1. Startseite
  2. Rhein-Main

Frankfurter Pilotprojekt zur Gesichtserkennung erfolreich

Erstellt:

Von: Oliver Teutsch

Kommentare

Polizei soll nun für Strafverfolgung landesweit sogenannte Super-Recognizer einsetzen. Auswahlverfahren in allen Polizeipräsidien. Identifizierung möglicherweise nicht gerichtsfest.

Manchmal kann der Mensch doch noch mehr leisten als der komplette hochtechnologierte Polizeiapparat. Dann etwa, wenn das vorhandene Bildmatarial unscharf oder veraltet ist. Wenn die Maschinen nicht weiterhelfen, sollen es sogenannte Super-Recognizer richten: Menschen mit der besonderen Gabe, Gesichter wiedererkennen zu können, egal wie sehr sie sich verändert haben.

In einem Pilotprojekt hat die Frankfurter Polizei den Einsatz von Kolleginnen und Kollegen mit dieser besonderen Gabe getestet. Gefunden worden waren die Cracks mit Tests, die zuvor von der Universität im englischen Greenwich konzipiert wurden. Die Bilanz des Polizeipräsidiums Frankfurt fiel positiv aus. Seit Mai 2021 hätten die ausgewählten Super-Recognizer in 400 Fällen Personen wiedererkannt, wie das Hessische Innenministerium jetzt mitteilte. Besonders erfreulich sei dabei ein Fall aus dem vergangenen Oktober gewesen, als ein Mann im Frankfurter Hauptbahnhof wegen versuchten Totschlags gesucht wurde. Ein Abgleich der Bilder einer Sicherheitskamera im Hauptbahnhof mit der polizeilichen Datenbank führte auf die Spur eines 26-jährigen Tatverdächtigen.

Auch im Bereich von Taschen- und Trickdiebstahl waren die Super-Recognizer laut Ministerium erfolgreich. So sei es gelungen, einem international agierenden Duo durch den Abgleich ihrer Fotos mit Fahndungsausschreibungen mindestens 19 Taten alleine in Hessen zuzuordnen.

Besonders intensiv geriet die Testphase im Frankfurter Polizeipräsidium durch die Unterstützung von fünf Super-Recognizern bei den Ermittlungen zu Einsätzen im Dannenröder Forst im Zusammenhang mit dem Weiterbau der A49. Von den dort festgestellten 410 Einzeltäter:innen seien 131 Identifizierungen nur durch die Wiedererkennung der Super-Recognizer geglückt. Insgesamt seien im Nachgang der Einsätze im Dannenröder Forst 270 Strafverfahren und 426 Ordnungswidrigkeitsverfahren eingeleitet worden.

Allerdings ließ das Innenmisterium am Montag auf FR-Nachfrage offen, wie viele dieser Verfahren tatsächlich zum Abschluss gebracht werden konnten. Denn die Identifizierung durch die Super-Recognizer halten wohl nicht nur kritische Polizeiwissenschaftler:innen für bedenklich und nicht gerichtsfest (die FR berichtete). So erfuhr die FR von einem Verfahren, in dem einem jungen Mann vorgeworfen wurde, im Dannenröder Forst aktiv gewesen und seine Angaben zur Person verweigert zu haben. Ein Super-Recognizer habe ihn aufgrund von Lichtbildern wiedererkannt. Der Mann stritt jedoch ab, am fraglichen Tag überhaupt im Dannenröder Forst gewesen zu sein. Das Verwaltungsgericht Wiesbaden sah letztlich „keine zweifelsfreie Identifizierung“, das Verfahren wurde eingestellt, die Kostenbescheide aufgehoben.

Ungeachtet dessen will Hessen den Einsatz der Super-Recognizer landesweit ausbauen, um die technischen Fahndungsmöglichkeiten zu ergänzen. Im Herbst 2022 soll es die ersten Testverfahren in den anderen Polizeipräsidien geben. Frankfurt ist da schon zwei Schritte weiter. Im ersten Auswahlverfahren beteiligten sich 1000 Beschäftigte, 45 von ihnen stachen mit ihren Fähigkeiten heraus. Auch eine zweite Auswahlrunde hat es schon gegeben. um noch mehr Super-Recognizer in den eigenen Reihen zu finden.

Auch interessant

Kommentare