Die Sammlung zeigt die Entwicklung vom Impressionismus zur Moderne.
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Die Sammlung zeigt die Entwicklung vom Impressionismus zur Moderne.

Wiesbaden

Im Garten der Avantgarde

  • Madeleine Reckmann
    vonMadeleine Reckmann
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Dank des Sammlers Kirchhoff wurde die Kurstadt zu einem Zentrum der modernen Kunst.

Hundert Jahre nach der ersten Ausstellung der Sammlung des Wiesbadener Mäzens Heinrich Kirchhoff sind die in alle Welt verstreuten Stücke wieder zusammengetragen worden. „Im Garten der Avantgarde. Heinrich Kirchhoff: ein Sammler von Jawlensky, Klee, Nolde ...“ nennt das Museum Wiesbaden seine aktuelle Ausstellung, die noch bis Ende Februar zu sehen ist.

Denn Kirchhoff hatte zwei Leidenschaften: Gartenbau und Kunst. Seinen Garten in der Beethovenstraße im Wiesbadener Stadtteil Sonnenberg ließ er zu Beginn des 20. Jahrhunderts künstlerisch anlegen: Kakteen, Palmen, Wasserpflanzen und Rosen wuchsen dort, zwei Vogelvolieren und ein künstlicher Bachlauf verbreiteten eine paradiesische Atmosphäre.

Der Garten diente in den 1920er Jahren zahlreichen namhaften Künstlern wie Max Beckmann, Wassily Kandinsky, Paul Klee und vielen anderen als Rückzugs- und Sehnsuchtsort und als Ort der Inspiration. Kirchhoff umsorgte nicht nur Pflanzen, um aus ihnen Kunstwerke zu formen, der Kunstsammler kümmerte sich auch um Maler und Bildhauer und unterstützte sie in Krisenzeiten.

Das Museum Wiesbaden hat ein wahres „Who’s who“ der Gäste bei Kirchhoff zusammengestellt. Über 80 Personen, darunter Botaniker, Kunsthistoriker, Fotografen und Museumsleiter, gingen in seinem Haus und Garten ein und aus.

„Die Ausstellung zeichnet die Genese der Sammlung Kirchhoff über einen Zeitraum von zwei Jahrzehnten von 1914 bis 1933 nach“, teilt das Museum mit. Sie zeige anhand der von ihm geschätzten Maler die Entwicklung der deutschen Kunst vom Impressionismus über den Expressionismus bis zur abstrakten Kunst. Nach Kirchhoffs Tod wurde die Sammlung durch die Nationalsozialisten zerschlagen. Die Werke sind heute Eigentum vieler Museen in aller Welt.

„Das Äffchen“ von Franz Marc etwa, hängt ansonsten in München und „Der Geburtstag“ von Marc Chagall im Moma in New York. Die Wiesbadener Ausstellung macht es sich zur Aufgabe, anhand ausgewählter Werke nachzuzeichnen, wie schnell sich die Kunst in den Jahren nach dem Ersten Weltkrieg veränderte.

Heinrich Kirchhoff (1874 bis 1934) zog im Jahr 1908 aus dem Ruhrgebiet nach Wiesbaden und entdeckte dort seine Liebe zur Kunst. Der russische Künstler Alexej von Jawlensky ließ sich später sogar in Wiesbaden nieder, um in der Nähe seines Förderers zu sein. Dass sich die weltweit bedeutendste Sammlung Jawlenskys in öffentlichem Besitz in Wiesbaden befindet, sei auch Kirchhof zu verdanken, heißt es in der Ausstellung.

Bis 1933 wurde Kirchhoffs Sammlung vor allem in Wiesbaden mehrfach gezeigt. Die Stadt, die bis dahin als konservative Kur- und Bäderstadt gegolten habe, habe sich damals mehr und mehr den Ruf als Zentrum der Avantgarde erworben, so ein Fazit des Museums Wiesbaden.

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