+
Giftiger Erdaushub in der Nähe der Baustelle für das Terminal 3 am Frankfurter Flughafen. Die Gegner sagen: nein, danke!

Flughafen Frankfurt

Flughafen Frankfurt: Viele Einwände gegen Giftberg

  • schließen

Bürger und Kommunen wehren sich gegen den Antrag von Fraport auf Erdaushublager.

Auf erheblichen Widerstand stoßen die Pläne der Flughafenbetreiberin Fraport für eine temporäre Deponie für mit PFC belastete Erde. 140 Einwendungen gingen beim Regierungspräsidium (RP) im Rahmen des Offenlegungsverfahren ein, das am 6. März endete.

Davon stammten 137 von Privatleuten, überwiegend mit wortgleichem Text, sagt RP-Sprecher Christoph Süß auf Anfrage der Frankfurter Rundschau. Mit dabei auch der Bund Umwelt und Naturschutz (BUND), außerdem der Kreis Groß-Gerau sowie die Städte Neu-Isenburg und Mörfelden-Walldorf, auf deren Gemarkung der Berg mit Erdaushub von der Terminal-3-Baustelle geplant ist. Sie sorgen sich um die Folgen für die Umwelt und um den Trinkwasserschutz.

Fraport hatte vor einem Monat zwar angekündigt, das Material jetzt doch komplett auf Deponien entsorgen zu wollen. Doch den Antrag auf das Lager will das Unternehmen weiter betreiben, um für mögliche „Komplikationen“ gerüstet zu sein. An dem Anfang März mitgeteilten Zeitplan ändert sich laut Konzernsprecher Dieter Hulick nichts.

SCHADSTOFFE

Im Süden  des Frankfurter Flughafens entsteht auf den Flächen der ehemaligen US-Militärbasis das Terminal 3 für bis zu 21 Millionen Reisende pro Jahr.

Der Aushub  ist teilweise mit poly- und perfluorierten Chemikalien (PFC) belastet, die unter anderem durch Enteisungsmittel und Löschschaum der U.S. Air Force ins Erdreich gelangten. Der Gesetzgeber hatte die Grenzwerte Mitte 2018 deutlich erhöht.

Im Boden sind PFC  nicht abbaubar, über das Grundwasser gelangen sie in den Naturkreislauf. Weil sie als gesundheitlich bedenklich eingestuft sind, hat die EU die Verwendung seit 2008 stark eingeschränkt. jur

Demnach sind die rund 400 000 Kubikmeter bis Herbst verschwunden. Entsorgt werden sie auf Deponien in Bayern, Nordrhein-Westfalen und in Ostdeutschland. Unbestätigten Schätzungen zufolge kostet die ordnungsgemäße Entsorgung 50 Millionen Euro.

Doch das Misstrauen der Flughafenausbaugegner ist groß. „Ich traue Fraport nicht bis auf die andere Straßenseite“, sagt Wolfgang Heubner von der Bürgerinitiative Sachsenhausen. Die Flughafenbetreiberin spreche immer nur von PFC-belastetem Aushub, dabei seien an den Messstellen am Flughafen auch andere Schadstoffe wie Anione, aliphatische Kohlenwasserstoffe, BTEX und aromatische Kohlenwasserstoffe nachgewiesen worden. Das hat er detailliert in seiner Einwendung an das RP ausgeführt. Auch bezweifelt Heubner, dass der Berg, der derzeit direkt neben der Terminalbaustelle zu sehen ist, bis zum 25. Juli verschwunden ist. Beim Darmstädter Regierungspräsidium ist nichts über eine solche Frist bekannt.

Gemeint ist das provisorische Zwischenlager, mit dem Fraport Ende 2018 begonnen hat. Im Februar hatte der Kreis Groß-Gerau das Unternehmen deshalb bei der Staatsanwaltschaft Frankfurt angezeigt. Der Vorwurf des Ersten Kreisbeigeordneten Walter Astheimer (Grüne): Der Umgang mit dem durch Schadstoffe hochbelasteten Aushub entspreche nicht den Anforderungen des Grundwasserschutzes und des Abfallrechts.

Noch hält das Regierungspräsidium an dem Erörterungstermin 29. April (sowie Folgetage) fest. Doch angesichts der aktuellen Situation wurde vorsorglich bereits ein Ersatztermin im Juni ins Auge gefasst.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare