Ein Blick in den Saal des Frankfurter Oberlandesgerichts, in dem der Prozess um den Mord an Walter Lübcke verhandelt wird.
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Ein Blick in den Saal des Frankfurter Oberlandesgerichts, in dem der Prozess um den Mord an Walter Lübcke verhandelt wird.

Lübcke-Prozess

Opfer Ahmed I. kritisiert schlechte Ermittlungen

  • Oliver Teutsch
    vonOliver Teutsch
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Im Lübcke-Prozess sagt ein Nebenkläger und mutmaßliches Opfer von Stephan Ernst aus. Er erhebt schwere Vorwürfe gegen Polizei.

Ahmed I., Nebenkläger im Prozess um den Mord an Walter Lübcke, hat schwere Vorwürfe gegen die Ermittler erhoben. „Wenn die Polizei richtig gearbeitet hätte, dann wäre Herr Lübcke vielleicht noch am Leben“, sagte der 27-Jährige am Donnerstag nach seiner Vernehmung im Oberlandesgericht (OLG) Frankfurt. I. war im Januar 2016 in Lohfelden niedergestochen worden.

Doch erst nach dem Mord an Regierungspräsident Lübcke dreieinhalb Jahre später kamen die Ermittler darauf, dass der damals unweit des Tatorts in Lohfelden wohnende Stephan Ernst auch für die Tat im Januar 2016 verantwortlich sein könnte. I. betonte, er habe die Ermittler noch im Krankenhausbett auf ein mögliches rassistisches Tatmotiv aufmerksam gemacht. Die Behörden hätten ihn aber nicht ernst genommen, kritisierte der 27-Jährige. „Die Ermittler hätten mit auf der Anklagebank sitzen müssen“, forderte das Opfer.

Die Ermittlungen richteten sich stattdessen gegen alle anderen Mitbewohner des Flüchtlingsheims, betonte Alexander Hoffmann, der Anwalt und Nebenklagevertreter des Irakers. Die mutmaßliche Tatwaffe war später im Keller von Ernst gefunden worden. Die DNA am Messer reichte da aber nicht mehr für eine zweifelsfreie Überführung. „Die Beweismittel sind schlecht, weil die Ermittlungen schlecht waren“, so Hoffmann, der sich auch enttäuscht davon zeigte, dass nach dem Mord an einem Politiker die rechte Szene nicht gründlich ausgehoben wurde.

Die Beratungsstelle „response“, die an der Bildungsstätte Anne Frank angedockt ist, betreut Ahmed I. seit dem Vorfall. Betreuerin Anna Brüggemann verdeutlichte die seelische Qual für ihren Schützling. Jahrelang sei das Attentat auf I. nicht als rassistische Tat anerkannt worden. Brüggemann hat als langjährige Mitarbeiterin der Opferberatungsstelle schon ähnliche Erfahrungen wie bei Ahmed I. machen müssen. „Es ist ein trauriges Musterbeispiel für gesellschaftliches Versagen“, so Brüggemann. Dem Opfer werde nicht zugehört.

Ahmed I. lebt in Angst, nochmal attackiert zu werden. Von dem Prozess vor dem OLG erhofft er sich, „dass der Täter seine gerechte Strafe erhält.“

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