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Die Regionaltangente West wird teurer.

Verkehr

Hohe Kosten für Regionaltangente West

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Die beteiligten Kommunen sollen weitere 241 Millionen Euro bewilligen, auch auf Frankfurt kommen hohe Mehrkosten zu. Die Inbetriebnahme verzögert sich.

Die Kommunen, die an der Regionaltangente West (RTW) als Gesellschafter beteiligt sind, sollen in diesem Jahr einer deutlichen Erhöhung ihres Finanzierungsbeitrags zustimmen. Wie aus einem Vortrag des Magistrats in Frankfurt hervorgeht, verteuert sich die RTW von geschätzt 376 Millionen Euro (Stand 2009) auf real 1,1 Milliarden Euro (Stand 2019).

Gesellschafter der RTW sind die Städte Frankfurt, Bad Homburg, Schwalbach, Eschborn, Bad Soden, Neu-Isenburg, die Gemeinde Sulzbach, Hochtaunus- und Main-Taunus-Kreis und der Kreis Offenbach, außerdem das Land Hessen und der RMV. Bewilligt waren schon 56 Millionen Euro an Mitteln für die Planung. Diese sollen nun um weitere 241 Millionen Euro aufstockt werden.

Auf die Stadt Frankfurt kommen Mehrkosten in Höhe von 152 Millionen Euro zu. Diese sollen laut Magistratsvortrag ab dem Haushalt 2022 eingebracht werden. Die RTW-Planungsgesellschaft hatte ihre Arbeit 2008 aufgenommen. Seitdem wurden neue Streckenabschnitte und Haltepunkte geplant. Rund 96 000 Fahrgäste werden auf der Schienenverbindung am Tag erwartet. Über die Bahnstrecke wird seit mehr als 30 Jahren diskutiert.

Die Gesellschafter der Regionaltangente West sollen zusätzliche Mittel bereitzustellen. Hier eine Auflistung.

Frankfurt: plus 152 Millionen Euro (bereits gezahlt: 26 Millionen Euro)

Bad Homburg: 4 Millionen Euro (bislang 3 Millionen Euro)

Hochtaunuskreis: 8 Millionen Euro (knapp 6 Millionen Euro)

Main-Taunus-Kreis: 12 Millionen Euro (knapp 4 Millionen Euro)

Eschborn: 19 Millionen Euro (knapp 3 Millionen Euro)

Schwalbach: 2 Millionen Euro (0,4 Millionen Euro)

Bad Soden: 5 Millionen Euro (0,3 Mio. Euro)

Sulzbach: knapp 4 Millionen Euro (knapp 0,2 Millionen Euro)

Kreis Offenbach: 13 Millionen Euro (3 Millionen Euro)

Neu-Isenburg: 18 Millionen Euro (3 Millionen Euro)  

Horst Amann, der Geschäftsführer der RTW-Planung, begründete die Kostensteigerung damit, dass die Zahlen von 2009 auf Basis einer Machbarkeitsstudie lediglich geschätzt worden sind. Nun liege eine fachlich exakte Planung vor. Zwei von vier Streckenabschnitten seien bereits in der Planfeststellung. Für die übrigen beiden, den Abschnitt Süd 2 bis Neu-Isenburg Birkengewann und den Abschnitt Mitte bei Höchst, soll die Planfeststellung 2020 beginnen.

Amann rechnet mit einem Baubeginn im Jahr 2021. Die ersten Züge sollen nach derzeitiger Prognose ab Ende 2025/Anfang 2026 fahren. Noch vor einem Jahr hatte Amann eine Inbetriebnahme 2024/2025 prognostiziert. Gründe für die Verzögerung sind die Debatten über den Streckenverlauf in einzelnen Kommunen und die daraus folgenden Umplanungen.

Die Regionaltangente West ist eine Schienenverbindung, die auf zwei Linien im Norden, Westen und Süden an Frankfurt vorbeiführen soll – von Bad Homburg nach Neu-Isenburg Birkengewann und von Praunheim nach Dreieich-Buchschlag. Im Wechsel sollen die Züge alle 30 Minuten fahren, auf der gemeinsamen Strecke alle 15 Minuten. Zum Einsatz kommen sogenannte Zweisystemfahrzeuge, die mit jeweils unterschiedlicher Stromversorgung auf Gleisen der Deutschen Bahn und der Straßenbahn fahren können. Fahrzeuge dieser Art sind bereits in Karlsruhe im Einsatz.

In einem gemeinsamen Brief an den Frankfurter Verkehrsdezernenten Klaus Oesterling (SPD), der Aufsichtsratsvorsitzender der RTW-Planungsgesellschaft ist, unterstützen der hessische Verkehrsminister Tarek Al-Wazir (Grüne) und der hessische Finanzminister Thomas Schäfer (CDU) die RTW. Sie stellten eine maximale Landesförderung von 27,5 Prozent der Gesamtkosten in Aussicht. Hinzu komme voraussichtlich die Förderung des Bundes in Höhe von 60 Prozent nach dem Gemeindefinanzierungsgesetz. Diese Förderung muss noch beantragt werden.

Das Land Hessen fördere die Planungskosten mit Mitteln aus dem Programm „Starke Heimat Hessen“, teilten Al-Wazir und Schäfer mit. Insgesamt stünden damit 315 Millionen Euro vom Land bereit, hinzu kämen mögliche 503 Millionen Euro vom Bund. Die EU beteiligt sich mit rund 7,6 Millionen Euro an den Planungskosten. RTW-Geschäftsführer Amann verbreitete Zuversicht. Da der Nutzen-Kosten-Index „stabil“ bei 1,16 liege – das heißt, der Nutzen übersteigt die Kosten um 16 Prozent – sei eine Förderung des Bundes sehr wahrscheinlich. Kommentar

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