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Fluglärm in Frankfurt: Flugrouten sind keinen Meter höher

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Von: Detlef Sundermann

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Flugzeug beim Start in Frankfurt. Foto: Michael Schick
Flugzeug beim Start in Frankfurt. © Michael Schick

Vor zehn Jahren wurde die Anflughöhe auf Frankfurts Flughafen gesenkt. Bisher gab es kein Verfahren zur Lärmminderung.

Frankfurt - Wenn die Fraport AG optimistisch von einer Verdoppelung der Fluggastzahlen nach dem corona-bedingten Tief spricht, ist dies für viele Bewohner:innen im Kinzigtal eher eine weniger gute Nachricht. Schon jetzt ergeben sich bei Westwetterlage bereits vor 5 Uhr Überflüge von Gelnhausen bis Hanau im Takt von oft weniger als 30 Sekunden. Der Lärm besteht aus einem Dröhnen und schrillen Jaulen oder einem Mix aus beidem, der so stark ist, dass bei leicht geöffnetem Fenster eine normale Unterhaltung nicht möglich ist.

Zehn Jahre ist es her, dass die Deutsche Flugsicherung (DFS) mit der Eröffnung der Nordwest-Landebahn die Untergrenze für die Überflüge von 1700 auf 1100 Meter (über Normalnull) absenkte. Die vom Main-Kinzig-Kreis und den Kommunen aufgestellten Forderungen blieben unerfüllt, auch das Minimalziel, eine Höhenanhebung um 300 Meter. Diese Forderung bekräftigten die Kreis-CDU und die SPD im jüngst beschlossenen Koalitionsvertrag.

Fluglärm in Frankfurt: Ein langer Prozess im Gange

Der Kreis spricht von einem langen Prozess. „Nur weil etwas auch nach Jahren noch nicht umgesetzt ist, greift der Schluss, dass es dann falsch sein muss, ins Leere“, notiert Kreisumweltdezernentin Susanne Simmler (SPD) auf Anfrage der FR zur Arbeit in der Fluglärmkommission (FLK). Es könne mitunter dauern, bis Forderungen umgesetzt werden, sagt sie. „Ich erinnere an das geänderte Anflugverfahren, das wir im Main-Kinzig-Kreis schon seit Jahren fordern. Es ist, siehe da, in den vergangenen Monaten in die Erprobungsphase gegangen – auch da sind wir seit Jahren dran gewesen“, so Simmler. Es handelt sich dabei um das EFP-Verfahren zur Flugwegverkürzung.

Erprobt wird auch das Pilotenassistenzsystem LNAS (Low Noise Augmentionsystem). Das Forschungsprojekt wurde vom Forum Flughafen und Region (FFR) initiiert und vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt sowie der Lufthansa umgesetzt, die 86 Airbus A320 mit der Technik ausgestattet hat. Die Projektleitung hat das Umwelt- und Nachbarschaftshaus (UNH) des FFR.

Frankfurt: Fluglärm wegen Corona nachgelassen

Wegen der Corona-Pandemie und des dadurch eingeschränkten Flugverkehrs ruhe der im Herbst 2019 gestartete Versuch, sagt UNH-Geschäftführerin Anja Wollert. Bislang seien an die 300 Anflüge unter LNAS erfolgt, das vor allem den lärmarmen Einsatz von aerodynamischen Hilfen und Fahrwerk steuert. Für eine Auswertung sei es noch zu früh, ursprünglich sollte die Anfang 2021 vorliegen. Der neue Zeitpunkt ist unbekannt.

Sollte das Projekt positiv verlaufen, heißt es für die vom Lärm Betroffenen weiterhin Geduld üben. Wollert spricht von einer „weit gespannten Zukunft bis zum Regelbetrieb“.

Keine Perspektive gibt es laut UNH und DFS für eine Anhebung der Mindesthöhe über dem Kinzigtal. Eine Änderung würde den unabhängigen Parallelanflug auf eine der beiden Südbahnen und die Nordwestpiste nicht zulassen, heißt es.

Frankfurt Flughafen: „Fluggesellschaften kämpfen ums Überleben“

Die Ausnahme bildeten die vergangenen Pandemiemonate, in denen die Nordwest-Landebahn in Frankfurt bis Juni außer Betrieb war. Über dem Kinzigtal sei in dieser Zeit „vereinzelt etwas höher als noch vor der Pandemie“ angeflogen und zum Teil das EFP-Konzept angewendet worden, so die DFS.

„Eigentlich hat sich seit 2011 nichts zum Besseren hin verändert“, sagt Eric Ludwig, Vorsitzender des Vereins IG Fluglärm Hanau-Kinzigtal. Die Möglichkeiten des Kreises – auch in der Fluglärmkommission – seien eben begrenzt.

Die von der Landesregierung eingeführten Fluglärmpausen seien keine Lösung, denn die verteilten den Lärm nur, so Ludwig. Er hofft nicht auf leisere Triebwerke in einer neuen Flugzeuggeneration – im Gegensatz zu Simmler. „Nach Corona werden Fluggesellschaften noch lange ums wirtschaftliche Überleben kämpfen und nicht den Austausch der Flotte planen.“

Nach den Sommerferien soll es laut Ludwig auf jeden Fall mit den wöchentlichen Montagsdemos gegen Fluglärm weitergehen, virtuell oder wieder mit bis zu 1000 Menschen im Terminal 1 - je nachdem, was dann die Corona-Verordnung zulässt. (Detlef Sundermann)

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