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Corinna Bimboese (44) ist Direktorin von Atelier Frankfurt, des größten deutschen Künstlerhauses. Im Frankfurter Ostend bietet es 140 Ateliers für 220 Künstler.

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„Im Atelier Frankfurt ist man Teil einer Gemeinschaft“

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Corinna Bimboese, Chefin von Atelier Frankfurt, spricht darüber, wie schwer es für junge Künstlerinnen und Künstler ist, in Frankfurt eine Wohnung und ein Atelier zu finden.

Frau Bimboese, Sie sind Direktorin des Ateliers Frankfurt, des größten Atelierhauses in Deutschland. Sie sind in der Szene gut vernetzt. Wie schwer ist es gerade für junge Künstlerinnen und Künstler, in Frankfurt am Main eine Wohnung und ein Atelier zu finden?
Bei den Wohnungen ist es schwer. Leider ist der Wohnraum in Frankfurt mittlerweile sehr teuer geworden. Bei den Arbeitsateliers hat sich die Lage in den letzten Jahren verbessert. Ich schätze, dass gegenwärtig von der Stadt, aber auch von Anbietern wie uns oder den Kolleginnen und Kollegen von Basis und anderen in der Stadt insgesamt etwa 500 Ateliers angeboten werden.

Wie viele sind es bei Ihnen im Ostend?
Wir im Atelier Frankfurt haben aufgrund der starken Nachfrage unser Angebot noch einmal um sieben Räume vergrößert. Wir können jetzt in unserem campusartigen Gebäudekomplex, der ja ein umgebautes ehemaliges Lagerhaus ist, 140 Ateliers für etwa 220 Künstlerinnen und Künstler anbieten.

Was muss bei Ihnen an Miete bezahlt werden?
Unsere kleinen Räume mit etwa 20 Quadratmeter sind ab 200 Euro warm im Monat zu haben. Ein Raum von knapp 70 Quadratmetern kostet rund 500 Euro im Monat warm. Viele unserer Künstlerinnen und Künstler teilen sich einen Raum, da wird es für den Einzelnen günstiger. Im Atelier Frankfurt ist man Teil einer Gemeinschaft, kann sich mit Kolleginnen und Kollegen austauschen, sich in der hauseigenen Kantine treffen und Projekte besprechen. Bei Bedarf können größere Räume im Haus genutzt und auch Ausstellungen können selbst organisiert werden. Dass dazu noch ein interdisziplinäres Programm mit Konzerten, Diskussionen, Performances und vielem mehr, sozusagen am Arbeitsplatz, geboten wird, ist für viele unserer Künstlerinnen und Künstler ein Argument für ein Atelier im Atelier Frankfurt.

Früher wichen gerade die jungen Künstlerinnen und Künstler von Frankfurt nach Offenbach aus, weil es da insgesamt preiswerter war, auch von den Lebenshaltungskosten her. Aber auch dort sind die Mieten inzwischen gestiegen.
Das ist richtig, auch Offenbach ist teurer geworden. Aber es ist dort auch viel Neues entstanden, es werden immer wieder neue Atelierhäuser eröffnet.

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Könnte die Stadt Frankfurt noch mehr tun, gerade für die jungen Künstlerinnen und Künstler?
Mit dem Engagement der Stadt bin ich recht zufrieden. Wo es noch Luft nach oben gibt, ist bei den privaten Sponsoren und Mäzenen, die Künstlerinnen und Künstler unterstützen. Da gibt es schon einzelne in Frankfurt, die Räume zur Verfügung stellen oder andere Arbeitsmöglichkeiten anbieten, aber da könnte es noch viel mehr geben. Das würde ich mir wünschen.

Nach der deutschen Einheit gab es ja geradezu einen Sog für junge bildende Künstlerinnen und Künstler, aber etwa auch für Schriftstellerinnen und Schriftsteller, nach Berlin zu gehen. Welche Rolle spielt die Hauptstadt heute?
Der Hype um die Bundeshauptstadt ist eindeutig zurückgegangen. Wenn heute die jungen Leute Frankfurt verlassen, dann gehen sie ins Ausland oder in eine andere deutsche Stadt.

Welche Städte spielen denn mittlerweile eine Rolle?
Beliebt sind London, und in Deutschland ist es immer mehr Köln. Es ist aber auch so, dass Künstler inzwischen wieder nach Frankfurt zurückkommen. Insgesamt ist die Szene internationaler geworden.

Interview: Claus-Jürgen Göpfert

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