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Im Süden des Frankfurter Flughafens entsteht Terminal 3.

Flughafen Frankfurt

Flughafen Frankfurt: Vergiftete Erde von Fraport kommt auf die Deponie

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Der Flughafenbetreiber Fraport entsorgt nun doch den kontaminierten Aushub von der Terminal-3-Baustelle. Den Antrag auf ein eigenes Lager zieht er aber nicht zurück.

Der Konflikt um die Entsorgung des PFC-belasteten Erdaushubs am Flughafen könnte ein Ende haben: Wie Fraport am Mittwoch mitteilte, sollen die rund 400 000 Kubikmeter bis Herbst verschwunden sein. Das Vergabeverfahren sei abgeschlossen, alle Vertragspartner beauftragt. Auftragnehmer seien Deponien in Bayern, Nordrhein-Westfalen und in Ostdeutschland. Den Antrag auf ein Lager für den verseuchten Boden nimmt die Flughafenbetreiberin allerdings nicht zurück.

„Mit der erfolgreichen Durchführung des aktuellen Vergabeverfahrens setzen wir nun das mit dem Regierungspräsidium Darmstadt abgestimmte Entsorgungskonzept um“, sagte Fraport-Vorstandschef Stefan Schulte. „Trotzdem halten wir an dem Antrag fest, um Handlungsspielräume im Falle von Komplikationen zu haben.“

Im Herbst war bekanntgeworden, dass auf der Baustelle für Terminal 3 Erdaushub angefallen ist, der mit PFC (per- und polyfluorierten Chemikalien) verunreinigt ist, die als krebserregend gelten. Es handelt sich vermutlich um Rückstände von Feuerlöschschaum von Übungen der US Air Force. Die hatte das Gelände genutzt, bevor Fraport es 2006 übernahm.

Die Flughafenbetreiberin wusste um die Kontaminierung, hatte aber nach eigenen Angaben nicht damit gerechnet, dass Mitte 2018 die Grenzwerte für PFC deutlich verschärft wurden. Dadurch sei viel mehr Erdaushub verunreinigt als bisher angenommen, teilte das Unternehmen im Herbst mit.

Aktuell gebe es dafür nicht genug Deponiekapazitäten. Deshalb wolle es für maximal fünf Jahre innerhalb des Flughafenzauns ein Lager für Erdaushub von bis zu 24 Metern Höhe errichten. Das ausgeguckte Areal gehört zu Mörfelden-Walldorf im Kreis Groß-Gerau. Seit Ende 2018 lädt Fraport bereits kontaminierten Terminal-3-Aushub provisorisch nahe der Baustelle ab. Der Landkreis hält diese Praxis für illegal und hat Mitte Februar bei der Staatsanwaltschaft Frankfurt Anzeige gestellt.

Nun gibt es plötzlich doch Deponiekapazitäten, was daran liege, dass Fraport auch in anderen Bundesländern recherchiert habe, sagt Unternehmenssprecher Christian Engel. „Vorher haben wir nur in Hessen geschaut.“ Über die Kosten der Deponierung gibt er keine Auskunft.

Billig wird die Entsorgung nicht. Und sie ist aufwendig. Die Wege seien noch nicht geklärt, man werde auch versuchen, den Gleisanschluss von Fraport zu nutzen, sagt Engel. Doch es ist so gut wie sicher, dass in der Region mit mehr Straßenverkehr zu rechnen ist. Knapp 93 000 zusätzliche Lastwagen-Bewegungen seien nötig, um die Erdhügel nahe der Baugrube abzufahren, hieß es dieser Tage bei einer Informationsveranstaltung in Neu-Isenburg. Die Ladeflächen der Lastwagen würden mit Planen abgedichtet, damit kein belasteter Staub entweiche.

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