+
Die Arbeiterwohlfahrt steckt in der Krise.

Hessen

Fragwürdige AWO-Deals mit hessischen Pflegeheimen

  • schließen

Der ehemalige Chef des AWO-Bezirksverbands Hessen-Süd soll mindestens einen Verkauf eines Pflegeheims befürwortet haben. Am Ende profitierte er davon.

Die Arbeiterwohlfahrt Hessen-Süd hat vor wenigen Jahren zwei Pflegeheime verkauft. Was zunächst unspektakulär klingt, ist nun eine Sache für die Staatsanwaltschaft Frankfurt. Die hat aufgrund einer Anzeige eine strafrechtliche Überprüfung der beiden Geschäfte anberaumt. Der Vorwurf: Der damalige AWO-Chef soll die Heime in Bruchköbel (Main-Kinzig) und Langgöns (Gießen) an seine eigenen Firmen verkauft haben.

Auch der Bundesverband der Arbeiterwohlfahrt hat die beiden Verkäufe der Pflegeheime begutachtet. Das Urteil: eine eindeutige Verletzung der internen Verhaltensregeln. Wie der Hessische Rundfunk (HR) schreibt, dürfen Verantwortliche in ihrer Funktion für den Sozialverband keine sogenannten Insichgeschäfte mit gewinnorientierten Gesellschaften machen, die sie selbst gegründet haben.

AWO mietet nach Verkauf

Verantwortlich war damals der Wirtschaftsprüfer und Steuerberater Torsten Hammann. Von Anfang 2016 bis Mitte 2019 war er Generalbevollmächtigter des Bezirksverbands Hessen-Süd. Er hat Kanzleien in Bad König (Odenwald) und Pfungstadt (Darmstadt-Dieburg). Sein Nachfolger ist aktuell Ansgar Dittmar, der im Dezember sein Amt als Kreisverbandsvorsitzender Frankfurt niederlegte. Laut Hessischem Rundfunk verkaufte die AWO während Hammanns Zeit als AWO-Chef des Bezirksverbands das Sozialzentrum „Heinz-Ulm-Haus“ in Langgöns mit rund 80 Pflegeplätzen. Das Geschäft mit Bruchköbel (88 Pflegekräfte) soll da bereits gelaufen gewesen sein. Der Verkauf der Einrichtung im Main-Kinzig-Kreis erfolgte kurz bevor Hammann den Führungsposten übernahm, so der HR.

In beiden Fällen gingen die Häuser an private Immobilienunternehmen, die Hammann mitgegründet hat und zu deren Gesellschaftern er zählt. Nach dem Verkauf mietete die AWO die beiden Heime wieder an. Nach Informationen des HR soll der damalige Bezirkschef den Verkauf damit begründet haben, dass nur so der aufgelaufene Sanierungsstau der Gebäude zu beheben sei. Der AWO Hessen-Süd fehlte das Geld zur Modernisierung.

Auf der anderen Seite, so der HR, habe Hammann den Mitinvestoren sechs Prozent Rendite für die gekauften Heime versprochen. Nun müsse auch geprüft werden, ob in diesem Zuge Mieten für Heimbewohner erhöht wurden. Hammann sagt auf Anfrage nichts zu den Immobiliengeschäften. Er verweist gegenüber dem HR auf seine Verpflichtung zur Verschwiegenheit. Der Bezirksverband möchte erst Stellung zu den beiden Fällen nehmen, wenn die unabhängige Task Force unter Leitung der ehemaligen Bundesjustizministerin Herta Däubler-Gmelin ihre Prüfungen der Vorgänge im Bezirksverband abgeschlossen hat.

Zudem hat der HR berichtet, dass in Hammanns Amtszeit als Generalbevollmächtigter die Unabhängigkeit des Personals, das die von ihm verantworteten Bücher der AWO Hessen-Süd prüfte, ungenügend gewesen sei. So hat zwar ein unabhängiger Wirtschaftsprüfer dem Bezirksverband unbedenkliches Wirtschaften und ordnungsgemäße Buchführung bescheinigt. Aber dem HR liegen E-Mails vor, die zeigen, dass der Prüfer sich eng mit Personal aus Hammanns eigenen Kanzleien absprach. Als Revisor beim AWO-Verein fungierte außerdem ein Diplom-Kaufmann, der auf der Firmen-Homepage als Hammanns Kanzleimitarbeiter geführt wird.

Der ehemalige Generalbevollmächtigte hält das für unbedenklich. Die betroffenen Personen seien „freiberuflich für mehrere Auftraggeber tätig und nicht bei mir oder einem Unternehmen von mir angestellt“, so Hammann zum HR. Sie seien nur aufgrund der Transparenz auf der Webseite aufgeführt.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare