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Fartun Ahmed Shire mit Kleid und Kopftuch in den somalischen Landesfarben macht Selfies mit Freunden.

Internationales Bürgerfest Darmstadt

Folklore und viel Kulinarik

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40 Vereine und Organisationen stellen sich beim Internationalen Bürgerfest in Darmstadt vor.

Raten ist angesagt am Samstag an der Bühne auf dem Luisenplatz. Helga Langer, ganz in bulgarischer Tracht, hält ein rundes Holzobjekt in die Höhe. „Eine Trommel ist es nicht – wer hat eine Idee, was das sein könnte?“, fragt sie in die Menge vor der Bühne. Beim Publikum auf dem Internationalen Bürgerfest herrscht jedoch eher Ratlosigkeit, nur ein Besucher versucht sein Glück. Mit seiner Vermutung, dass es ein Butterfass sei, liegt er jedoch falsch. „Ein Saatgutkübel“, löst Langer schließlich auf. Mit ihren Mitstreitern vom Verein Minderele zeigt Langer dann noch einen Kopanica, einen traditionellen Tanz aus Ostbulgarien, bei dem der Kübel auch als Podest zweckentfremdet wird.

Die Trachten und Tänze der Folkloregruppen gehören zu den Publikumsmagneten beim Fest, ebenso wie das abwechslungsreiche kulinarische Angebot. „Die Vielfalt erschlägt einen förmlich“, sagt eine Besucherin, „ich weiß gar nicht, was ich zuerst probieren soll.“ Wie ihr ergeht es vielen: Herzhaft oder süß gefüllte Teigtaschen, Fladenbrot mit Soßen, Bratwürste, Reisgerichte, Kuchen – an fast jedem der 40 Stände gibt es etwas zu entdecken. Wobei so manches traditionelle Gericht der türkischen, koreanischen, russischen oder serbischen längst auch im Rhein-Main-Gebiet heimisch geworden ist.

„Über das Essen kommen die Leute schnell ins Gespräch miteinander“, sagt Patricia Latorre, Leiterin des Amtes für Interkulturelles und Internationales. Delegationen aus zehn der 16 Partnerstädte sind zu Gast, zugleich sind drei Stadträte zu Besuch im texanischen San Antonio und dem türkischen Bursa. Erst kürzlich hatte der Bürgermeister Bursas einen Brief an OB Jochen Partsch (Grüne) geschrieben und so die Partnerschaft wieder in Gang gebracht.

„Dass es nach 14 Monaten des Stillstands wieder zu einer Annäherung kommt, ist eine große Erleichterung“, sagt Latorre. Auf zivilgesellschaftlicher Ebene liefen die Beziehungen zu den Partnerstädten ohnehin weite. „Oft bekommt es die Öffentlichkeit nicht mit, etwa wenn die Schulen untereinander Kontakt haben“, sagt sie. Das Fest biete aber die Möglichkeit, so manche Aktivität zwischen den Partnerstädten wieder in das Gedächtnis zu rufen. „Oder die Arbeit des Ausländerbeirats vorzustellen“, sagt Nuriye Dogan vom Beirat. Denn nicht alle Kulturvereine und Migrantenorganisationen wüssten von dessen Arbeit und Aufgaben. „Beim Fest können wir sie aber ansprechen und Kontakte knüpfen“, sagt sie.

Auch Initiativen wie „Pulse of Europe“ sind vertreten. „Ab 27. Mai gibt es wieder die Demonstrationen auf dem Karolinenplatz“, sagt Dieter Schröder, dann soll aktiv für ein gemeinsames Europas geworben werden. „Meckern kann jeder, wir tun aber was“, sagt er. Internationalität hat sich auch die Esperantogruppe auf die Fahnen geschrieben. „Inzwischen wird Esperanto eher über das Internet erlernt“, sagt Susanne Warmuth, Sprachlernkurse gebe es eher selten. „Aber die verbindende Sprache Esperanto ist heute immer noch aktuell“, sagt Maria Merla und verteilt Flyer auf dem Fest.

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