Exklusiv-Interview

Jutta Ditfurth berichtet über Drohmails: „Heil Hitler wünscht Dir der NSU 2.0“

  • Pitt v. Bebenburg
    vonPitt v. Bebenburg
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Jutta Ditfurth erhält erneut ein Drohschreiben von NSU 2.0. Die Politikerin spricht im Interview über die neue rechtsextreme Drohmail und den Umgang mit jahrelangen Anfeindungen.

Frankfurt - Jutta Ditfurth, die profilierte linke Politikerin, Ökolinx-Stadtverordnete, Journalistin und Autorin aus Frankfurt, erhält widerliche rechtsextreme Drohschreiben.

Frau Ditfurth, Sie werden erneut rechtsextremistisch bedroht. Was ist passiert?

Ich habe heute Nacht aus dem Nichts eine Mail bekommen, die von jemandem abgeschickt wurde, der gerne Heinrich Himmler (Chef der nationalsozialistischen SS, Red.) wäre. Das Schreiben ist unterschrieben mit „Heil Hitler wünscht Dir der Nationalsozialistische Untergrund 2.0 NSU“. Das erinnert mich an die Schreiben, die andere Frauen vom „NSU 2.0“ bekommen haben. Mir wird vorgeworfen, ich sei eine Schande für meine arische Familie. Ich sei eine „Judensau“. Man beschreibt, auf welche Weise man mich umbringen möchte. Ich solle endlich lernen, ohne Überweisungen der Familie Rothschild auszukommen. Die antisemitischen Angriffe sind unheimlich deutlich.

Enthält das Schreiben Hinweise darauf, dass persönliche Daten von Ihnen abgefragt worden sein könnten?

Zumindest enthält diese Mail eine Mischung aus Vorwürfen, Behauptungen und Schmähungen, die man nicht einfach so schreibt. Ich habe in meinem politischen Leben sehr viele Schmähungen und Drohungen bekommen, bis hin zu allen möglichen Todesarten. Die waren weitgehend ohne persönliche Informationen über mich. Hier gibt es ein paar Hinweise zu meiner Adresse oder meiner Familie. Da muss jemand länger beobachtet haben, was ich schreibe.

Rechtsextreme Drohmails an Frauen: Auch Jutta Ditfurth wird erneut bedroht

Bei der derzeitigen Drohserie des „NSU 2.0“ wird ein anderer Absender genutzt als bei Ihnen, und die Unterzeichner verwenden andere Worte. Doch auch dort werden starke, selbstbewusste Frauen bedroht. Welche Botschaft steckt dahinter?

Das ist der tiefsitzende Frauenhass, den es in rechten und faschistischen Blöcken gibt. Das war dort schon immer so. Die Frau hat zu kuschen und sich zu unterwerfen, ein bestimmtes Rollenverhalten zu zeigen und wird sonst als Bedrohung empfunden. Diese Mail hat im Gegensatz zu anderen einen sehr kühlen Ton, bis auf die Schimpfworte wie „Judensau“. Das ist auffällig. Die anderen sind aufgeregter. Da wird mir gesagt, unter welchen Umständen ich in welchen Keller gelockt werde, um mich umzubringen, oder welche Körperteile mir alle abgetrennt werden, und wie ich im Gestapo-Keller vor mich hin sterben werde als Rumpf ohne Kopf.

Sie haben schon oft Beschimpfungen und Drohungen erlebt?

Mir passieren in Frankfurt merkwürdige Sachen. Ich bin in einer Kneipe, gehe zur Bar, da spricht mich jemand an, der ziemlich betrunken ist, zeigt mir eine Waffe, erzählt mir, er sei Polizist und wisse, wie es in meinem Haus zugeht. Er wusste ein paar Sachen über die Nachbarschaft.

Jutta Ditfurth bedroht - erneute rechtsextreme Drohschreiben von NSU 2.0

Wann ist das passiert?

Das ist schon ungefähr zwei Jahre her. Aber solche Sachen passieren immer wieder, dass Leute mir deutlich machen: Wir haben Sie im Blick. Schon in den 80er Jahren, als das losging mit Bedrohungen, ist zweimal in unserem Haus Feuer gelegt worden. Wir haben es der wunderbaren Frankfurter Feuerwehr zu verdanken, dass niemand starb oder schwer verletzt wurde.

Wie gehen Sie damit um?

Ich versuche es politisch und nicht persönlich zu nehmen. Das heißt, ich versuche es nicht dicht an mich ranzulassen, sondern es mit dem Kopf und einem Anwalt zu bearbeiten.

Was läuft aus Ihrer Sicht schief bei der Bekämpfung des Rechtsextremismus?

Ich finde es sehr sonderbar, dass große Konzerne jedes Surf-Fehlverhalten ihrer Mitarbeiter während der Arbeitszeit sehr genau dokumentieren, während die hessische Polizei es nicht schafft, in den eigenen Reihen zu ermitteln. Das kann nur zwei Sachen bedeuten: entweder dass sie komplett unfähig sind. Oder dass sie unwillig sind und ein rechtsradikales Netz gestützt wird.

Nach den Versäumnissen im „NSU 2.0“-Skandal von Peter Beuth hätte Ministerpräsident Volker Bouffier guten Grund, seinen Innenminister zu entlassen.

Rubriklistenbild: © Melanie Grande/dpa

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