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Frankfurt: Schulpartnerschaften ermöglichen den Perspektivwechsel

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Von: Peter Hanack

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Louise Ohlig (28) gehört seit einem Jahr zum Team von Probono-One World. Sie hat an der Goethe-Universität in Frankfurt ein Lehramtsstudium abgeschlossen und promoviert zurzeit an der Universität Bamberg über Bildung in der Entwicklungszusammenarbeit. pgh/Bild: privat
Louise Ohlig (28) gehört seit einem Jahr zum Team von Probono-One World. Sie hat an der Goethe-Universität in Frankfurt ein Lehramtsstudium abgeschlossen und promoviert zurzeit an der Universität Bamberg über Bildung in der Entwicklungszusammenarbeit. pgh/Bild: privat © Privat

Bildungsexpertin Ohlig über Schulpartnerschaften, Elterntaxis und die Frage nach der Schuld am Klimwandel

Videochats sind in Zeiten von Corona nichts Besonderes mehr an Hessens Schulen – es sei denn, das Gegenüber sitzt in Afrika. Diese Erfahrung machen gerade Schüler und Schülerinnen der Humboldtschule in Bad Homburg mit der Mwanga High School in Tansania in Ostafrika. Die Schulpartnerschaft wird vom gemeinnützigen Verein Probono begleitet. Wir haben mit Louise Ohlig, einer der Organisatorinnen, über den besonderen Wert solcher Verbindungen gesprochen.

Frau Ohlig, was hat eine deutsche Schule von der Partnerschaft mit einer afrikanischen Schule?

Schulpartnerschaften eröffnen den Schüler:innen eine zusätzliche Lernmöglichkeit. Dabei können sie sich mit globalen Fragen beschäftigen und im interkulturellen Austausch üben. Damit leisten sie einen wichtigen Beitrag zu Völkerverständigung. Das ist in Zeiten der Globalisierung, weltweiter Autokratisierungstendenzen und des Kriegs von besonderer Bedeutung. Die Schulen nehmen ihren Bildungsauftrag in besonderer Weise wahr, wenn sie die Partnerschaften unterstützen. Schließlich sollen die Kinder und Jugendlichen sich mit solchen Themen nicht erst als Erwachsene beschäftigen. Wir bieten dazu Informationen, Netzwerke und helfen, die Partnerschaft entsprechend gut für alle Beteiligten zu gestalten.

Was nehmen die Schüler und Schülerinnen aus der Begegnung mit?

Zumeist ist es so, dass es an der deutschen Schule eine Afrika-AG gibt und an den afrikanischen Schulen einen German Club, die sich dann zu gemeinsamen Projekten treffen, zu denen wir auch Materialien anbieten. Wichtig dabei sind Empathie und der Perspektivenwechsel. In der Vergangenheit gab es dann immer auch wieder persönliche Begegnungen. Das wollen wir jetzt nach der Corona-Pause wieder verstärkt anbieten.

Aktuell läuft ja eine Projektwoche zum Klimawandel. Welche Rolle spielt dabei der auf beiden Kontinenten doch sehr unterschiedliche Verbrauch von Ressourcen? Schließlich ist der Norden ja viel stärker für die Klimakrise verantwortlich als der Süden, der darunter aber noch mehr leidet.

Es geht natürlich um Fragen der Klimagerechtigkeit. Daraus ergibt sich eine sehr unterschiedliche Verantwortlichkeit. Hier werden die Schüler:innen von den Eltern mit dem Auto in die Schule gebracht, fliegen die Familien in Urlaub. So etwas ist in Tansania nicht üblich. Dennoch geht es bei den Begegnungen nicht um eine Schuldfrage, sondern darum, was man selbst tun kann, den Klimawandel zu beschränken oder auch sich auf die Folgen einzustellen. Wir wollen die Schüler:innen dazu befähigen, mit den Herausforderungen umzugehen und sich der unterschiedlichen Verantwortung dabei bewusst zu sein.

DER VEREIN

Probono ist ein gemeinnütziger Verein, der 2004 von Andrea Alleker-Fendel gegründet wurde. Er stiftet Schulpartnerschaften zwischen Nord und Süd und begleitet diese sowohl organisatorisch als auch inhaltlich.

Ziele sind die Bekämpfung von Armut durch Bildung, die Verbesserung der Lern- und Lebensbedingungen an afrikanischen Schulen, der interkulturelle Dialog und Austausch zwischen Kindern und Jugendlichen aus Deutschland und Ostafrika sowie die Förderung globalen Lernens und sozialer Kompetenzen auf beiden Seiten.

Unterstützt wird der Verein unter anderem vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung. pgh

Weitere Informationen und Spendenmöglichkeit gibt es im Internet unter: probono-oneworld.de

In welcher Sprache wird eigentlich kommuniziert?

Auf Englisch.

Wir haben gerade in den vergangenen zwei Jahren erleben müssen, dass die deutschen Schulen digital nicht besonders gut aufgestellt sind. Haben Sie da eine Verbesserung beobachtet? Und wie sieht es eigentlich an den Schulen in Tansania aus?

Die laufende digitale Projektwoche ist auch daraus geboren, dass man auf mehr Erfahrungen im Umgang mit den digitalen Medien setzen kann. Wir sehen aber auch, dass sowohl bei uns als auch gerade an der im ländlichen Bereich liegenden Partnerschule in Tansania das Internet nicht wirklich stabil und das WLAN nicht besonders gut ausgebaut ist. Da gibt es auf beiden Seiten noch Verbesserungsbedarf.

Was hat Sie am meisten überrascht, als Sie vor einem Jahr bei Probono eingestiegen sind?

Ich bin einfach begeistert, wie offen die Schüler:innen auf beiden Seiten für die Partnerschaft und den Austausch sind. Sie sind sehr locker und gehen mit großer Begeisterung an die Projekte heran. Das wollen wir weiter fördern und bestärken.

Interview: Peter Hanack

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