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Die AfD diskutiert darüber, wie man mit dem Tod des Jungen am Frankfurter Hauptbahnhof umgehen soll.

„entschieden, Füße still zu halten“

Gewalttat am Hauptbahnhof: AfD ist sich uneins 

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Der Umgang mit der Gewalttat am Frankfurter Hauptbahnhof ist in der Partei intern umstritten. Manche hätten sie gerne zur Demonstration genutzt

Frankfurt - In der AfD hat es anscheinend heftige Diskussionen darüber gegeben, wie stark der Tod eines achtjährigen Kindes am Frankfurter Hauptbahnhof im Juli für politische Aktivitäten ausgenutzt werden sollte. Der Junge und seine Mutter waren von einem Mann vor einen einfahrenden Zug gestoßen worden. Die Mutter konnte sich retten, der Achtjährige wurde getötet.

AfD in Hessen uneins 

Der Täter stammt aus Eritrea und lebte in der Schweiz. Die Familie des Opfers hatte darum gebeten, ihr Schicksal nicht politisch auszuschlachten.

Der Partei- und Fraktionschef der hessischen AfD, Robert Lambrou, berichtete am Freitag in Wiesbaden, er sei gedrängt worden, mit einer Demonstration oder einer Mahnwache zu reagieren. Die hessische AfD habe sich aber „entschieden, die Füße still zu halten“. Das habe angesichts der Emotionen, die der Fall ausgelöst habe, nicht jeder in der Partei verstanden.

Lambrou hatte nach der Tat zurückhaltender reagiert als andere Politiker der AfD, die die Einwanderungspolitik der Bundesregierung für die Tat mitverantwortlich machten. Er kündigte seinerzeit aber an, es werde „eine sehr ehrliche und ungeschminkte Diskussion über die Ursachen dieser neuen Dimension an Gewaltverbrechen in Deutschland“ geben müssen.

Diskussionen über Gewalttat am Hauptbahnhof in Frankfurt

Am Freitag behauptete Lambrou, Menschen aus anderen Kulturen reagierten „in bestimmten Situationen gewaltbereiter“. Angesichts der Tatsache, dass der Täter aus Sicht der Justiz psychisch krank und daher nicht schuldfähig ist, fügte der AfD-Fraktionschef hinzu: „Ich gebe zu, dass dieser Mord nicht in das Schema passt, das uns sonst antreibt.“

Die hessische AfD sieht sich nach Lambrous Worten „als Partei, die im Parlament wirkt, nicht als Bewegung, die auf der Straße wirkt“. Daher halte man eine Schweigeminute im Landtag für die richtige Form des Gedenkens. „Das mag dem einen oder anderen in der AfD zu wenig sein“, räumte Lambrou ein.

Im Landtag ist am Dienstag eine solche Schweigeminute geplant. Ein Sprecher des Landtags bestätigte den Plan und sagte, alle Fraktionen hätten sich dafür ausgesprochen. Lambrou hob hervor, dass seine Fraktion die Schweigeminute beantragt habe.   Von Pitt von Bebenburg

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