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Bertram Köhler

Bertram Köhler

NPD-Mann aus Kirtorf will rechte Partys aufleben lassen

Ein NPD-Mann will rechte Partys aufleben lassen. Der Rentner ist maßgeblich dafür verantwortlich, dass sein Heimatdorf nicht den besten Ruf hat.

Es ist kühl in Bertram Köhlers Wohnzimmer, er hat den Kaminofen gerade erst angeworfen. Der 55-Jährige steht an einem großen Tisch, lässt seine Arme darauf ruhen – und blickt versonnen auf Schienen, Waggons und eine Modelleisenbahn von Märklin. Andere, die Köhlers Hobby teilen, lassen ihre Züge an idyllischen Dörfern, Wäldern und Menschen im Miniaturformat vorbeifahren. Um Köhlers Modelleisenbahn herum stehen Dutzende Panzer aus dem Zweiten Weltkrieg.

Er deutet auf zwei U-Boot-Modelle, die an der Wand hängen. Auf einem ist ein Hakenkreuz zu sehen. In Innenräumen sei das erlaubt, sagt Köhler, bekanntes NPD-Mitglied. Der Rentner ist maßgeblich dafür verantwortlich, dass sein Heimatdorf nicht den besten Ruf hat. Jahrelang hat er auf seinem Bauernhof zu rechten Partys eingeladen, die Skinheads aus ganz Deutschland besuchten. 

Im Dezember hat er die Partys nach mehr als zehn Jahren wieder zum Leben erweckt. Gleichzeitig stehen momentan drei Polizisten, die in der Stadt leben, wegen rechtsextremer Vorfälle unter Verdacht. „Jahrelang war es ruhig“, sagt Kirtorfs Bürgermeister Ulrich Künz. „Jetzt geht die Scheiße wieder los.“

Im Dezember erfuhr Künz, dass Bertram Köhler eine Sonnenwendfeier mit Freunden aus der rechten Szene plante und auf einem Acker ein Feuer entzünden wollte. Letzteres habe er sofort untersagt, erzählt Künz – und gesteht: „Rechtlich stand die Verfügung auf schwachen Füßen.“

CD mit hartem Rechtsrock

Wegen Köhler ist Kirtorf schon im August 2004 in die Schlagzeilen geraten: Im Fernsehen war damals zu sehen, wie 200 Neonazis in einem umgebauten Schweinestall zu verbotenem Rechtsrock feierten. Gastgeber ist damals regelmäßig Bertram Köhler, Skinheads aus ganz Deutschland reisten nach Kirtorf zu seinem Bauernhof. Bis die Polizei vor 13 Jahren gegen die Partys vorging und jegliche Musik untersagte. „Ich darf nicht mal Helene Fischer spielen“, sagt Köhler: „Ich darf auf Partys auf dem Bauernhof nur noch das Radio abspielen.“

Danach hat sich Köhler jahrelang zurückgezogen, hat geheiratet und sich wieder scheiden lassen. „Ich war krank“, erzählt er. „Ich hatte Herz-Rhythmus-Störungen, Vorhofflimmern.“ Nun habe er einen Herzschrittmacher, es gehe ihm wieder gut. „Ich bin von den Toten auferwacht.“

Die alten Partys wolle er nun wieder aufleben lassen. Ende Dezember habe er „40 Glatzköpfe“ zur Sonnenwendfeier eingeladen, berichtet Köhler: „Die Hälfte wurde heimgeschickt, weil sie vorbestraft waren.“ Am Ende waren knapp 20 Leute auf Köhlers Bauernhof. Zu Ostern wolle er es noch mal versuchen. „Dann hole ich mir einen Rechtsanwalt.“ Es ist ein offenes Geheimnis, dass hinter seinen rechten Partys weitere Köpfe aus der rechten Szene stecken.

Köhler ist nicht unbeliebt in der Stadt. Er war früher Tankwart, heute fährt er Äste und Mist für Kirtorfer aus, holt Schrott ab. In seiner Wohnung lagern 400 Plakate der NPD. Der 55-Jährige summt leise und mit tiefer Stimme vor sich hin. Auf die Frage, welches Lied er denn da anstimme, legt er eine CD ein: Es ist harter rechter Rock, „Nazis sollen hier raus“, brüllen Stimmen. „Aber wir bleiben. Wir singen und feiern weiter.“

Bringt er Kirtorf nicht in Verruf? „Meine Familie wohnt seit 1550 hier, unser Haus wurde 1722 gebaut“, sagt Köhler. Er sei kein Rassenhasser. „Ich war auch schon mit einer Russisch-Deutschen befreundet.“ Stefan Schaal

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