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Die Kinzigtalsperre wurde einst gebaut, um Hochwasser zu verhindern. Foto:Joachim Storch
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Die Kinzigtalsperre wurde einst gebaut, um Hochwasser zu verhindern.

Wasserversorgung

Frankfurt muss künftig aus der Kinzig trinken

  • Detlef Sundermann
    VonDetlef Sundermann
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Der Wasserverband Kinzig will die Grundwasserreserven schonen und zapft deshalb die Kinzigtalsperre bei Steinau an. Der technische Aufwand zur Reinigung ist erheblich.

Flusswasser zu trinken, das ist in der Regel keine gute Empfehlung - und dennoch besteht für den Wasserverband Kinzig (WVK) genau darin die Zukunft der Versorgung mit Trinkwasser. Das soll aus dem Kinzigstausee bei Steinau gewonnen werden, um die abnehmenden Grundwasserreserven zu schonen, heißt es.

Der technische Aufwand hierzu ist erheblich. Mit einer Modellanlage wurde über ein Jahr das Verfahren aus spezieller Filtration und Entkeimung erprobt. „Das Ergebnis ist reinstes Trinkwasser von höchster Güte“, heißt es vom WVK. Die Entscheidung des WVK wird mit dem Klimawandel und der Versorgungssicherheit mit Trinkwasser begründet. Zudem steigt der Verbrauch, nicht zuletzt ob der vielen Neubaugebiete, die obendrein auch der Grundwasserentstehung schaden.

„Die Pilotanlage stand 2019 bewusst an einer suboptimalen Stelle, dort, wo das Flüsschen Salz in die Kinzig mündet“, beschreibt Geschäftsführer Holger Scheffler das Szenario, das auf einen Härtetest ausgelegt war. Zupass kam ihm hierbei ein Hochwasser und eine monatelange Trockenperiode mit hohen Temperaturen, um die Extreme nicht nur rechnerisch zu simulieren.

„Zu jeder Zeit lagen die Werte erheblich unter den Grenzwerten der Trinkwasserverordnung“, so Scheffler. Auch wenn der optische Eindruck des oft lehmfarbenen Flusses etwas anderes vermittelt, „die Kinzig hat schon von Natur aus eine gute Wasserqualität“ - zumindest im Oberlauf bis zur Talsperre, die Ende der 1970er Jahre als Hochwasserschutz für das westliche Kreisgebiet gebaut worden ist. Im Gegensatz zu den unterirdischen wasserführenden Schichten wird die Talsperre bei jedem Regen aufgefüllt.

Dennoch kann auf eine aufwendige, als einmalig bezeichnete Technik nicht verzichtet werden, wenn das Wasser direkt aus dem See verwendet wird. Anders verhält es sich bei der Talsperre Kleine Kinzig im Schwarzwald, die in den 1980er Jahren explizit als Trinkwasserreservoir gebaut worden ist. Dort reichen herkömmliche Kohle-Sand-Filter und Ozon. Allerdings komme das Wasser aus einem 18 Quadratkilometer großen Zuflussgebiet, das zudem zu 80 Prozent aus Wald und ohne Industrie und Landwirtschaft bestehe, sagt Maik Zinser, Geschäftsführer der Wasserversorgung Kleine Kinzig.

An der hessischen Kinzig werden voraussichtlich von 2025 an rund 5,5 Millionen Kubikmeter Trinkwasser pro Jahr produziert, von denen - wie derzeit auch - rund zwei Drittel in die Wasserversorgung der Stadt Frankfurt eingespeist werden. Einschließlich Leitungen soll die Investition bei 40 Millionen Euro liegen. Geld, das der Verband nicht aus Rücklagen, sondern auf dem Kreditmarkt besorgen muss. Der WVK sei eine öffentlich-rechtliche Gesellschaft, die nicht gewinnorientiert arbeite, so Scheffler.

Inwieweit sich die Kosten auf den Tarif für die Endverbraucher durchschlagen, sei gegenwärtig nicht abschätzbar, da der Verband nur an die Versorgungsbetriebe wie Stadtwerke liefere, die ihre eigene Kalkulation machten, heißt es. Eine Erhöhung sei eher wahrscheinlich als keine, heißt es. Im Gegensatz zur Grundwassergewinnung fallen bei der Oberflächenwassernutzung auch höhere Ausgaben für den Betrieb an. Laut Scheffler soll jedoch eine Hybridlösung diese Kosten niedrig halten. Der Wasserdruck der Talsperre erfordere keine Pumpen. Strom soll aus der Wasserkraft des bestehenden E-Werks am Damm entnommen werden, heißt es.

Ganz ohne Grundwasser wird der WVK dennoch nicht auskommen. Im Vergleich zur Kleinen-Kinzig-Talsperre mit einer Wassertiefe von bis zu 60 Metern sind es bei dem riesigen Regenrückhaltebecken im östlichen Main-Kinzig-Kreis bestenfalls zwölf Meter. Im Sommer wird das Wasser von der Sonne somit bis in die Tiefe erwärmt. Damit es als kühles Nass aus dem Hahn läuft, muss es mit Grundwasser vermischt werden, sagt Scheffler.

Gleiches soll auch geschehen, damit die zweite, behördlich geforderte Funktion der Talsperre erfüllt werden kann. Die Kinzig unterhalb des Sees darf nicht trockenfallen. Mindestens 500 Liter pro Sekunde werden in den Fluss geleitet, damit wertvolle Biotope entlang der Gewässerstrecke nicht zerstört werden. Laut Scheffler hat die Pegelhaltung gegenüber der Entnahme für Trinkwasser sogar Vorrang. Trotz der Aufbereitung des Oberflächenwassers sei daher ein sparsamer Umgang mit dem Wasser weiterhin gefordert.

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