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Ein Kormoran sitzt auf einem Steg am Rhein im Schiersteiner Hafen.

Wassermangel

Frankfurt trinkt aus dem Rhein

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Die trockenen Sommer lassen die Grundwasserpegel gefährlich absinken. Deshalb wurde nun so viel Flusswasser wie nie versickert. So gab es zwar genug Trinkwasser für Frankfurt. Ändern muss sich trotzdem einiges.

Rund 34 Millionen Kubikmeter Rheinwasser wurden im vergangenen Jahr in der Nähe der Gemeinde Biebesheim am Rhein in den Untergrund geleitet. Das ist so viel wie noch nie seit Inbetriebnahme der Aufbereitungsanlage im Hessischen Ried vor 30 Jahren. Nötig wurde das, damit die dortigen Grundwasserpegel wegen der heißen und vor allem sehr trockenen Sommer im vergangenen Jahr und im Jahr 2018 nicht zu tief sinken. Aus dem Ried beziehen die Stadt Frankfurt und die Rhein-Main-Region einen Großteil ihres Trinkwassers.

Wie Hubert Schreiber von Hessenwasser mitteilt, wurden aus dem Main weitere drei Millionen Kubikmeter am Schwanheimer Ufer infiltriert. „Das entspricht rund 30 Prozent des dort entnommenen Grundwassers“, sagt Schreiber. Insgesamt würden rund die Hälfte der Menge an Grundwasser, die von Hessenwasser für die Aufbereitung von Trinkwasser für die Rhein-Main-Region aus dem Boden gepumpt würden, durch Oberflächenwasser ersetzt.

Die Zahlen zeigten, dass schon heute große Mengen von sogenanntem Brauchwasser verwendet würden, um den steigenden Trinkwasserbedarf des Ballungsraums mit seinem Bevölkerungswachstum zu decken. So sei die bei Schwanheim infiltrierte Menge deutlich mehr, als rechnerisch für die Toilettenspülungen genutzt werde.

Die Schutzgemeinschaft Vogelsberg hatte am Mittwoch ein Konzept vorgelegt, das unter anderem einen deutlichen Ausbau der Brauchwassernutzung etwa durch die Installation dualer Rohrsysteme bei Neubauten fordert. Der Vogelsberg leidet unter den ausbleibenden Niederschlägen, während zugleich jährlich rund 30 Millionen Kubikmeter Grundwasser von dort gen Frankfurt gepumpt werden. Die Schutzgemeinschaft dringt deshalb darauf, dass Frankfurt mehr für die Eigenversorgung unternimmt.

Schreiber hält die Installation solcher Systeme für zu aufwendig und teuer. Günstiger sei es da, Brauchwasser durch das Infiltrieren in den Boden zu Grundwasser zu machen, aus dem dann das Trinkwasser gewonnen werde.

Den versiegenden Quellen und trockengefallenen Bächen im Vogelsberg nützt die Versickerung im Ried allerdings nichts. Dort gibt es allerdings Förderbeschränkungen, die die Schutzgemeinschaft angesichts des Klimawandels jedoch nicht für ausreichend hält.

Hessenwasser lässt zurzeit Gutachten erstellen, die zeigen sollen, wie sich gehäuft auftretende Trockenheit auf die Neubildung von Grundwasser auswirkt. Und Frankfurt lässt prüfen, wie es vermehrt Regen- und Oberflächenwasser nutzen kann. „Niemand weiß, wie es nach fünf oder zehn Sommern wie 2018 aussieht“, räumt Schreiber ein. Grundsätzlich sei es sinnvoll, Trinkwasser nur dort einzusetzen, wo es aus Hygienegründen nötig sei. „Das Grün sollte man damit nicht bewässern“, sagt er.

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