Fluglärm in Frankfurt und der Region hat seit 2002 fast überall zugenommen

Fraport-Magazin listet für 22 von 26 Messstellen Steigerungen auf / Unternehmen sieht Abnahme in Relation zur Zahl der Flüge / Nordwest-Bahn soll Entlastung bringen

Frankfurt · In der Nähe des Oberforsthauses an der Messstelle Frankfurt-Süd lag die Lärmbelastung 2002 noch bei einem Dauerschallpegel von 59 Dezibel. Drei Jahre später beträgt der Wert bereits 61 Dezibel. In Oberrad, wo erst seit 2003 gemessen wird, stieg der Schallpegel auf 53. Im vergangenen Jahr waren es zwei Dezibel weniger.

In Mainz-Bischofsheim, wo die Jets bei Ostwind zur Landung eindrehen, stieg die Belastung innerhalb von drei Jahren um vier auf aktuell 58 Dezibel. In Raunheim, der Kommune mit dem höchsten Fluglärm in Deutschland, werden inzwischen 63 Dezibel Dauerschall erreicht. An 22 der 26 Messstellen rings um den Flughafen sind die Lärmwerte gestiegen. Nur in Okriftel und Groß-Gerau Nord war die Belastung in diesem Jahr im Vergleich zu 2002 unverändert, in Groß-Gerau West (56 Dezibel) und Nauheim (55) ging sie um jeweils ein Dezibel zurück.

Die Werte stammen nicht von Flughafen-Ausbau-Gegnern, sondern aus dem vom Flughafenbetreiber Fraport finanzierten Magazin "Start Frei". In seiner Dezember-Ausgabe hatte das Blatt die Entwicklung der Lärmbelastung zwischen 2002 und 2005 abgedruckt. In die Betrachtung ein gingen die sechs verkehrsreichsten Monate von Mai bis Oktober. Für Volker Hartmann von der Oberräder Initiative "Bürger für Wohnen ohne Fluglärm und Absturzbedrohung" (WOFA) ist die Veröffentlichung der "Beleg für unsere Darstellung, dass es lauter geworden ist". Zugleich werde damit auch die Behauptung Fraports widerlegt, der Fluglärm habe nicht zu- sondern abgenommen.

Werte "sogar noch geschönt"

Nach Auffassung Hartmanns sind die jetzt veröffentlichten Werte "sogar noch geschönt", da sie "gemittelt sind und nur den Dauerschallpegel" abbilden. Viel wichtiger seien die Spitzenwerte: "Die schmeißen uns nachts aus dem Bett". Im Oktober, sagt Hartmann, seien in mehreren Nächten fünf bis sechs startende Großraumflugzeuge mit mehr als 80 Dezibel gemessen worden. Diese Werte stünden im krassen Gegensatz zur Behauptung von Fraport während des Erörterungstermins zum Flughafenausbau, wonach in Oberrad durchschnittlich pro Nacht nur ein Fluglärmereignis von mehr als 75 Dezibel registriert werde.

Als Begründung für die gestiegenen Lärmwerte nannte Flughafensprecher Wolfgang Schwalm die "grundsätzliche Zunahme der Starts und Landungen, die militärischen Flüge von der US-Airbase sowie die Steigerung der Flugbewegungen in den Tagesrandzeiten".

Weil tagsüber die Kapazitäten fehlten, seien immer mehr Fluggesellschaften gezwungen, frühmorgens oder spätabends zu fliegen. Starts und Landungen zwischen 22 und 6 Uhr würden bei der Ermittlung des Dauerschallpegels "fünffach gewichtet", betonte Schwalm. Deshalb werde auch der Bau der geplanten Nordwest-Bahn dank der zusätzlichen Kapazitäten am Tag zu "einer Entlastung führen". Auch mit der Ende des Jahres anstehenden Schließung der US-Airbase werde sich die Lärmsituation weiter verbessern. "In 2005 waren die Militärmaschinen noch voll mit drin", sagte Schwalm.

Der Fraport-Sprecher erklärte weiter, gemessen an der Zahl der Flugbewegungen sei der Fluglärm "relativ gesehen sogar geringer geworden". Während die Zahl der startenden und landenden Maschinen von rund 222 000 im Jahre 1980 über 324 000 in 1990 und 458 000 im Jahre 2000 auf 477 000 im vergangenen Jahr erheblich zugenommen habe, sei der dadurch verursachte Lärm nur leicht gestiegen. Schwalms Resümee: "Der Fluglärm hat sich unterproportional entwickelt". Wolfgang Schubert

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