Hier fand der Gottesdienst der Baptisten statt.
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Hier fand der Gottesdienst der Baptisten statt.

Corona

Frankfurt: Mehr als 80 Infizierte nach Gottesdienst

  • Jutta Rippegather
    vonJutta Rippegather
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Das Virus breitet sich nach der Veranstaltung in der Frankfurter Baptistengemeinde aus. Die Stadt Hanau sagt das muslimisches Fastengebet vorsichtshalber ab.

Nach einem Gottesdienst in einer Kirchengemeinde der Baptisten in Frankfurt-Rödelheim haben Gesundheitsämter 107 Infektionen registriert. Diese Zahl nannte Hessens Sozialminister Kai Klose (Grüne) am Sonntag. Der Hotspot war durch einen Bericht der Frankfurter Rundschau in der Samstagausgabe öffentlich geworden. Klose zufolge sind drei Landkreise und die Stadt Frankfurt betroffen. Dort wurden mehr als 40 Menschen mit dem Coronavirus infiziert, sagte der Leiter des Gesundheitsamts der Stadt, René Gottschalk, am Sonntag. Hinzu kommen die bereits bekannten 16 Hanauer. Plus 26 aus Rosbach und Karben, über die der Wetteraukreis am Sonntag informierte. Der dritte Landkreis ging am Wochenende nicht an die Öffentlichkeit.

Alle 26 stünden in Zusammenhang mit dem Gottesdienst vor zwei Wochen, meldete der Wetteraukreis. Insgesamt befänden sich 76 Personen in Quarantäne oder Isolation. Darunter ein positiv getestetes Kind, das die Notbetreuung im einem Kindergarten in Karben besucht hatte. Dort sei von allen anderen Kindern und von den Erzieherinnen ein Abstrich genommen worden, wie der Wetteraukreis mitteilte. Ergebnis: „Alle getesteten Personen waren negativ. Niemand hat sich bei dem Kind aus Rosbach angesteckt.“ Es ist davon auszugehen, dass die Anzahl der Infizierten noch weitaus höher ist. Nach einer Mitteilung des Main-Kinzig-Kreises sind mehrere Landkreise betroffen. Deren Gesundheitsämter seien dem Frankfurter nicht berichtspflichtig, sagte Gottschalk. Eine Sprecherin hatte der Frankfurter Rundschau aber am Freitag gesagt, zuständig sei das Frankfurter Gesundheitsamt.

Nach Angaben Gottschalks hatten sich die meisten nicht bei, sondern nach dem Gottesdienst zu Hause angesteckt. „Die weitaus meisten sind nicht sonderlich krank. Nach unserem Kenntnisstand ist auch nur eine Person in einem Krankenhaus.“ Die Einzelfälle würden nachverfolgt. „Wir haben das gut im Griff.“ Wie es den 16 Infizierten in Hanau gehe, wisse er nicht, sagte Daniel Freimuth vom Krisenstab der Stadt am Sonntag. Der Oberbürgermeister habe noch keine Informationen vom zuständigen Gesundheitsamt des Main-Kinzig-Kreises bekommen.

Gottesdienste  jetzt nur noch online

Der stellvertretende Vereinsvorsitzende der Gemeinde der Evangeliums-Christen-Baptisten, Wladimir Pritzkau, hatte am Samstag gesagt, es befänden sich sechs Betroffene in Krankenhäusern. Die anderen seien zu Hause. „Wir haben alle Versammlungen abgebrochen. Gottesdienste gibt es jetzt nur noch online“, sagte der 64-Jährige. „Bei uns ist es eine schwierige Lage.“

Wie viele Besucher zu dem Gottesdienst am 10. Mai gekommen seien, könne er „nicht genau sagen“, meinte Pritzkau. „Bei uns sind aber alle Regeln eingehalten worden.“ Es habe Desinfektionsmittel gegeben, der vorgeschriebene Abstand sei beachtet worden. Über die Zahl der Gemeindemitglieder insgesamt wollte Pritzkau keine Angaben machen. Die meisten kämen aus dem Raum Frankfurt. In der Gemeinde der Evangeliums-Christen-Baptisten finden die Gottesdienste laut Homepage in deutscher und russischer Sprache statt.

Religiöse Versammlungen sind in Hessen seit dem 1. Mai unter Auflagen wieder erlaubt. So muss in Kirchen und anderen Gotteshäusern der Mindestabstand von 1,50 Meter zwischen den Menschen eingehalten werden, nötig sind zudem weitere Hygienemaßnahmen wie das Aufstellen von Desinfektionsspendern.

Der Main-Kinzig-Kreis und die Stadt hatten wegen der Infektionen ein für Sonntag geplantes Fastengebet von Muslimen im Hanauer Herbert-Dröse-Stadion abgesagt. Die Veranstaltung wäre mit Blick auf die Geschehnisse in Frankfurt unverantwortlich, hieß es. Es sei derzeit auch noch nicht abzusehen, welche Folgen die Ereignisse in Frankfurt für die Region hätten. Zudem hätten der Muslimische Arbeitskreis und mehrere Moscheen für das Fastengebet geworben. Daher sei mit bis zu 1000 Teilnehmern aus dem ganzen Rhein-Main-Gebiet zu rechnen gewesen. Ein Gebet mit maximal 100 Gläubigen in einer Hanauer Moschee sei aber für Montag erlaubt worden, sagte Freimuth vom Krisenstab.

Wie schwierig die Situation für die jeweils zuständigen Gesundheitsämter vor Ort ist, zeigt die Äußerung des Wetterauer Landrats Jan Weckler (CDU) vom Sonntag: Der Landkreis wolle unter Einhaltung des Datenschutzes Transparenz in dem Fall zeigen, zumal auch andere Landkreis betroffen seien: „Die Menschen wollen zu Recht wissen, wie die Infektionsketten entstanden sind, auch um sich selbst zu schützen.“

Wie am Freitag sein Kollege aus dem Main-Kinzig-Kreis warnte auch er die Bevölkerung davor, die Lockerungen zu leicht zu nehmen. „Dieses Ausbruchsgeschehen zeigt, wie schnell eine einzige Veranstaltung gravierende Konsequenzen haben kann.“ (mit dpa)

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