+
In Höchst gibt es Anzeigetafeln - ein Ausnahme.

Busfahrer-Streik

Frankfurt: Fahrgäste von Streik überrascht

  • schließen

Fahrgäste warteten am Dienstag in Frankfurt vergebens auf den Bus an der Haltestelle. Informationen über Anzeigen oder Durchsagen fehlten vielerorts.

Mit Verwunderung und Enttäuschung haben Fahrgäste am Dienstagmorgen auf den Busfahrerstreik in Hessen reagiert, der noch einige Tage andauern soll. Im Frankfurter Stadtteil Bockenheim wussten die Wartenden morgens um 8.15 Uhr nichts von dem landesweiten Ausstand der Busfahrer.

„Wie, der Bus kommt nicht?“, fragte eine ältere Frau. Als das Wort „Streik“ fiel, zog sie umgehend weiter zur U-Bahn-Haltestelle Kirchplatz. Andere Wartende schlossen sich ihr an. Dabei war zu diesem Zeitpunkt gar nicht klar, ob die U-Bahnen und Straßenbahnen überhaupt fahren würden.

Wegen einer Betriebsversammlung der Verkehrsgesellschaft Frankfurt (VGF) könnten zahlreiche Trams und U-Bahnen ausfallen, hatte die Nahverkehrsgesellschaft Traffiq tags zuvor mitgeteilt.

„Die U4 und U7 sind heute morgen noch gefahren“, sagte eine Frau, die zwei Kinder in Bockenheim in den Kindergarten brachte. Sie sei extra eine halbe Stunde früher aufgestanden, hätte die U-Bahn genommen statt den 34er Bus „von Tür zu Tür“. Sie vermute, dass die Betriebsversammlung der VGF später anfange und die U-Bahnen daher noch gefahren seien.

Das bestätigte Klaus Linek, der Sprecher der Nahverkehrsgesellschaft Traffiq. Die Betriebsversammlung der VGF beginne um 10 Uhr. Wenn zahlreiche Mitarbeiter der Verkehrsgesellschaft daran teilnähmen, sei damit zu rechnen, das im Laufe des Tages Fahrten der U-Bahnen und Straßenbahnen ausfielen. Vor allem in den Abendstunden sei mit vermehrten Ausfällen zu rechnen. Wenn ein Fahrer seine Schicht morgens zur Betriebsversammlung statt nachmittags beginne, beende er seine Arbeit dementsprechend früher.

Das betreffe Fahrgäste im abendlichen Berufsverkehr und die Fußballfans, die zum Länderspiel von Deutschland gegen Nordirland in das Waldstadion wollten. Sie müssten mit der S-Bahn fahren.

Informationen, welche U-Bahnen, Busse und Straßenbahnen fahren, waren am Dienstag allerdings nicht zuverlässig zu bekommen. In der App der RMV (rmv.de) würden die vorhandenen Daten eingespeist, sagte Traffiq-Sprecher Linek. Aber, wenn gar nicht klar sei, welche Straßenbahnen und U-Bahnen ausfielen, lasse sich das nicht einwandfrei umsetzen. „Das ist eine unbefriedigende Situation“, räumte er ein.

Auch an den Bushaltestellen in Frankfurt waren die Informationen rar. Denn an den meisten Bushaltestellen in Frankfurt gibt es weder Lautsprecher für Durchsagen noch Anzeigentafeln – weder an der Sophienstraße in Bockenheim noch an der zentralen Bushaltestelle am Frankfurter Hauptbahnhof.

Dort standen am Dienstagmorgen um 9 Uhr morgens etwa ein Dutzend Menschen und warteten vergeblich auf den jeweiligen Bus. „Ich muss zum Arzt, wie soll ich denn da hinkommen?“, fragte eine alte Frau, die ins Europaviertel musste. Ein junger Mann, der gerade einen Dürüm verspeiste, musste in dieselbe Richtung. Sie schlossen sich zusammen, um zunächst mit der Tram zum Güterplatz zu fahren, und dann entweder zu laufen oder sich ein Taxi zu teilen. „Ein Taxi ist halt sehr teuer“, sagte der Mann.

Auch weitere Fahrgäste, die zur Arbeit oder zu Terminen mussten, zogen von der Bushaltestelle am Hauptbahnhof ihrer Wege, nachdem sie auf den Streik hingewiesen worden waren.

In Hessen streiken auch in den folgenden Tagen rund 4400 Busfahrer für besseren Lohn, eine Vergütung von Pausen und mehr Urlaub. Das Angebot der Arbeitgeber hatte die Gewerkschaft Verdi in den Tarifverhandlungen abgelehnt.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare