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Ahmad Saware und Hans Beierle sind froh, dass sie sich kennengelernt haben.
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Geflüchteter Ahmad Saware und Helfer Hans Beierle sind froh, dass sie sich kennengelernt haben. Nicht alle haben so viel Glück.

Zuwanderung

Warum Geflüchtete in Frankfurt den Anschluss verlieren

  • Steven Micksch
    VonSteven Micksch
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Die Zahl der Ehrenamtlichen hat aus verschiedenen Gründen in der Corona-Krise stark abgenommen. Die Integration der Flüchtlinge stagniert. Ein Blick nach Frankfurt.

Frankfurt – Die Auswirkungen der Corona-Pandemie haben auch die Flüchtlingshilfe hart getroffen. Viele Ehrenamtliche mussten sich zurückziehen, weil sie die Unterkünfte der geflüchteten Menschen nicht mehr betreten durften oder weil sie sich selbst Sorgen um eine Infektion machten. Anika Bergmann, Leiterin der DRK-Übergangseinrichtung am Sport-Campus in Bockenheim, weiß um die negativen Folgen für die Geflüchteten.

„Unsere eigenen Angebote sind ausgesetzt und es gibt keine Veranstaltungen“, sagt sie. Das meiste beschränke sich auf Einzelangebote oder werde digital durchgeführt. Dass zu Pandemiebeginn auch die ehrenamtlichen Angebote ausgesetzt worden seien, habe viele Flüchtlinge zurückgeworfen. Viele hätten den Kontakt zu ihren Mentor:innen, aber auch ihre gesamten Netzwerke verloren – sie seien nun isolierter. Da es keine Sprachkurse gegeben habe, seien viele auch bei ihrem Sprachniveau stehengeblieben oder seien sogar schlechter geworden, weil der tägliche Gebrauch fehle.

Wegen Corona: Deutlich weniger Flüchtlingshelfer in Frankfurt

Mittlerweile dürfen die Ehrenamtlichen wieder helfen, aber zuvor gab es beim DRK am Sport-Campus mehr als 100 Helfer:innen, nun sind es weniger als 20. Die Basis ist weggebrochen, zum Teil weil andere Dinge wichtiger wurden, wegen diverser Beschränkungen oder zum Teil auch, weil die Angst vor Corona natürlich da sei. Bergmann versteht die Bedenken. Sie sagt aber auch, dass es Hilfe bei Aktivitäten im Freien brauche, wo das Risiko nicht so hoch sei. „Es geht um einfach mal Spazierengehen oder Familien auf den Spielplatz begleiten.“

Das Gefühl des Angekommenseins könne sich nicht einstellen. Das gelte für Familien, die schon länger in Deutschland seien, aber vor allem für neuangekommene. Denn trotz Corona seien natürlich neue Menschen in Frankfurt angekommen. Diese kennten die Stadt noch nicht und würden gern einen Rundgang durch die Stadt bekommen.

Ehrenamtliche Helfer für die Flüchtlinge in Frankfurt gesucht

Bergmann wirbt deshalb für die von der Stabsstelle Unterbringungsmanagement und Flüchtlinge betriebene Internetseite „Frankfurt hilft“. Dort können Interessierte per Gesuch anzeigen, dass sie gern ehrenamtlich helfen würden oder sie können in den bestehenden Gesuchen von Institutionen der Flüchtlingshilfe stöbern und sich direkt melden. Die Internetseite gibt es bereits seit 2015. Sie habe seit jeher Informationen gebündelt und Koordinierung ermöglicht, heißt es aus dem Frankfurter Sozialdezernat, wo die Stabsstelle angesiedelt ist.

Einer, der noch aktiv hilft, ist Hans Beierle. Der 67-Jährige betreut einen afghanischen Studenten und eine iranische Familie. Zu seinem Engagement kam er 2016 eben über jene Internetseite „Frankfurt hilft“. Dort bekam er Kontakt zu einer Hilfsorganisation und traf schließlich auf die Familie von Ahmad Saware. Der 38-jährige Familienvater lebte damals mit seiner Frau und den drei Kindern in der Unterkunft in der Ludwig-Landmann-Straße. Saware war mit seiner Familie aus dem Südiran geflohen, weil er dort zur arabischen Minderheit gehörte und unterdrückt wurde.

Flüchtlingshilfe ist „keine Einbahnstraße“

In Deutschland wurde vieles besser, auch dank der Hilfe von Hans Beierle. „Es war anfangs eine schwierige Zeit“, sagt der 38-Jährige. Er habe nicht gewusst, wo er anfangen solle, schließlich hatte er alles verloren. Die Bekanntschaft zu Beierle habe ihn motiviert, mehr zu lernen und weiterzumachen. Er wollte die Sprache besser verstehen, aber auch die Menschen selbst.

„Frankfurt hilft“

Auf der Internetseite „Frankfurt hilft“ gibt es Gesuche vieler Institutionen der Flüchtlingshilfe für Menschen, die an einem Ehrenamt in diesem Bereich interessiert sind.

Gesucht werden kann etwa in den Kategorien Alltagsbegleitung, Nachhilfe, Mentoring oder Kunst.

Eigene Angebote, die zu den individuellen Fähigkeiten passen, können dort ebenfalls erstellt werden.

Durch die Unterstützung gelang es Saware, eine Wohnung zu finden. Er machte seinen Kurs zum B1-Sprachniveau, hat seit kurzem einen Führerschein sowie ein Auto und arbeitet mittlerweile als Briefträger. „Hans ist wie ein Vater für mich“, beschreibt der Mann aus dem Iran das Verhältnis der beiden. Beierle ist ebenfalls zufrieden und sagt: „Ich habe auch enorm viel gelernt.“ Zum einen über die komplizierte deutsche Bürokratie, zum anderen aber auch mehr über die Kultur seines Schützlings und über das iranische Essen. „Es ist keine Einbahnstraße“, sagt Beierle zum Ehrenamt. Allein wäre Saware mit seiner Familie zum Scheitern verurteilt gewesen, da ist der 68-Jährige sich sicher. Deswegen hofft er, dass bald vielleicht wieder mehr Freiwillige den geflüchteten Menschen zur Seite stehen. (mic)

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