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Frankfurt und Hessen: Fahrraddiebstähle nehmen weiter zu

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Von: Oliver Teutsch

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Gerade teure E-Bikes sind begehrt und sollten mit stabilen Schlössern gesichert werden. Rolf Oeser (3)
Gerade teure E-Bikes sind begehrt und sollten mit stabilen Schlössern gesichert werden. Rolf Oeser (3) © Rolf Oeser

Nicht nur wegen der motorisierten Vehikel wird der Diebstahl von Fahrrädern für Langfinger immer lukrativer.

Der Kampf ums Fahrrad wird härter. Obwohl laut Ermittlungsgruppe Fahrrad der Frankfurter Polizei „der Großteil der Fahrräder ausreichend gesichert ist“, nehmen die Diebstähle zu. In Frankfurt bereits im dritten Jahr in Folge. Das Landeskriminalamt (LKA) in Wiesbaden hat nun auch eine Prognose für das laufende Jahr abgegeben: Die Zahl der gestellten Strafanzeigen in Hessen ist gestiegen. Womit das LKA schon auf eine Besonderheit beim Deliktfeld Fahrrad-Diebstahl hinweist: Lange nicht jeder Diebstahl wird auch zur Anzeige gebracht.

Dass die Zahl der gemeldeten Fahrrad-Diebstähle im laufenden Jahr steigt, kann nicht nur auf die höhere Aktivität von Langfingern zurückgeführt werden, sondern auch auf ein gestiegenes Interesse der Opfer, den Diebstahl zur Anzeige zu bringen. Denn die Zweiräder werden nicht zuletzt wegen des anhaltenden Trends zum E-Bike immer kostbarer.

Der Gesamtverband der Versicherer vermeldete unlängst Zahlen, die zumindest in Frankfurt verblüffen. Die Zahl der bundesweiten Fahrrad-Diebstähle hat demnach 2021 ein Rekordtief erreicht. Der Jubel des Verbands fällt dennoch verhalten aus. Denn die Gesamtsumme, die den Versicherten erstattet werden muss, ist im Laufe der Jahre nicht gesunken, weil die einzelnen Fahrräder immer teurer werden. So habe sich der Schadensdurchschnitt in den vergangenen zehn Jahren von 440 auf 860 Euro fast verdoppelt. Der mittlere Verkaufspreis habe sich in den vergangenen Jahren deutlich nach oben entwickelt, teilt auch das LKA mit und verweist auf Zahlen des Zweirad-Industrieverbands. Was auch erklärt, warum die Diebstähle nicht abnehmen. Sie lohnen sich immer mehr und sind daher auch einen größeren Aufwand wert. So unterscheidet die Ermittlungsgruppe Fahrrad zwischen zwei Tätergruppen. Zum einen die seit Jahren bekannte Beschaffungskriminalität der Drogenszene, zum anderen eine professionalisierte Tätergruppe, die sogar eine Akku-Flex mit sich führe, um Schlösser aufzuflexen.

Professionalisiert hätten sich in Teilen auch „die Strukturen hinter den Dieben“. So sei festgestellt worden, dass Banden die Fahrräder mittels Kleintransportern schnellstmöglich ins osteuropäische Ausland bringen lassen. Teilweise arbeiten Beschaffungskriminalität und Profis auch zusammen, wie ein größerer Ermittlungskomplex aus dem vergangenen Jahr in Frankfurt zeigt. Ein 54-Jähriger hatte sich laut Polizei immer wieder von Drogensüchtigen gestohlene Fahrräder liefern lassen, um diese dann mit Transportern ins Ausland zu kutschieren. Bei der Wohnungsdurchsuchung des Hauptverdächtigen in Sachsenhausen stellte die Polizei mehr als 30 Fahrräder sicher, zuvor war schon ein Komplize geschnappt worden, der weitere fünf Fahrräder in einem Sprinter dabei hatte.

Die Zuordnung aller in Sachsenhausen sichergestellten Fahrräder war auch im Frühjahr 2022 noch nicht abgeschlossen, was auch ein Problem der Polizei aufzeigt: Ein Fall von Fahrrad-Diebstahl kann nur abgeschlossen werden, wenn das Diebesgut auch zu seinem ursprünglichen Besitzer zurückfindet. So erklärt sich zum Teil auch die sehr bescheidene Aufklärungsquote beim Fahrrad-Diebstahl. In Frankfurt lag sie im vergangenen Jahr bei lediglich 5,3 Prozent. Hessenweit lag sie mit 9,9 Prozent deutlich besser. Womöglich, weil auf dem flachen Land die Zuordnung geklauter Räder einfacher ist als im unübersichtlichen Frankfurt. Dort waren im vergangenen Jahr 5221 Fahrräder als gestohlen gemeldet worden, fast die Hälfte aller insgesamt in Hessen registrierten Fälle (11598).

Dass die Fahrrad-Diebstähle in Frankfurt seit Jahren zunehmen, hat laut Polizei verschiedene Gründe. Zum einen, ganz profan, gibt es immer mehr Frankfurterinnen und Frankfurter und somit auch schon rein statistisch immer mehr Fahrräder in der Stadt. Darüber hinaus gibt es laut Polizei zwei weitere Phänomene, die für mehr Fahrräder, also auch mehr Gelegenheiten zum Diebstahl sorgen. Wegen der Pandemie sind Menschen aufs Fahrrad umgestiegen, die vorher öffentliche Verkehrsmittel benutzten. Der Umstieg wurde für viele auch durch E-Bikes interessanter. Die Motorisierungshilfe, so urteilt die Polizei, habe dem Fahrradmarkt generell eine völlig neue Zielgruppe und somit noch mehr potenzielle Opfer für Langfinger erschlossen.

Der E-Bike-Boom führt dabei zu teils kuriosen Blüten. So vermeldete die Frankfurter Polizei am Donnerstag die Festnahme eines E-Bike-Fahrers. Die Stadtpolizei hatte ihn angehalten, weil er im Bahnhofsviertel bei Rot über eine Ampel gefahren war. Die zur Hilfe gerufene Landespolizei entdeckte bei dem Mann dann Heroin, Crack und eine größere Menge Bargeld. Auf die Frage, ob das E-Bike ihm sei, entgegnete der 40-Jährige ausweichend, er nutze das Rad für seine Drogenkurier-Fahrten. Wenn selbst Drogenkuriere in Frankfurt auf das E-Bike setzen, wird klar, wie begehrt die motorisierten Zweiräder mittlerweile sind.

So begehrt, dass auch Zubehörteile auf der Liste der Diebe stehen. Das LKA rät daher, beim Abstellen von Elektrofahrrädern wertvolle Zubehörteile wie den Akku und das Display unbedingt mitzunehmen oder mit einem zusätzlichen stabilen Schloss zu sichern. Die Akku-Schlösser vieler Elektrofahrräder würden zudem als Diebstahlschutz nicht ausreichen. Fahrräder sollten generell immer mit dem Rahmen, Vorder- und Hinterrad an einem fest verankerten Gegenstand angeschlossen werden, selbst in Fahrradabstellräumen und Kellern, mahnt das LKA. Nur so kann der Kampf um das immer beliebtere Fahrrad gewonnen werden.

Dünne Schlösser wie diese gelten im Polizeijargon als „Geschenkbandel“.
Dünne Schlösser wie diese gelten im Polizeijargon als „Geschenkbandel“. © Andreas Arnold

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