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Frankfurter City soll attraktiver werden

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Von: Oliver Teutsch

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Auf der Zeil gibt es aktuell viel Leerstand wie hier zwischen der Großen Friedberger Straße und der Schäfergasse. Monika Müller
Auf der Zeil gibt es aktuell viel Leerstand wie hier zwischen der Großen Friedberger Straße und der Schäfergasse. Monika Müller © Monika Müller

Städtisches Konzept sieht mehr Gastronomie und Kultur vor / Großes Hotel soll Zeil ab 2028 beleben

Mit viel Geld und neuen Ideen will Frankfurt seine Innenstadt wieder beleben. 30 Millionen Euro hat der Magistrat dafür in der vergangenen Woche in Aussicht gestellt. Der Einzelhandel als großer Schwerpunkt funktioniere nicht mehr, hatte Planungsdezernent Mike Josef (SPD) zu bedenken gegeben. In der Tat gibt es aktuell bedenklich viel Leerstand auf der Zeil, die jahrzehntelang als umsatzstärkste Einkaufsmeile Deutschlands gepriesen wurde.

In den kommenden Jahren sind durch einige Großbaustellen zumindest zeitweise Abstriche in Sachen Attraktivität zu befürchten. So soll demnächst der Abriss des ehemaligen Sportpalasts an der Katharinenkirche beginnen. Auch die Zeil wird spätestens mit dem geplanten Abriss des früheren Karstadt im Frühjahr 2025 für etwa zweieinhalb Jahre zur Großbaustelle. Weitere Abrisse sind vorprogrammiert, denn die Zeil mit ihren großen Kaufhäusern auf vielen Etagen ist nicht mehr zeitgemäß. In Zeiten, in denen Ware per Mausklick bestellt werden kann, möchte niemand mehr für eine Unterhose per Rolltreppe in den vierten Stock.

Um dem Leerstand zu begegnen, will die Stadt mehr auf Gastronomie und Kultur setzen. Dafür sollen ein Lenkungskreis und eine Ideenschmiede her. Beispiele, wie es geht oder nicht geht, gibt es in den Quartieren jenseits der Zeil schon. Wer wissen will, wie es nicht funktioniert, braucht sich nur den Rathenauplatz zwischen Zeil und Freßgass anzuschauen. In den luxuriösen Neubauten um den Platz gibt es Luxusläden im Erdgeschoss und Büros in den oberen Etagen. Der Platz ist dadurch generell öde und abends tot. Für das meiste Leben sorgt dort unter der Woche tagsüber noch eine Apotheke.

Ein Positivbeispiel hingegen ist die Fahrgasse südlich der Zeil. Insbesondere der Abschnitt zwischen Berliner Straße und Mainufer hat sich in den vergangenen Jahren gut entwickelt. Glaubt man Christian Daam, so fing die Trendwende an, als das Bier-Restaurant „naiv“ dort vor gut acht Jahren Einzug hielt. Die Kneipe, in der es Bier-Verkostungen gibt, ist stets gut besucht und so erfolgreich, dass sie in der Fahrgasse mittlerweile auch eine kleine Pizzeria und einen „bottle-shop“ mit hochpreisigen, exquisiten Getränken anbietet. Der Erfolg zog weitere Gastronomen und den Einzelhandel an. „Ich kenne viele Gastronomen, die unbedingt hierher wollen und gesagt haben, wir sollen Bescheid geben, wenn was frei wird.“ Die einst wenig belebte Fahrgasse hat sich mit Galerien, Gastronomie und kleinen inhabergeführten Geschäften zu einem quirligen Viertel entwickelt, vor allem an Wochenenden.

Der vielfältige Mix kommt aber nicht von ungefähr. Viele der Läden gehören der städtischen Wohnungsbaugesellschaft ABG. Der geht es bei der Vermietung nicht vorrangig ums Geld, wie ABG-Chef Frank Junker verrät: „Wir vermieten nicht an Ketten, Handyläden oder Wettbüros.“ Daam vom „Naiv“ erinnert sich, dass bei der Vermietung der Ladenfläche des bottle-shops auch eine Shisha-Bar mitgeboten habe. „Die haben gesagt, egal was gezahlt wird, wir bieten das Doppelte.“ Den Zuschlag erhielt trotzdem der kleine Laden mit der exquisiten Auswahl.

Ein weiterer Vorteil in der Fahrgasse: Dort leben Menschen. So weiß Hediye Öztas vom kleinen Einkaufs-Kiosk „Main Lotto“ zu berichten, dass in der Straße immer etwas los sei. „Vormittags kommt die Stammkundschaft, nachmittags Laufkundschaft und Touristen.“

Natürlich funktioniert eine Großstadt wie Frankfurt nicht nur mit kleinen Cafés, Galerien und Liebhaber-Läden. Die Mietpreisspirale in den sogenannten 1a-Lagen lässt sich kaum mehr zurückdrehen und somit nur Kundschaft zu, die sich hohe Mieten leisten kann. Daher gibt es auf der Zeil allein zwischen Konstablerwache und Hauptwache fünf Handyläden.

Hotel auf Karstadt-Gelände

Belebung für die Innenstadt verspricht Albert Sahle ab 2028 durch ein Hotel auf der Zeil. Der Geschäftsführer von Sahle Wohnen, dem Unternehmen, dem das Karstadt-Areal gehört, verriet der FR exklusiv, wie die Pläne für das Areal aussehen. Vorgesehen ist ein Neubau, in dem im Untergeschoss Drogerie und Lebensmittelhandel und im Erdgeschoss und ersten Stock „klassischer Einzelhandel“ Kundschaft anlocken soll. Für die oberen Etagen sei ein Hotel geplant. Zwei große Hotelketten, Motel One und Premier Inn, hätten proaktiv großes Interesse signalisiert. „Ein Hotel sehe ich dort bislang als einzig vernünftige Alternative“, so Sahle. Wohnungen zu bauen hält der Geschäftsmann nicht für sinnvoll: „Ich kann mir Wohnen ohne Parkplätze nicht vorstellen.“ Denn das Parkhaus, dessen Gelände sich die österreichische Signa-Gruppe gesichert hat, soll Sahle zufolge ebenfalls abgerissen und nicht ersetzt werden. Somit werden dem Einzelhandel in der City weitere Parkplätze entzogen. Für die Hotelketten sei das kein Problem, sie setzen auf Gäste, die nicht mit dem Auto anreisen. Einen Abgesang auf den Einzelhandel in der Frankfurter City will Sahle aber nicht anstimmen: „Dort wo schon die Römer eingekauft haben, wird es auch in 100 Jahren noch Einzelhandel geben.“

Das hört Einzelhandels-Präsident Joachim Stoll gerne. Er warnt angesichts der Ankündigung der Stadt, künftig mehr auf Gastronomie und Kultur zu setzen schon mal vorsorglich: „Der Handel ist immer noch mit weitem Abstand der Grund Nummer eins, warum die Menschen in die Stadt kommen.“ Bei dem angekündigten Konzept fehle ihm der Handel: „Der gehört in die Überschrift.“ Wie genau das Konzept aussehen soll, wollte Planungsdezernent Josef noch nicht verraten, dazu werde es eigens eine Pressekonferenz geben. Wünsche aber sind schon erlaubt: Mehr Fahrgasse, weniger Rathenauplatz

In der Fahrgasse lässt es sich aushalten wie hier vor einer Eisdiele. Foto: Monika Müller.
In der Fahrgasse lässt es sich aushalten wie hier vor einer Eisdiele. © Monika Müller
Der Bottle-Shop in der Fahrgasse bietet ausgefallene Getränke. Foto: Monika Müller
Der Bottle-Shop in der Fahrgasse bietet ausgefallene Getränke. © Monika Müller

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