1. Startseite
  2. Rhein-Main

Frankfurt wird zur Fahrrad-Hauptstadt

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Oliver Teutsch

Kommentare

Lastenräder werden auch immer häufiger gewerblich genutzt. dt, Foto: Michael Schick
Lastenräder werden auch immer häufiger gewerblich genutzt. dt, © Michael Schick

Die weltgrößte Fachmesse „Euro-Bike“ im Juli wirft schon jetzt ihre Schatten voraus. Mit dem Umzug aus Friedrichshafen soll die Leitschau zur Mobilitätsmesse werden.

Frankfurt rückt in den Mittelpunkt der Fahrradwelt. Zumindest für fünf Tage Mitte Juli, wenn die weltweit größte Fahrradmesse Euro-Bike erstmals in der Mainmetropole über die Bühne geht. Mit dem Umzug aus dem beschaulichen Friedrichshafen ins dicht besiedelte Rhein-Main-Gebiet verbinden sich vonseiten des Veranstalters hohe Erwartungen. „Wir erwarten in Frankfurt die größte Veranstaltung bisher“, sagt Stefan Reisinger, Chef der eigens von den Messegesellschaften Frankfurt und Friedrichshafen für die Euro-Bike gegründeten fairnamic GmbH. Die Ausstellungsfläche in den Hallen 8, 9, 11 und 12 liegt mit 100 000 Quadratmetern höher als in Friedrichshafen vor der Pandemie, und auch die angepeilten 1500 Ausstellerinnen und Aussteller wären ein neuer Rekord.

Durch die Euro-Bike erfährt Frankfurt schon jetzt mehr Aufmerksamkeit als bislang. Diese Woche gastierte erstmals der „Fahrrad-Frühling“ in der Stadt. Eine Veranstaltung, die über Neuheiten und Trends rund um das Thema Fahrrad informiert und bislang nur in den deutschen Millionenstädten Berlin, Hamburg und Köln stattfand. Da Frankfurt aber nun mal im Sommer in den Mittelpunkt der Fahrradwelt rücke, sei eine Station des Fahrrad-Frühlings in der Stadt folgerichtig, argumentierte Gunnar Fehlau, der die Veranstaltung mit seinem Pressedienst-Fahrrad 2004 erstmals initiierte.

Fehlau präsentiert in einem zum Showroom umgestalteten Restaurant in der Innenstadt Produktneuheiten, und der Laie staunt, wie wenig der Begriff Drahtesel zu den neuesten High-Tech-Produkten passt und wie viel Innovationsgeist der strampelnden Zunft offeriert wird. Vor allem im Bereich der Lastenräder hat sich unglaublich viel getan. Der Trend sei: „Lieber ein Cargo-Bike als einen Zweitwagen“, sagt Fehlau. Angesichts der teuren Spritpreise ist das allemal eine Überlegung wert. Allerdings sind die von Fehlau vorgestellten Neuheiten mit Preisen von fast 6000 Euro in der Anschaffung auch nicht viel günstiger. Dafür bietet manches Lastenrad für Kinder eine Reling wie ein Gitterbett. Mittlerweile, erläutert Fehlau, habe sich die Gesetzeslage geändert, und die Mitnahme von Kindern auf Lastenrädern sei erlaubt, sofern die Vehikel dafür „baulich geeignet“ seien.

Radreise-Messe

Die 24. ADFC-RadReiseMesse im Saalbau Bornheim präsentiert bereits am 20. März von 11 bis 17 Uhr Ideen für die Sommersaison. Der Eintritt für die ehrenamtlich organisierte Messe beträgt zwei Euro.

Über 30 Tourismusverbände und Reiseveranstalter aus Deutschland und dem benachbarten Ausland locken mit Angeboten und Tourenvorschlägen. Im Rahmenprogramm wird stündlich zu Lichtbild-Vorträgen durch Deutschland, in die kanadische Prärie oder an den Gaza-Streifen eingeladen. ote

www.adfc-frankfurt.de/rrm

Überhaupt denkt die Fahrradbranche viel an den Nachwuchs. Die Anhänger für Kinder kommen mittlerweile wie kleine Wohnwagen daher. Die Sitze sind bequem, die Klarsichtfolie hat einen UV-Filter wie bei Sonnenbrillen. Eltern, die ihre Kinder lieber mit dem Laufrad alleine losschicken, können die Modelle seit Neuestem per Fernbedienung bremsen. Auch Helme mit integriertem Rücklicht, Rücklicht mit Sensoren, die auf nahende Autos hinweisen, anklickbare Gepäckträger für Rennräder und Neoprenhüllen für Akkus gibt es mittlerweile.

All diese Neuheiten werden sicherlich auch auf der Euro-Bike zu bestaunen sein. Dazu kommen viele Themen, die sich nicht unmittelbar ums Rad drehen, wie Organisator Reisinger verspricht: „Es geht über das Fahrrad hinaus.“ Denn anders als die IAA, die sich immer nur als Automesse verstand, will die Euro-Bike mit dem Umzug nach Frankfurt noch mehr zur Mobilitätsmesse werden. Nicht zuletzt das Thema Dienstleistung und Service werde in den Fokus rücken.

Dass es beim Thema Fahrrad nicht nur um den reinen Verkauf an Endkundinnen und -kunden geht, zeigt schon die immense Größe des Fachpublikums. Wie schon in Friedrichshafen werden an den drei Fachbesuchertagen vom 13. bis 15. Juli etwa 50 000 Gäste auf dem Messegelände erwartet. „Bei den Endkunden hingegen ist das schwer einzuschätzen, das wird eine spannende Geschichte“, sagt Reisinger. In Friedrichshafen waren an einem Tag für die Allgemeinheit rund 20 000 Besucher gekommen. In Frankfurt wird an den beiden offenen Tagen (16. und 17. Juli) mit insgesamt etwa 50 000 Messegästen kalkuliert.

Mit dabei sind dann sicherlich auch Fahrradexperte Fehlau und sein Team. „Wir sind auf die Euro-Bike heiß wie Frittenfett.“ Vorher aber lädt schon am 11. und 12. Juni die etablierte Messe Velo Frankfurt in die Eissporthalle ein.

Auch interessant

Kommentare