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Förderung für Sozialarbeit

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Von: Gregor Haschnik

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Das Jugendzentrum besteht seit 35 Jahren. Sozialarbeiter Guenther Kugler betrachtet das Finanzloch in der Decke.
Das Jugendzentrum besteht seit 35 Jahren. In der Decke gibt es ein Finanzloch. © Renate Hoyer

Es gibt neue Stellen für die Bewältigung des rassistischen Anschlags vom 19. Februar 2020. Einige Sorgen bleiben aber.

Am Abend des 19. Februar 2021, ein Jahr nach dem rassistischen Anschlag, zeigte ein Projektor im Jugendzentrum k.twon Bilder von einigen der Opfer, von früheren Ausflügen und Treffen. Für das Gedenken verteilten die Mitarbeiter:innen und Jugendlichen unter anderem Hunderte von Kerzen und schrieben bewegende Reden. Das Juz in Kesselstadt, nur wenige Meter vom zweiten Tatort am Kurt-Schumacher-Platz entfernt, ist besonders vom Anschlag betroffen, auch weil ein Teil der Opfer hier einst ein und aus ging.

Jetzt wird die Arbeit im k.town und in der sozialen Anlaufstelle Weststadtbüro, die ebenfalls hilft, die Folgen der Attentate zu bewältigen, vom Land Hessen gefördert. Sozialminister Kai Klose (Grüne) übergab Bürgermeister Axel Weiss-Thiel (SPD) einen Bescheid in Höhe von insgesamt 420 000 Euro für drei Jahre. Damit wird in den Einrichtungen je eine zusätzliche Stelle in der Sozialarbeit finanziert. Das Geld soll für mehr Streetwork, Jugendberufshilfe, Beratung, Gewaltprävention und traumasensible Arbeit verwendet werden. Die Beschäftigten in den Häusern „haben schon bisher viel getan, um junge Menschen in diesen besonders betroffenen Stadtteilen bei der Bewältigung der Anschlagsfolgen zu unterstützen“, so Klose. Marcus Bocklet, sozialpolitischer Sprecher der Grünen im Landtag, spricht von einem „wichtigen Beitrag für die Stärkung der sozialen Infrastruktur“.

Diese ist dringend notwendig. Der Bedarf in dem Viertel mit vielen sozialen Herausforderungen ist groß, die Budgets klein. Im Weststadtbüro, das etwa Hausaufgabenhilfe und Gruppenarbeit bietet, zahlen Stadt und Land jetzt je eine feste Stelle, hinzu kommt eine ganze oder eine Dreiviertel-Stelle im Zuge des Landesprogramms Gemeinwesenarbeit.

Im Juz musste das mehrfach ausgezeichnete Boxprojekt oft ums Überleben kämpfen, weil es auf Spenden angewiesen ist. Hier bessert sich die Lage etwas, weil der neue Sozialarbeiter zur Hälfte für das Projekt und zur Hälfte für das Juz vorgesehen sein soll. Allerdings studiert er parallel, und das Geld für den zweiten Trainer muss weiter gesammelt werden.

Die Arbeit des Juz und die drei weiteren Stellen finanziert zu 80 Prozent die Stadt, zu 20 Prozent die evangelische Kirche. Letztere hat ihren Anteil – vorher ein Drittel – angesichts sinkender Steuereinnahmen reduziert.

Offen ist die Zukunft des Gebäudekomplexes der Kirche, in dem das Juz untergebracht ist. Der Sanierungsstau ist enorm, früher oder später wird wohl abgerissen. Die Jugendlichen wollen den Standort – auch wegen seiner Geschichte – auf keinen Fall verlassen, sie fordern Sicherheit. Doch ob Kirche und Stadt dies ermöglichen, ist fraglich. Es handele sich um einen „offenen Prozess“, diverse Standorte würden geprüft, sagt Weiss-Thiel.

Zusagen könne er, dass die Arbeit der Einrichtung gesichert werde. Er verstehe die Forderung, könne sie aber so nicht erfüllen, weil die Entscheidung von Dritten abhänge. Welche Neubauten auf dem Gelände stehen könnten und ob dort noch genug Platz für Juz und Boxprojekt ist, ist unklar.

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