Klinikum Frankfurt/Höchst

Missstände in Psychiatrien

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Die Missstände in der Psychiatrie Höchst waren durch den TV-Beitrag „Team Wallraff undercover“ bekannt geworden. Nun ist klar: es ist kein Einzelfall in Hessen.

Die Vorkommnisse in der Psychiatrie am Klinikum Frankfurt/Höchst sind kein Einzelfall. Zu diesem Schluss kommt die gesundheitspolitische Sprecherin der SPD-Fraktion im Hessischen Landtag, Daniela Sommer, nach einer mündlichen Anhörung. Es bestehe Handlungsbedarf: „Wir werden uns dafür einsetzen, die Bedingungen für Patienten wie Mitarbeiter zu verbessern.“

Alle Experten hätten bestätigt, dass strukturelle Mängel in psychiatrischen Kliniken immer wieder zu Missständen führen könnten. Die Folge seien „massive Belastung für Patienten und Personal“. Und das nicht alleine auf Akutstationen. Die Kliniken arbeiteten oft nur mit einer Minimalbesetzung. Zum Teil werde das Arbeitsschutzgesetz nicht eingehalten, Überlastungsanzeigen würden ignoriert. Therapien oder eine ambulante Nachsorge könnten nur am Rande oder gar nicht mehr geleistet werden, so Sommer. „Um hier Abhilfe leisten zu können, brauchen die Kliniken dringend mehr Personal, eine bedarfsgerechte Personalplanung und ein solides Ausfallmanagement.“ Denn auch die Mitarbeiter litten unter dieser Situation: Erstmalig sei die psychische Belastung häufigster Grund für Krankheitsmeldungen gewesen.

Die Missstände in der Akutpsychiatrie in Höchst waren im März durch den TV-Beitrag des „Team Wallraff undercover“ bekanntgeworden. Eine getarnte Reporterin berichtete über mangelhafte medizinische Betreuung, häufige und lange Fixierungen von Patienten, ruppiges Personal. Es sei laut und schmutzig, die Stimmung aggressiv. Hessens Sozialminister Kai Klose (Grüne) schaltete sich als Fachaufsicht ein. Ein Gutachter ist eingesetzt, der schon einige Verbesserungen angeschoben hat, Ende des Sommers ist sein Bericht zu erwarten. Es gab zwei Strafanzeigen. Die Ermittlungen dauern laut Staatsanwaltschaft an.

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