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Forellengut kämpft gegen Wassermangel

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OBERursel Zuchtbetrieb ist auf Dornbach angewiesen / Flüssigsauerstoff wird eingesetzt

Der heiße Sommer macht der Natur zu schaffen. Bäche fallen trocken, in Seen und Teichen sinkt der Wasserspiegel. Noch plätschert aber der Dornbach, der im Wald oberhalb Oberstedtens "Kaltes Wasser" heißt, durch sein Bett. Für das Forellengut mit den 42 Fischteichen ist das existenziell. Der Seniorchef des Fischzuchtbetriebs, Rolf Herzberger, sagt sogar: "Das Wasser hat noch nie gereicht. Aber ich habe es so eingerichtet, dass wir zurechtkommen."

Seit seiner Gründung im Jahr 1894 habe das Forellengut das Wasserrecht am "Kalten Wasser", berichtet der 81 Jahre alte Fischzuchtmeister. 1963 hat er den Betrieb von seinen Großeltern übernommen. Doch schon Ende der 1960er Jahre gab es Probleme. Die Stadt Bad Homburg nämlich habe dem Forellengut einen Teil des Wassers abgegraben. Damals wurde der Elisabethenstollen gebohrt. Herzberger habe sich juristisch gewehrt, und die Stadt Bad Homburg habe sich verpflichtet, Wasser aus dem Trinkwasserstollen zum Forellengut zu pumpen. So kommen täglich zwischen 160 und 180 Kubikmeter von dort.

Aber auch das würde nicht ausreichen. "Die Niederschläge werden schon seit Jahren immer weniger. Wenn ich nicht frühzeitig Maßnahmen ergriffen hätte, wäre ich jetzt bankrott", sagt Herzberger. Das Wasser aus den Teichen nutzt er nun zweimal. "Es wird durch eine Leitung von unten nach oben gepumpt." Dann fließe es wieder in einige der Teiche. Die zweite Maßnahme gegen Wassermangel ist der Flüssigsauerstoff in einem großen Tank neben den oberen Teichen. "Er wird zuerst in gasförmigen Sauerstoff umgewandelt und dann von Belüftern so mit dem Wasser verquirlt, dass möglichst wenig Sauerstoff an die Atmosphäre verloren geht", erklärt der Fischzüchter. Die Hälfte der Anlage, der Bereich, in dem vor allem die empfindlichen Forellen leben, wird so versorgt. Alles ist computergesteuert. Ein Bildschirm zeigt für jeden Teich Außentemperatur, Wassertemperatur und Sauerstoffgehalt an. "Die Anlage ist auf 80 Prozent Sauerstoffsättigung eingestellt. Fällt die Sättigung unter 70 Prozent, gibt es Alarm, denn bei zu wenig Sauerstoff sterben die Forellen." In den unteren Teichen tummeln sich inzwischen Karpfen, Schleien und Weißfische, die mit weniger Sauerstoff und gebrauchtem Wasser zurecht kommen.

Doch die Lage sei trotz aller Modernisierung noch immer schwierig, einerseits wegen der Trockenheit, andererseits wegen der steigenden Energiepreise, fährt Herzberger fort. "Wir machen derzeit keinen Gewinn. Und die Fische bekommen nur Erhaltungsfutter." Denn je stärker sie gefüttert werden, desto mehr wachsen sie und desto mehr Sauerstoff brauchen sie.

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