaal, Rathaus Walldorf, Flughafenstraße 37. jur

Mangels ausreichender Deponiekapazitäten will Fraport auf seinem Gelände ein Lager für Erdaushub errichten, der mit PFC (per- und polyfluorierten Chemikalien) verunreinigt ist. Das Unternehmen weiß angeblich erst seit kurzem von der Belastung. Grund sei ein neues Messverfahren. Der Antrag sieht eine Lagerung für fünf Jahre vor. Das Genehmigungsverfahren hat vor einer Woche begonnen. Fraport lagert nach eigenen Angaben bereits seit Ende 2018 kontaminierten Aushub provisorisch nahe der Baustelle. Das noch zu genehmigende Lager soll an der Cargo City Süd entstehen, auf der Gemarkung von Mörfelden-Walldorf. Nach Angaben Schmidts liegt der Standort über einem Wasserschutzgebiet, nur 1,5 km entfernt vom Walldorfer Badesee und nahe dem nördlichen Ortsrand von Walldorf.

Schon seit 2006 sei bekannt, dass die Erde auf dem einstigen US-Airbase-Areal mit PFC verunreinigt ist, sagt die BI-Sprecherin. Also ein Jahr vor dem Planfeststellungsbeschluss zum Flughafenausbau und acht Jahre vor der Baugenehmigung für Terminal 3. „Seit 2007 sind auf dem Flughafen Grundwasser-Entnahmebrunnen und -Reinigungsanlagen in Betrieb, um zu verhindern, dass diese dort nachgewiesenen Stoffe Trinkwasserbrunnen und das Mainwasser gefährden“, sagt Schmidt. Auch seien Brunnen wegen der Belastung bereits stillgelegt. Dass Fraport erst seit kurzem weiß, dass die Erde stärker mit PFC aus dem Löschschaum der früheren US-Airbase belastet ist als angenommen, liegt laut Engel an einem neuen Messverfahren, das seit vergangenem Jahr gilt.

Bei PFC seien toxische, krebserregende Eigenschaften nachgewiesen. Seit Jahren sei bekannt, dass es an vielen Orten in der Republik damit Probleme gibt. „Konsequenzen wurden in Hessen daraus keine gezogen“, so die Sprecherin der BI gegen den Flughafenausbau. „Die Komplikationen wurden so lange wie möglich ignoriert, Genehmigungen trotzdem erteilt.“ Angesichts dieser Vorgeschichte sei es völlig unverständlich, dass das Regierungspräsidium jetzt mitteilte, eine Umweltverträglichkeitsprüfung sei nicht notwendig.

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