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Drei mutmaßliche Salafisten müssen sich seit Donnerstag vor dem Landgericht Frankfurt verantworten.

Justiz

Prozess gegen mutmaßliches Salafisten-Trio in Frankfurt

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Drei mutmaßliche Salafisten müssen sich seit Donnerstag vor dem Landgericht Frankfurt verantworten. Der Prozess könnte mit einem Deal enden.

  • Drei Männer stehen in Frankfurt vor Gericht. Der Vorwurf: Terrorismus-Finanzierung.
  • Die Männer aus Wiesbaden und Offenbach sind Salafisten.
  • Der Salafisten-Prozess in Frankfurt könnte mit einem Deal enden.

Frankfurt - Im zweiten Anlauf müssen sich seit Donnerstag zwei 32 Jahre alte Zwillingsbrüder aus Wiesbaden und ein 22jähriger Offenbacher wegen Terrorismus-Finanzierung vor dem Landgericht verantworten. 

Ihnen wird vorgeworfen, 1600 Euro vom Jobcenter dafür missbraucht zu haben, ein Maschinengewehr kaufen zu wollen. Zudem hätten sie geplant, ein Auto anzumieten, um damit in eine Menschenmenge zu fahren, sowie Polizisten in Hinterhalte zu locken, zu ermorden und ihnen die Dienstwaffen abzunehmen, um mit diesen weitere „Ungläubige“ zu töten.

Terrorismus-Prozess in Frankfurt: Mutmaßliche Salafisten können auf Deal hoffen

Der Prozess hatte bereits im März begonnen, war aber kurz darauf wegen einer Erkrankung des Vorsitzenden Richters abgebrochen worden. Damals saßen noch alle drei Angeklagten in Untersuchungshaft, mittlerweile ist einer der beiden Brüder wieder auf freiem Fuß. Die Kammer machte gleich zu Beginn klar, dass sie sich einem Deal nicht verschließen werde. 

Im Falle eines Geständnisses könnte sie sich für den Offenbacher Samir S. und den Wiesbadener Sebastian Sh. eine Freiheitsstrafe zwischen zwei Jahren und acht Monaten und dreieinhalb Jahren vorstellen, dessen Zwillingsbruder Benjamin Sh. könnte mit einer Bewährungsstrafe rechnen. Die Verteidigung will sich das erst noch einmal überlegen.

Prozess in Frankfurt: Angeklagtes Trio macht keine Angaben zur Sache

Und daher machten die drei wie schon beim ersten Prozessauftakt keine Angaben zur Sache. Dafür plauderten die Zwillinge immerhin ein wenig über ihre Jugend, und das zumindest war überraschend originell. So hätten wohl die wenigsten vermutet, dass Sebastian Sh. nach eigenen Angaben in einem Dorf im Landkreis Mainz/Bingen „eine christliche Erziehung“ und sogar „die Kommunion durchgemacht“ hätte und sogar „jeden Sonntag in die Kirche“ gegangen sei. 

Irgendwann aber hätten die Nachbarn aus unerfindlichen Gründen gefordert, dass der Kampfhund der Sh.s verschwinden müsse, und da seien er, seine Eltern und seine fünf Geschwister gleich mit verschwunden, in eine Gegend, in der der Kampfhund den Menschen fürchtet und nicht umgekehrt: den Hunsrück. 

Ihn und seinen Bruder Benjamin hätten die Lehrer schon früh voneinander getrennt, damit sie nicht durchdrehen – die Lehrer, nicht die Brüder. Separiert hätten dann beide die Hauptschule beendet und Karriere gemacht: er als Lagerarbeiter, bis ihn der Rücken geschmerzt habe (nach vier Jahren), sein Bruder als Tierkäfigreinigungsfachkraft im Max-Planck-Institut.

Prozess in Frankfurt: „Ich bin ein lustiger Mensch“

Es hätte auch anders kommen können. Sebastian Sh. hatte nach eigenen Angaben das zweitgrößte geschafft, wovon ein Fußballer träumen kann: Mit 18 Jahren habe er für die zweite Mannschaft von Kickers Offenbach gespielt, sei dort aber achtkantig rausgeflogen, weil er die Anwesenheitspflicht bei der Weihnachtsfeier ignoriert habe. Er habe lieber mit seiner Freundin kuscheln wollen und seinen Zwillingsbruder auf die Feier geschickt. Das sei leider aufgeflogen.

„Ich bin ein lustiger Mensch“, sagt auch Benjamin Sh. über sich, und da scheint was dran zu sein: Erst seit ein paar Tagen aus dem Gefängnis, ist seine Ehefrau das zweite Mal von ihm schwanger. Die Kammer staunt nicht schlecht und gratuliert.

Der Prozess wird fortgesetzt.

Von Stefan Behr

Am Landgericht Frankfurt endet der Prozess gegen drei junge Männer mit langen Freiheitsstrafen. Sie hatten einen 24-Jährigen in den Main geworfen.

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