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Karstadt auf der Frankfurter Zeil, ein Kaufhausstandort seit mehr als 100 Jahren, soll geschlossen werden.
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Karstadt auf der Frankfurter Zeil, ein Kaufhausstandort seit mehr als 100 Jahren, soll geschlossen werden.

Einsparungen

Aus für Frankfurter Flagschiff

  • Jens Joachim
    vonJens Joachim
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  • Oliver Teutsch
    Oliver Teutsch
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Das traditionsreiche Karstadt-Kaufhaus auf der Frankfurter Zeil muss wie drei weitere Häuser in Hessen schließen.

Von der bundesweiten Sanierung bei Galeria Karstadt- Kaufhof sind auch vier hessische Filialen betroffen. Laut Dienstleistungsgewerkschaft Verdi sollen den Einsparungen die Kaufhof-Filialen im Hessen-Center in Bergen-Enkheim und in Fulda sowie die Karstadt-Häuser im Main-Taunus-Zentrum und auf der Zeil zum Opfer fallen. 450 Beschäftigte stehen vor der Entlassung.

Die Schließung von Karstadt auf der Zeil, einer der am stärksten frequentierten Einkaufsstraßen Deutschlands, kommt auch für Experten unerwartet. „Das hat uns alle überrascht“, sagte ein Gewerkschaftssekretär auf FR-Anfrage. Das Kaufhaus hat eine mehr als 100-jährige Tradition. In den 1970er Jahren, als es noch unter „Hertie“ firmierte, arbeiteten dort 1600 Angestellte. 2006 war das Haus noch in die „Premium Group“ des Konzerns aufgestiegen.

Von der Schließung auf der Zeil sind alleine 240 Beschäftigte betroffen. Auch für Verdi ist die Schließung ein schwerer Schlag, weil in dem traditionsreichen Haus viele Beschäftigte gewerkschaftlich organisiert waren. „Es ist ein kämpferisches Haus“, sagte Gewerkschaftssekretär Horst Gobrecht.

Kriterien sind der Gewerkschaft nicht bekannt

Die Kriterien, nach denen der Konzern über die Schließung der Häuser entschieden hat, sind der Gewerkschaft nicht bekannt. Fest steht, dass der Generalbevollmächtigte Arndt Geiwitz versuchte, die Mieten zu drücken. Dem Vernehmen nach sollen sich die Vermieter auf der Zeil als nicht besonders entgegenkommend gezeigt haben. Hinter vorgehaltener Hand mutmaßte ein Gewerkschafter, die verkündete Schließung von Karstadt auf der Zeil könne auch als Druckmittel gegen die Vermieter fungieren. Auch im Kaufhof im Hessen-Center soll die Mietbelastung sehr hoch sein. Dort sind von der Schließung 45 Mitarbeiter betroffen.

Unklar ist noch, zu welchem Zeitpunkt die genannten Häuser schließen sollen. Wegen der Kündigungsfristen wäre der frühestmögliche Termin der 30. September. Dafür müssten die Kündigungen der Mitarbeiter aber schon bis Ende Juni ausgesprochen werden, andernfalls verschiebt sich die Schließung auf Ende Oktober. Während der dreitägigen Verhandlungen klang aber auch an, dass in einigen der bundesweit betroffenen Filialen das Weihnachtsgeschäft noch mitgenommen werden soll. Das könnte auch Karstadt auf der Zeil betreffen.

Darmstadt bleibt verschont

Andere Filialen, in denen die Mitarbeiter Sorge hatten, blieben verschont. In Darmstadt hatten sich am Freitag rund 60 Menschen an einer von Verdi organisierten Protestkundgebung beteiligt. Vor dem Karstadt-Eingang am Luisencenter wurden für alle in Deutschland von der Schließung betroffenen Filialen symbolisch 62 Kerzen aufgestellt. Am Mittag erfuhren die rund 270 Mitarbeiter, die in den beiden Darmstädter Kaufhäusern arbeiten, dass die Standorte im Luisencenter und an der Rheinstraße nicht geschlossen werden sollen. Darmstadts Oberbürgermeister Jochen Partsch sagte, die beiden traditions- und ertragreichen Kaufhäuser seien „mehr als nur Shopping Malls“. Ihr Erhalt sei zugleich „ein wichtiges Signal für die Zukunft der Darmstädter Innenstadt“.

Der Präsident des Hessischen Städtetags, Christian Geselle (SPD), gleichzeitig Oberbürgermeister von Kassel, zeigte sich bestürzt über die Schließungen. Kaufhof und Karstadt seien mit ihrem vielseitigen Angebot Innenstadtmagneten. „Jede Schließung wirkt sich unmittelbar verheerend auf die Attraktivität von zentralen Orten in unseren Städten aus“, sagte Geselle, der im Hinblick auf die Beschäftigten an das Verantwortungsbewusstsein der Konzernleitung appellierte. Die Menschen, die durch die Auswirkungen des Coronavirus ohnehin schon geschwächt und verunsichert seien, müssten vor der Arbeitslosigkeit bewahrt werden.

Die Linke im Hessischen Landtag forderte die Landesregierung auf, mit den betroffenen Kommunen Perspektiven für die Beschäftigten zu entwickeln. „Massenentlassungen bei Galeria-Karstadt-Kaufhof müssen unbedingt verhindert werden“, sagte der gewerkschaftspolitische Sprecher der Linken, Hermann Schaus.

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