+
Das Keltenmuseum gibt den Blick frei über das Glauberg-Plateau.

Glauburg

Forscher in Glauburg bleiben auf dem Berg

  • schließen

Das Land Hessen plant einen Neubau für ein Forschungszentrum an der Keltenwelt.

Geraume Zeit wähnte sich die gut 3000 Einwohner zählende Gemeinde Glauburg in der Hoffnung, mit der geplanten Dorferneuerung komme auch ein archäologisches Forschungszentrum in die Mitte des Ortes. Das rund eineinhalb Kilometer entfernte Museum Keltenwelt, einen Steinwurf entfernt von der Stelle, an der vor knapp 25 Jahren der legendäre Keltenfürst im Acker entdeckt worden ist, und der Glauberg selbst geben den Anlass für eine dauerhafte Forschungsstätte mit internationalen Renommee, die nun doch neben dem Museum entstehen wird. Die Nähe zum Forschungsobjekt obsiegte. Das Dorf am Plateauberg mit seiner 7000 Jahre alten Siedlungsgeschichte muss nun umplanen.

Für Bürgermeister Carsten Krätschmer (SPD) liegt mit dieser Entscheidung des Landes, die in einer Kleinen Anfrage der FDP an die Landesregierung bestätigt worden ist, die Welt nicht in Scherben. Mit Angela Dorn (Grüne), Ministerin für Wissenschaft und Kunst, seien Gespräche geführt worden. „Der Gemeinde wurde nie etwas suggeriert, sondern unser Anliegen wohlwollend geprüft“, sagt Krätschmer.

2014 wurde Glauburg in das Dorfentwicklungsprogramm „Integriertes kommunales Entwicklungskonzept“ (Itek) aufgenommen. Der historische Schulplatz soll zum schicken Dorfmittelpunkt umgebaut werden. Das 200 Jahre alte Schulrektorhaus soll stehenbleiben, die marode Schule und ein Versammlungshaus der Kirche sollen zwei Neubauten weichen – einer war für das Forschungszentrum bestimmt, das laut Krätschmer zusätzlich zur Finanzierung und mehr Besucherfrequenz beigetragen hätte. Gleichwohl Glauburg dicht neben der Keltenwelt liegt, profitierte das Dorf – im Gegensatz etwa zu Büdingen – nur schleppend vom Ruhm, so Krätschmer.

Das Museum

2011ist das Museum Keltenwelt am Glauberg eröffnet worden.

Das Grab eines Keltenfürsten, in dem die lebensgroße steinerne Statue lag, hatten Mitglieder des örtlichen Geschichtsvereins Jahre zuvor in akribischer Suche unweit auf einem Acker entdeckt.

Mehr als 40 000 Besucherzählt das Museum pro Jahr, der Archäologische Park bis zu 90 000 Gäste im Jahr.

Ein archäologischer Gartensoll in diesem Jahr angelegt werden. Im Mittelpunkt wird die Botanik der Eisenzeit stehen. sun

www.keltenwelt-glauberg.de

Zurzeit besteht das Forschungszentrum aus Bürocontainern neben der Keltenwelt, sagt Museumssprecher Lars Corsmeyer. Zwei Archäologen erkunden von dort nicht allein die Geschichte der Grabhügel, sondern vor allem das Plateau, heute ein frei zugänglicher archäologischer Park mit markanten Siedlungsresten. Das Forschungszentrum bestand bereits mit der Eröffnung der Keltenwelt vor neun Jahren. „Die Container sind kein Dauerzustand. Sie sind im Winter innen kalt und im Sommer heiß und stickig“, sagt Corsmeyer.

Einen Bauplatz für die neue Arbeitsstätte der Archäologen wurde schon ausgeguckt. Das marode „Haus Richter“ soll fallen. Heinrich Richter ließ es 1935 bauen, als er begann, den Glauberg zu erforschen – mit Förderung durch die Nazis, die das Urdeutsche bei den Kelten sahen und noch heute sehen. Laut Corsmeyer wird der Neubau die Dimensionen des Richter-Hauses nur geringfügig überschreiten. Ein Keller wird zusätzlich Platz für Arbeitsgerät und Lager bieten. Der Besprechungsraum könne auch von Schulklassen etwa für eine Einführung genutzt werden.

Allerdings wird es noch ein paar Jahre dauern, bis es soweit ist. Corsmeyer rechnet vorsichtig mit 2024/25. Gegenwärtig befinde sich das Vorhaben in einem „landesinternen Abstimmungsverfahren für Baumaßnahmen“, teilt das Ministerium von Dorn mit. Bauherrin wird der Landesbetrieb Bau und Immobilien sein.

Die Forschungsstätte samt der Glauberg besitzen internationale Bedeutung, so Corsmeyer. Es werde mit Einrichtungen im In- und Ausland kooperiert. Die Datenlage über den sich einst über ganz Mitteleuropa ausbreitenden antiken Volksstamm und der damaligen Epoche ist offenbar noch sehr lückenhaft. „Wir wissen erst nur fünf Prozent aus der Eisenzeit“, betont Corsmeyer. Auch die Funktion und die Siedlungsentwicklung des Glaubergs, der eine weite Sicht in die Wetterau ermöglicht, ist noch nicht enträtselt. Bei Grabungen werden immer noch besondere Fundstücke aus verschiedenen Zeiten zutage gefördert. Die Bodenfunde werden nach der Restaurierung bei Hessen-Archäologie in der Keltenwelt in Schauen präsentiert, wie die mit knapp 2500 Jahre alte Fibel mit Fabelwesenornamenten. Als „Knubbelnasenpferdchen“ beschreibt Corsmeyer die Darstellung auf der Kleiderschnalle.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare