+
Weil die Rente nicht mehr reicht, müssen manche ältere Menschen auch betteln.  

Armut im Alter

Wenn die Rente nicht reicht: Immer mehr Menschen in Hessen benötigen Grundsicherung

  • schließen

Die Altersarmut in Hessen nimmt zu. Die Zukunftsaussichten machen keine Hoffnung. Aber Städte wie Frankfurt reagieren.

Die Zahl der Menschen, die älter als 65 Jahre sind und Grundsicherung benötigen, steigt in Frankfurt weiter an. Im September dieses Jahres waren es nach Angaben des Sozialdezernats 10 694 Senioren. 2015 lag die Zahl noch bei 9645. „Tendenziell wird die Zahl der Anspruchsberechtigten weiter steigen“, sagt Manuela Skotnik vom Frankfurter Sozialdezernat.

Experten sehen für ganz Deutschland ein steigendes Risiko der Altersarmut. Auch andere hessische Städte sind mit steigenden Zahlen konfrontiert. So waren es in Offenbach zum Jahresende 2018 insgesamt 1945 Menschen, die Grundsicherung im Alter bekamen. Ein Jahr zuvor lag die Zahl bei 1824. Fast 65 Prozent der Anspruchsberechtigten waren 2018 zwischen 65 und 74 Jahre. In Darmstadt zeigt sich ein ähnliches Bild. 2017 waren es 1674 Menschen über 65 Jahre, 2018 bereits 1816 Menschen.

Armut im Alter - Rente wird immer weniger

Die Faktoren, die zur zunehmenden Gefahr von Altersarmut beitragen, sind vielschichtig. Einer sei die demografische Entwicklung, durch die die Rentenansprüche künftig geringer ausfallen würden, sagt Skotnik. Kurz gesagt: Immer weniger Erwerbstätige stehen immer mehr Rentnern gegenüber. Gestiegene Lebenserwartungen und kürzere Lebensarbeitszeiten kommen erschwerend dazu.

Ein weiterer Faktor sei, dass Frauen oft lange Zeit nur in Teilzeit beschäftigt gewesen seien und nun geringere Rentenansprüche hätten. Früher reichte das Gehalt des Mannes aus, die Frauen blieben zu Hause und kümmerten sich um die Familie. Das belegen auch die Zahlen: In Frankfurt waren im September 2019 etwa 53 Prozent der Anspruchsberechtigten weiblich. In Offenbach waren es Ende 2018 etwa 55 Prozent.

Manuela Skotnik führt noch weitere Faktoren an. Längere Phasen von Arbeitslosigkeit oder ältere Migrantinnen und Migranten ohne Berufsabschluss, die zeitlebens schlecht bezahlten Helfertätigkeiten nachgegangen seien. „Ist das Rentenalter erst einmal erreicht, gibt es im Grunde keine Möglichkeit mehr, die Armut selbst zu bekämpfen“, sagt Skotnik. Man müsse sich dann darauf konzentrieren, für Ausgleich und Teilhabe zu sorgen – sowohl in finanzieller als auch in psychosozialer Hinsicht. „Wir müssen auch die Vereinsamung im Blick haben.“

Rentner in Armut: Essen auf Rädern wird bezuschusst

Deshalb gebe es beispielsweise Zuschüsse an Träger der freien Wohlfahrtspflege, die Altenclubs und Altentreffs organisierten. Und man biete vergünstigte, teilweise auch kostenlose Teilnahme an Seniorenfahrten sowie Besuche von Theatervorstellungen für Senioren an. Auf der finanziellen Seite stehen etwa die Übernahme von Pflegekosten, wenn die Leistungen der Pflegeversicherung oder das eigene Einkommen dazu nicht ausreichen, sowie eine Bezuschussung des Essens auf Rädern für Bedürftige.

Ein weiteres besonderes Angebot der Stadt ist der kostenfreie Frankfurt-Pass, den Bürger mit geringem Einkommen beantragen können. Mit diesem erhalten Erwachsene für einen geringen Kostenbeitrag Eintritt in die städtischen Hallen- und Freibäder, Zoo und Palmengarten. Ermäßigte Preise gibt es zudem für die Eissporthalle, städtische Museen, Theater und Kurse der Volkshochschule. Ermäßigte Monats- und Jahreskarten für den öffentlichen Personennahverkehr können mit dem Pass ebenfalls erworben werden.

Menschen ab 65: Mehr als zehn Prozent von Armut bedroht

Auch das Land Hessen beobachtet regelmäßig das Armutsrisiko für Menschen ab 65 Jahre. Für 2018 sah das Sozialministerium das Risiko in Hessen bei 14,9 Prozent – also 14,9 Prozent der Menschen über 65 Jahre waren von Altersarmut bedroht. Das entspreche fast dem bundesweiten Durchschnitt für ältere Menschen (14,7 Prozent). Ende 2018 lebten in Hessen etwa 1,29 Millionen Menschen, die älter als 65 Jahre waren. Betrachtet man das Risiko für Frauen und Männer getrennt, wird deutlich, dass 16,8 Prozent der Frauen über 65 Jahre von Armut gefährdet sind, bei den Männern sind es 12,7 Prozent. Beide Werte liegen wieder in etwa im Bundesdurchschnitt (Frauen: 16,4; Männer: 12,7).

Das Land weist darauf hin, dass die Altersarmutsgefährdungsquote in den zurückliegenden Jahren immer und dauerhaft unter der Quote der Gesamtbevölkerung (2018: 15,8 Prozent) gelegen habe. Ältere Menschen seien deshalb heute in Hessen im Schnitt gut gestellt und versorgt.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare