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Frankfurt: So rockt und rollt das Jahr

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Von: Meike Kolodziejczyk

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Sie will doch nur spielen – und veröffentlicht im Februar mit „Babyblue“ ihr zehntes Studioalbum: Annett Louisan.
Sie will doch nur spielen – und veröffentlicht im Februar mit „Babyblue“ ihr zehntes Studioalbum: Annett Louisan. © Jim Rakete

Peter Gabriel und Robbie Williams kommen, Depeche Mode und Iron Maiden auch. Manche Konzerte sind schon ausverkauft, es bleiben aber noch viele andere, von Pop bis Punk.

Corona, Krieg und Krisen: 2022 mag in mancherlei Hinsicht schrecklich gewesen sein – aber es war ein grandioses Konzertjahr. Nachdem sämtliche Bands ihre Touren wegen der Pandemie teils mehrfach verschieben mussten, holten etliche die ausgefallenen Auftritte im vergangenen Jahr nach. Die Größen und Legenden aus Rock, Pop, Punk, Grunge und Wave füllten die Konzerthallen der Region, von a-ha bis Zucchero, von Deep Purple bis Pearl Jam, von Udo Lindenberg bis Patti Smith, von The Cure bis Kiss. Elton John und Iron Maiden brachten das Waldstadion zum Brodeln, Coldplay schaffte das sogar an drei Abenden, ebenso wie Ed Sheeran, der danach noch das Frankfurter Oktoberfest mit einem Spontanbesuch beglückte. Verglichen damit kommt 2023 zwar etwas weniger fulminant daher, kann sich aber ebenfalls hören und sehen lassen. Vorausgesetzt, man bekommt noch Karten, denn das wird gerade für einige der großen Acts schwierig.

Legenden und Ikonen

Fast eine Dekade ist seit seiner letzten Tour vergangen, jetzt ist Peter Gabriel „erfüllt von vielen neuen Songs“ und freut sich „sehr darauf, sie live zu performen und euch da draußen zu sehen“. Zum Beispiel in der Frankfurter Festhalle, wo der Mitgründer und Ex-Frontmann von Genesis auf seiner Europatour am 13. Juni Station macht. Im Gepäck hat er nicht nur Songs seines nächsten Albums, sondern auch Stücke aus seinem unermesslichen Repertoire. Die schlechte Nachricht: Es sind nur noch sehr wenige, hochpreisige Tickets zu haben für den Ausnahmemusiker, der sich seit Jahrzehnten für Frieden und Menschenrechte einsetzt.

Traurig dagegen, dass Roger Waters in jüngerer Vergangenheit wiederholt mit fragwürdigen Äußerungen über Israel oder den Ukrainekrieg aufgefallen ist, was selbst in den Ohren ergebener Pink-Floyd-Fans dumpf nachhallen dürfte. Doch sein musikalisches Vermächtnis ist über alle Zweifel erhaben, das er auf seiner „This Is Not A Drill“-Tour am 28. Mai in der Festhalle präsentiert.

Voriges Jahr gastierte er im Volkspark in Mainz, dieses Jahr beehrt Sting im Zuge seiner „My Songs“-Tour die andere Rheinseite. Am 17. Juni spielt er in der Brita-Arena in Wiesbaden Hits aus seiner Zeit als Sänger von The Police sowie aus seiner Solokarriere.

Lionel Richie reist für eines von nur zwei Deutschland-Konzerten nach Hessen und tritt am 21. Juni, einen Tag nach seinem 74. Geburtstag, in der Brita-Arena auf.

Nach dem Tod von Keyboarder Andy Fletcher im Mai 2022 schien die Zukunft von Depeche Mode zunächst ungewiss. Nun bringen die Briten in Bälde ihr nunmehr 15. Studioalbum heraus, das „Memento Mori“ heißt. Danach geht es auf Welttournee. „Wir haben mit der Arbeit an diesem Projekt früh in der Pandemie begonnen“, wird Martin Gore auf der Band-Homepage zitiert. Fletcher hätte gewollt, dass es fortgesetzt wird, sein Tod habe ein „neues Level der Bedeutung“ hinzugefügt. Wer noch keine Konzertkarten hat, sollte sich sputen, denn beide Termine im Waldstadion, am 29. Juni und am 1. Juli, sind schon nahezu ausgebucht.

Dazwischen, am 30. Juni, tritt mit den Hollywood Vampires die wohl am prominentesten besetzte Coverband der Welt auf der Zitadelle in Mainz auf. US-Schockrocker Alice Cooper, Aerosmith-Gitarrist Joe Perry und Schauspieler Johnny Depp huldigen ihren Helden, zum Beispiel Led Zeppelin, The Who, John Lennon oder Jimi Hendrix. Ebenfalls auf dem pittoresken Gelände der Zitadelle zu Gast sind am 15. Juli Simply Red .

Als weitere Urgesteine des Rock und Pop wären zudem Velvet-Underground-Gründer John Cale zu nennen (19. Februar, Alte Oper Frankfurt), Henry Rollins (10. März, Schlachthof Wiesbaden), Barclay James Harvest (13. März, Kongresshalle Gießen; 14. März, Centralstation Darmstadt), Gitarrengenius Steve Hackett (4. Mai, Alte Oper), Mike & The Mechanics (31. Mai, Jahrhunderthalle Frankfurt), Ex-Police-Schlagzeuger Stewart Copeland (22. Juli, Jahrhunderthalle) sowie Deep-Purple-Drummer Ian Paice (5. September, Colos-Saal Aschaffenburg). Andere Legenden schaffen es indessen 2023 nicht ganz bis ins Rhein-Main-Gebiet, dafür aber nach Mannheim, so etwa Elton John, Kiss, die Scorpions und die Red Hot Chili Peppers.

Superstars und Sternchen

Ist er bereits eine lebende Legende? Oder hat er dafür noch etwas Zeit? Auf jeden Fall ist er legendär, und genau das wird Robbie Williams auch auf seiner „XXV“-Tour gleich zweimal in Frankfurt unter Beweis stellen. „Let me entertain you“ heißt es am 15. und am 16. Februar in der Festhalle. Und selbstredend gibt es für beide Konzerte kaum noch Karten. Etwas besser sieht es noch für den Auftritt von Pop-Diva Anastacia aus. Sie sollte eigentlich bereits im Sommer auf ihrer „I’m Outta Lockdown“-Tour in Frankfurt Station machen, musste auf ärztliches Anraten jedoch mehrere Konzerte verschieben. Nun röhrt ihre unverwechselbare Soul-Stimme am 3. Februar durch die Jahrhunderthalle.

Dort steht am 15. März auch Dermot Kennedy auf der Bühne. Der irische Singer-Songwriter landete 2018 mit „Power over me“ seinen ersten großen Hit und brachte 2019 sein Debüt-Album heraus. 2023 ist er mit seiner zweiten, im November erschienenen Platte „Sonder“ auf Tour. Ebenfalls in die Jahrhunderthalle kommen Katie Melua (18. April), The BossHoss (20. Oktober) und Sasha (10. Dezember), zudem lädt Rea Garvey für 20. bis 22. Dezember zum „Christmas Calling“.

Justin Bieber sollte eigentlich demnächst Frankfurt bezirzen, hat aber seine Welttour im Herbst wegen „gesundheitlicher Probleme“ abgebrochen. Der schottische Singer-Songwriter Lewis Capaldi bekannte derweil, das Tourette-Syndrom zu haben; er kommt am 21. Februar auf seiner „Broken By Desire To Be Heavenly Sent“-Tour am 21. Februar in die Festhalle.

Etwas prägnanter ist der Titel der Tour von Avril Lavigne : „Love Sux“. Pandemiebedingt wurde sie mehrfach verschoben. Nun endlich kann die Kanadierin am 18. April ihr Konzert in der Stadthalle Offenbach nachholen – und will dort „einfach nur abrocken“.

Bekannt wurde er als Mitglied der britisch-irischen Boygroup One Direction, doch Harry Styles schafft es inzwischen längst allein, ganze Stadien zu füllen oder auch 15 Abende in Folge den New Yorker Madison Square Garden wie anno 2022. So wird es ihm im Zuge seiner „Love On“-Tour auch gelingen, das Waldstadion an seine Grenzen zu bringen, und das gleich zwei Mal, am 5. und 6. Juli. Der kanadische R&B-Sänger The Weeknd begnügt sich dort am 14. Juli dagegen mit einer Runde.

Wer es nicht gar so gigantisch braucht und die gediegeneren Töne und Orte zu schätzen weiß, sollte Birdy im Schlachthof Wiesbaden (30. März), Milow in der Frankfurter Batschkapp (5. April) und Beth Hart auf der Zitadelle Mainz (28. Juli) nicht verpassen.

Von Metal bis Alternative

Wer es indessen besonders hart mag und 2022 nicht genug abbekommen hat, kann versuchen, noch ein Rendezvous mit Eddie zu ergattern. Nach der „Legacy Of The Beast“-Welttournee tobt er heuer unter dem Titel „The Future Past“ durch Europa, natürlich als Anhang von Iron Maiden . Diesmal suchen die eisernen Jungfrauen und ihr Zombie-Maskottchen allerdings „nur“ die Frankfurter Festhalle heim, und zwar am 29. Juli. Horrend sind dabei jedoch vor allem die Preise für die noch verfügbaren Tickets.

Dann vielleicht doch lieber eine Nummer kleiner. Zu Accept in die Frankfurter Batschkapp etwa. Das Konzert der Solinger Schwermetaller wurde wegen Corona um ein Jahr verschoben auf den 17. Januar. Als Speerspitze des deutschen Thrash Metals hat sich die 1982 in Frankfurt aus dem biergefüllten Taufbecken gehobene Gruppe Tankard bewährt, die am 28. April im Colos-Saal in Aschaffenburg rumort. Oder eine Woche vorher zu Electric Callboy . Die Metalcore- und Trancecore-Band aus Castrop-Rauxel wummert am 21. April in der Festhalle. Als Vertreter des Nu Metal und Rapcore fallen Limp Bizkit aus Florida am 5. April in der Jahrhunderthalle ein, am 8. Mai bringen die Arctic Monkeys Alternative-Post-Punk-Garagen-Rock von der britischen Insel in die Festhalle, und am 22. Juli sorgen Feine Sahne Fischfilet unter dem Motto „Kommt mit aufs Boot“ für politische Töne am Wiesbadener Schlachthof.

Kult und Klang auf Deutsch

Last, but not least, geht es 2023 vor allem auf Deutsch musikalisch durchs Gebälk, und es steigen so manche Ikonen aus der Versenkung. Herbert Grönemeyer zum Beispiel, der voriges Jahr das 20-Jährige seiner Erfolgsplatte „Mensch“ feiern wollte – die Auftritte jedoch ersatzlos absagen musste, weil er und seine Crew sich Corona eingefangen hatten. Am 2. Juni verschafft er sich nun Platz im Waldstadion, um sein am 24. März erscheinendes neues Album „Das ist los“ vorzustellen. Einen Tag später, am 3. Juni, gibt Peter Maffay , der 2023 als Coach von „The Voice of Germany“ via TV Einzug in viele Wohnzimmer erhielt, ein Open-Air-Konzert auf dem Hessentag in Pfungstadt. Mit freundlichen Grüßen beehren Die Fantastischen Vier , Deutschlands dienstälteste Hip-Hop-Formation, am 1. September den Gießener Kultursommer.

Auch er ist längst Kult, wobei gern überhört wird, dass er nicht nur ein zuweilen sinnvergessender Komiker ist, sondern auch ein begnadeter Musiker. Helge Schneider hat aufgrund einer Kette voneinander völlig unabhängiger Ereignisse bemerkt, „dass wir immer noch Corona haben und ich meine gesamten Konzerte von 2020 nachholen muss“. In Frankfurt tut er es am 4. März in der Jahrhunderthalle.

Die beschallt Ina Müller einen Monat zuvor am 6. und 7. Februar. Max Giesinger kommt am 6. April und Annett Louisan will am 31. Oktober „doch nur spielen“. Leider ist viel zu wenig Platz, um alle deutschsprachigen Musiker:innen zu würdigen, daher folgt nun eine Aufzählung, immerhin weitgehend chronologisch sortiert: Miss Allie (29. Januar, Batschkapp Frankfurt), Mia (2. März, Batschkapp; 16. März, KUZ Mainz), Die Sterne (23. März, Colos-Saal Aschaffenburg), Max Mutzke (26. März, Alte Oper Frankfurt; 14. Oktober, Colos-Saal), Tim Bendzko (3. April, Batschkapp), Johannes Oerding (8. März, Festhalle Frankfurt), Fettes Brot (9. März, Festhalle), Max Raabe (25. Mai, Stadthalle Aschaffenburg; 30. September, Rheingoldhalle Mainz; 1. und 2. November, Alte Oper Frankfurt), Wincent Weiss (15. Juni, Festhalle), Deichkind (8. Juli, Festhalle), Clueso (22. Juli, Zitadelle Mainz), Dota (16. November, Frankfurter Hof Mainz), Stoppok (14. Dezember, Centralstation Darmstadt).

Und weil auch sie zweifelsohne mehr Worte wert wären, gebührt ihnen hier immerhin der krönende Abschluss: Element of Crime haben für Frühjahr 2023 ein neues Album angekündigt, danach gehen die Berliner auf Tour, an deren Ende Sven Regener am 2. Oktober in der Alten Oper Frankfurt gewohnt melancholisch und ironisch das Leben und die Welt besingen wird.

Depeche Mode spielen zwei Mal im Waldstadion.
Depeche Mode spielen zwei Mal im Waldstadion. © Anton Corbijn
Im November erschien sein zweites Album „Sonder“, im März kommt Dermot Kennedy nach Frankfurt.
Im November erschien sein zweites Album „Sonder“, im März kommt Dermot Kennedy nach Frankfurt. © Shervin Lainez

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