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Nachtflug

Flughafen Frankfurt

Frankfurt: Nachts fliegen wird kaum teurer

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Die neuen Fraport-Gebühren für Airlines liegen vor. Demnach bleiben Kurzstrecken so günstig, dass sich der Umstieg auf die Bahn nicht lohnt.

Es fehlt der Anreiz für das Umsteigen auf die Bahn. Und das Fliegen in der Nacht wird kaum spürbar teurer: Das beinhaltet der Antrag Fraports auf eine neue Entgeltordnung, der derzeit beim hessischen Verkehrsminister liegt.

Zu den Inhalten geben beide Seiten derzeit keine Auskunft. Doch der Frankfurter Rundschau liegt die interne Stellungnahme der Fluglärmkommission vor, aus der Details ersichtlich sind. Demnach ist die neue Gebührentabelle nicht der große Wurf, den sich fluglärmgeplagte Bewohner der Region wünschen. Die Kommission ist nicht zufrieden. In ihrer Stellungnahme fordert sie vom Ministerium, auf mehrere Veränderungen hinzuwirken.

Ein Bestandteil der Flughafenentgelte sind lärmabhängige Gebühren. Die Landesregierung propagiert diese als wichtiges Steuerungsinstrument. Sie sollen die Airlines motivieren, weniger lautes Gerät einzusetzen. Aktuell liegt der Anteil bei 13,6 Prozent, Fraport will ihn auf 13,3 Prozent senken, die Kommission fordert jedoch 30 Prozent.

Entgelte
Airlines bezahlen mit der Gebühr das Landen, Starten und Abstellen von Maschinen sowie Benutzen der Einrichtungen für Fluggäste. Der aktuelle trat Anfang 2017 in Kraft.

Sie dient ausschließlich der Refinanzierung der Flughafeninfrastruktur sowie laufenden Kosten. Die Höhe berechnet sich in Frankfurt seit 1993 auch nach Lärm und Tageszeit.

Die Genehmigung ist Aufgabe der Landesluftfahrtbehörde im hessische Wirtschaftsministerium.

Das Incentive-Programm räumt neuen Airlines im ersten Jahr einen Nachlass von 14 Euro pro Passagier ein, im zweiten Jahr von 11,20 Euro und im dritten von 6,72 Euro sinkt. Rabette gibt es auch, wenn das Passagieraufkommen steigt. Inlandsflüge werden dabei nicht berücksichtigt.

Zwischen 23 und 5 Uhr sollte eigentlich Ruhe am Himmel herrschen. Doch das offizielle Nachtflugverbot zwischen 23 Uhr und Mitternacht ist nunmehr im zweiten Jahr in den Sommermonaten so gut wie außer Kraft gesetzt. Um die Airlines zu mehr Pünktlichkeit zu bewegen, will Fraport die Lärmzuschläge für diese Zeit von 200 auf 300 Prozent erhöhen. Das ist der Fluglärmkommission zu wenig. Ihre Forderungen orientieren sich am Hamburger Flughafen: „Mindestens 350 bis 500 Prozent.“ Plus Zuschläge von mindestens 10 000 Euro für Flüge mit regelmäßigen Verspätungen.

In der Zeit zwischen 5 und 6 Uhr morgens ist der menschliche Schlaf leicht und deshalb sensibel. Dies ergab die Norah-Gesundheitsstudie. Vor diesem Hintergrund sieht die Kommission auch die Notwendigkeit eines stärkeren Schutzes für die beiden „Nachtrandstunden“ morgens von 5 bis 6 sowie abends von 22 bis 23 Uhr. Die von Fraport geplante Erhöhung dieser Zuschläge von 50 Prozent auf 65 Prozent pro Flugbewegung sei angesichts der gesundheitlichen Auswirkungen zu gering. Auch hier wünscht sich das Gremium Anreize wie in Hamburg, wo Fliegen in der Stunde zwischen 22 und 23 Uhr 150 Prozent teurer ist als etwa am Nachmittag.

„Wir wollen Bahn und Luftverkehrswirtschaft weiterhin dabei unterstützen, die Zusammenarbeit zur Verlagerung von Kurzstreckenflügen auf die Schiene zu intensivieren.“ So steht es im aktuellen schwarz-grünen Koalitionsvertrag. Das Potenzial ist erheblich: 28 Prozent aller inländischen Passagierflüge vom oder zum Frankfurter Flughafen legen weniger als 500 Kilometer zurück, schreibt die Kommission. Doch „wirksame Anreize“ suche man in dem Antrag zur Entgeltordnung vergeblich. Die Passagierentgelte blieben auf dem aktuellen Niveau. Das bedeutet: Wer mit der Bahn von Berlin nach Frankfurt reist und dort erst eincheckt, zahlt ein Drittel mehr Gebühren als derjenige, der ab Berlin fliegt und hier lediglich umsteigt, um weiterzujetten. Das sei inakzeptabel, urteilt die Fluglärmkommission: Kurzstreckenpassagiere müssten deutlich stärker zur Kasse gebeten werden.

In seiner Stellungnahme führt das Gremium weitere Ideen auf, mit denen die Fluglärmbelastung gesenkt werden könnte. Eine davon sind Zuschläge auch an Sonn- und Feiertagen. Wie die Nacht seien auch diese Tage für die Bevölkerung wichtige Ruhezeiten, um sich von der enormen Belastung durch Deutschlands größten Flughafen zu erholen.

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