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Armut

FR-Altenhilfe: „Aus Darmstadt wollte ich nie weg“

  • Olaf Velte
    VonOlaf Velte
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Not gemeinsam lindern Das Ehrenamt hält Horst M. trotz Altersarmut bei Laune

Im Südhessischen kennt er fast jeden Fußballplatz, hat sich dort über drei Jahrzehnte als Schiedsrichter bewährt. Natürlich ehrenamtlich und mit Herzblut. Bis heute hält die Leidenschaft für das runde Leder bei Horst M. an – nach wie vor ist das Engagement im Heimatverein eine Ehrensache. „Ich mache Kassendienste und helfe bei Veranstaltungen“, so der 66-Jährige über das, was ihn auch durch schwierige Zeiten trägt.

Von den rund 900 Euro an Altersgeld und Grundsicherung bleiben ihm für die monatliche Existenz etwa 250 Euro. Eine Summe, die in voller Höhe der täglichen Ernährung zugutekommt, keine Spielräume zulässt. Was Horst M. im Supermarkt „günstig“ einkauft, wird in der 30 Quadratmeter großen Mietwohnung eigenständig auf den Herd gebracht. „Ich lebe alleine und mache alles selbst.“

Von Einsamkeit kann trotzdem keine Rede sein – auch wenn aus dem unmittelbaren Verwandtschaftskreis „niemand mehr da ist“. Er habe genug Bekannte, eine intakte Nachbarschaft und unterstütze regelmäßig einen älteren Herrn. Seine Rückenprobleme will der Darmstädter nicht weiter thematisieren: „Ich fühle mich ja weitgehend auf der Höhe.“ Dass er „jeden Euro umdrehen“ muss, verdirbt ihm – „bin ein zufriedener Mensch“ – keineswegs die Laune.

Trotz seiner Anspruchslosigkeit sind die seit dem vergangenen Jahr eingehenden Altenhilfe-Zuwendungen für den 66-Jährigen ein wahrer Grund zur Freude. „Welch eine schöne Entlastung!“ Aufgrund der Unterstützung habe er endlich die Renovierung seiner Küche realisieren können. Was nun zu Weihnachten komme, werde zurückgelegt, um ein Polster für Notfälle zu haben. „Es kann immer mal etwas kaputtgehen.“

Geboren und aufgewachsen ist Horst M. in Erbach, inmitten des herrlichen Odenwaldes. In dem „guten Elternhaus“ bleibt er ohne Geschwister, verlebt eine „frohe Jugend“. Sieben Jahre lang arbeitet er nach einer Ausbildung zum Justizangestellten in dem erlernten Beruf, bevor die Umschulung zum Bürokaufmann ansteht. Es sind die 90er Jahre, und eine Frankfurter Bank wird zur neuen Arbeitsstätte. Irgendwann ist eine Umsiedlung nach London gefordert, was M. nicht mitmacht und den Job kostet.

Zurück im Odenwald erledigt er die Zollabwicklungen für eine ansässige Firma – beendet jedoch die Stellung, als der Standort nach Düsseldorf verlegt werden soll. „Aus dem Darmstädter Raum wollte ich doch nie weg.“ Letzte Station ist dann ein Hotel in Rüsselsheim, wo M. zehn Jahre lang als Nachtpförtner tätig ist.

Während der folgenden Arbeitslosigkeit betreut er seine kranke Mutter, bewirbt sich „hundertmal“ und wird schließlich in die Erwerbsunfähigkeit entlassen. Was bleibt, ist Ernüchterung: „Eine Rente, die nicht reicht.“

Früher sei er gerne ins Stadion der 98er gegangen – „was aus finanziellen Gründen überhaupt nicht mehr möglich ist“. Dann sich doch lieber und weiterhin beim TGB engagieren, diesem Bessunger Heimathafen. Und an Weihnachten? „Da besuche ich den Gottesdienst in unserer Kirche.“ Dort ist der 66-Jährige als ehrenamtlicher Helfer übrigens gleichfalls sehr willkommen. ov

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