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Flugzeuge als Klimakiller

  • Stephan Börnecke
    VonStephan Börnecke
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Umweltschützer wollen Luftverkehr auf den Boden holen

FRANKFURT A. M. Der Luftverkehr, sagt der Naturschutzreferent des Bundes für Umwelt und Naturschutz (BUND), Thomas Norgall, "entwickelt sich zum Klimakiller Nummer eins". Schon 1990, das zeigen Daten der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung OECD, war der Einfluss der Flieger auf das Klima weltweit so groß wie der aller Lastwagen. Um das Jahr 2005 könnte der Beitrag des Luftverkehrs zum Treibhauseffekt den der etwa 600 Millionen Personenwagen übertreffen. In diese Studie, wie sie der BUND wiedergibt, sind die Billigflieger noch nicht mit eingerechnet.

Low-cost-carrier aber heizen das Wachstum des Flugverkehrs weiter an, kritisiert der BUND. Die Branche selbst kalkuliert, dass zwei Drittel des Passagieraufkommens Neukunden beisteuern. Werbebotschaften wie die von German Wings verniedlichen die Folgen für Mensch und Natur: "Verreisen", heißt es da, "ist keine Frage des Flugpreises mehr." Denn mit dem Start von Deutschlands erster "Günstig-Airline" werde "das Fliegen zum Volkssport Nummer eins". Ein immenser Schadstoffausstoß, eine steigende Klimagefährdung, ein enormer Fluglärm und nicht bezahlte externe Umweltkosten sind der Preis für solcherart "Volkssport".

Alle Prognosen gehen trotz des 11. September davon aus, dass sich der Flugverkehr alle 15 bis 20 Jahre verdoppelt. Auch der Verkehrsbericht der Bundesregierung von 2000 kalkuliert, dass 2015 doppelt so viele Passagiere in die Luft gehen. Das hat Folgen auch für die deutschen Klimaziele: Nach den Prognosen, auf die sich der BUND bezieht, würden die aus dem Luftverkehr entstehenden CO2-Emissionen bis 2015 um 106 Prozent steigen, bezieht man alle nationalen und alle anderen Deutschland berührenden Flüge ein. Solche Steigerungsraten schlagen auf die Gesamtbilanz des Treibhausgases durch: Trotz Technik-Fortschritts bei Autos und großzügig kalkulierter Verdoppelung der Verlagerung von Güterverkehr auf die Schiene müssten die CO2-Emissionen um acht bis zehn Prozent steigen. Der Klimaeffekt, so die Umweltschützer, verstärke sich noch durch Stickoxid-Emissionen sowie die von den Jets verursachte Wolkenbildung.

Gesundheitsbranche für mehr CO2-Emissionen verantwortlich als Flugverkehr

Wie stark Zug, Auto und Flugzeug in ihrem Ressourcenverbrauch voneinander abweichen, kann jeder Bahnfahrer auf der DB-Homepage abrufen: Die Bahn bietet dort ein kostenloses Programm an, mit dem der Kunde seine Umweltfreundlichkeit testen kann. Den direkten Vergleich mit dem Auto kann er sofort ablesen, wenn er bei der Fahrplanauskunft den "Umweltmobilcheck" anklickt. So erfährt der Reisende, dass jeder Passagier beim Flug von Frankfurt nach Berlin 31,2 Liter Sprit verbraucht, dazu etwa 4,5 Liter für die Taxifahrt zum Flughafen. Hätte er die ganze Strecke (allein) mit dem Auto zurückgelegt, wäre er zwei Stunden später angekommen und hätte obendrein um die 45 Liter Benzin benötigt. Die Reise mit dem ICE allerdings, rechnet das Unternehmen anhand der durchschnittlichen Auslastung der gewählten Zuggattung vor, hätte umgerechnet nur 5,2 Liter gekostet - plus etwa 1,5 Liter fürs Taxi.

Kein Wunder, wenn Umweltschützer verlangen, Luftverkehr auf den Boden zu holen. Allein in Frankfurt, so Fraport über den Rhein-Main-Flughafen 1997, landeten 40 Prozent der Flieger schon nach 600 Kilometern, 23 Prozent steuerten gar nur ein bis 400 Kilometer entferntes Ziel an. Immerhin, die Landesregierung erwartet, dass bis 2015 fünf Prozent der potenziellen Flugpassagiere auf Züge umsteigen. Bei dann prognostizierten 660 000 Flugbewegungen im Jahr kämen die Reisenden von 33 000 Fliegern per Bahn zum Ziel.

Dass Fliegen teurer ist, als dem Fluggast in Rechnung gestellt wird, hat auch das Umweltbundesamt in einer Studie offen gelegt. Es verlangt, Abgaben auf emittierte Schadstoffe zu erheben und die Steuerprivilegien im Luftverkehr abzuschaffen. Allein die Mineralölsteuerbefreiung für Kerosin und die Umsatzsteuerbefreiung für internationale Flüge kosteten den Steuerzahler jährlich sieben Milliarden Euro. Denn die externen, aber nicht berechneten Kosten (Schadstoffausstoß, Lärm, Beitrag zum Treibhauseffekt) eines Flugs von Berlin nach München beziffert das Amt auf zehn Euro je Passagier, nach Chicago wären es sogar 43 Euro.

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