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Am Sonntag genossen diese Frankfurter Kumpel zu zweit ein Picknick am Mainufer.

Corona-Virus

Frankfurt: Die meisten halten sich an neue Corona-Regeln

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    Kathrin Rosendorff
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Wegen des Corona-Virus ist die Versammlungsfreiheit auch in Hessen seit dem Wochenende eingeschränkt. Restaurants und Cafés sind geschlossen. Nur noch To Go und Lieferservices sind erlaubt. Ab Montag darf man nur noch zu zweit raus gehen.

Am Frankfurter Mainufer ist am sonnigen Sonntag einiges los, noch mehr Jogger als sonst, Familien zieht es mit ihren Kindern raus, am Hafenpark unweit der EZB sieht man viele Sportlerinnen und Sportler beim Hanteln stemmen oder Liegestütze machen. Und doch ist es kein normaler Sonntag: Immer wieder sieht man hier Polizeiwagen oder berittene Polizei.

Aber fast alle halten sich an die neuen Regeln, die seit Samstag in Hessen wegen des Coronavirus gelten. Eine davon: Es dürfen sich nur noch maximal fünf Personen, die nicht in einem gemeinsamen Haushalt leben, an einem öffentlichen Platz versammeln. Noch wissen sie nicht, dass diese Regel am Sonntagabend weiter verschärft wird.

Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) lobt, dass „viele Bürgerinnen und Bürger das wirklich beherzigt haben“, was Hessen am Freitag verkündet hatte. Auch Polizeipräsidien in Hessen meldeten bis zum frühen Sonntagnachmittag keine oder zumindest keine gröberen Verstöße. „Momentan sieht es in Frankfurt gut aus. Aber ein endgültiges Fazit können wir erst am Montag abgeben“, sagte ein Sprecher der Polizei in Frankfurt. „Bislang halten sich die Leute dran“, teilte auch ein Sprecher in Darmstadt mit. Die Beamten fuhren bei ihren Streifen teils gezielt Parks oder Sportanlagen ab, wo sich in den vergangenen Tagen noch zahlreiche Menschen aufgehalten hatten. „Die Situation ist auf jeden Fall besser als noch vor ein paar Tagen“, sagte der Frankfurter Polizeisprecher.

Und doch gibt es immer wieder Leute, die es noch nicht kapiert haben. Am Samstag, als das Wetter kühl und bewölkt ist, steigen mehrere junge Männer und Frauen über polizeiliche Absperrungen der Sportanlagen und machen ungeniert ihre Klimmzüge. „Wir sind ja keine Risikogruppe“, sagt einer. Seine Freundin hält Wache. Auch am Sonntag trauen sich ein paar Männer an die Stangen im abgesperrten Bereich. Doch sobald sie die Polizeiwagen aus der Ferne sehen, hüpfen sie schnell aus der Absperrung. Denn wer sich nicht an die Regeln hält, muss mit Bußgeld bis 300 Euro rechnen.

Am Samstag trainierten immer wieder junge Leute trotz der Absperrungen an den Sportgeräten im Hafenpark.

„Was für Idioten, wegen so Leuten könnten wir am Ende alle eine Ausgangssperre bekommen“, sagt Jasmina (36), die mit einer Freundin unweit des Hafenparks trainiert. Wenige Stunden später einigen sich Bundeskanzlerin Angela Merkel und die Ministerpräsidenten der Länder zwar nicht auf eine Ausgangssperre, aber auf ein Kontaktverbot: Ansammlungen von mehr als zwei Personen werden ab Montag grundsätzlich verboten. Ausgenommen sind Familien sowie in einem Haushalt lebende Personen. Im Grunde, erläutert Bouffier, sollten Menschen jenseits von Familien und Zusammenlebenden nicht mal zu zweit unterwegs sein. „Eine Person ist eigentlich die Grundlinie“, formuliert er. Die zweite Person erlaube man, damit Hilfsbefürftige jemanden zur Unterstützung mitnehmen dürften.

Die schärferen Maßnahmen der Landesregierung sollen dafür sorgen, die weitere Ausbreitung des Coronavirus zu bremsen. Deswegen mussten auch Gastronomen ihre Lokale bereits ab Samstag um 12 Uhr bis auf weiteres schließen – und taten das nach den ersten Beobachtungen der Polizei auch.

Weiterhin erlaubt ist, sich Essen zu bestellen und liefern zu lassen. Fast nirgendwo darf man noch direkt eintreten. Tische stehen wie in einem Café im Nordend an der Eingangstür, die als Theke dienen. In einer Pizzeria in Bockenheim reichen die Mitarbeiter die Pizzakartons nur noch über die Fensterscheibe raus. Man darf hier bei vielen Restaurants zwar das Essen noch selbst abholen, muss es aber telefonisch vorbestellt haben. Auch Eisdielen dürfen ihre Ware nur noch zum Mitnehmen verkaufen,

Viele Eisdielen, an denen noch vor wenigen Tagen lange Schlange waren, haben geschlossen. Bei einer Eisdiele in der Wilhelm-Leuschner-Straße sollen Kunden zwei Meter Abstand halten. Aber auch da gibt es wenige Kunden. Und während in der Innenstadt einige Leute mit To-go-Kaffee von Starbucks und McDonalds rumlaufen, sind viele kleine und mittelgroße Cafés zu. Auch das sonst volle Café-Restaurant Oosten an der Weseler Werft mit Sonnenterrasse ist zu. „Außer am Main ist die Stadt erschreckend leer. Was Angst macht, ist, wie lange das alles dauern wird“, sagt eine junge Frau. Straßen sind teilweise so leer, dass Leute auf der Straße joggen. Eine Anwohnerin aus Alt-Sachs sagt: „So ruhig habe ich noch nie geschlafen.“  

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