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Flughafen Frankfurt: Tiere und Pflanzen als Schmuggelware

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Von: Oliver Teutsch

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Auch ausgestopfte Eidechsen werden geschmuggelt.
Auch ausgestopfte Eidechsen werden geschmuggelt. © Peter Jülich

Zum Internationalen Tag der biologischen Vielfalt am 22. Mai zieht der Zoll am Flughafen Bilanz. Geschmuggelt wird aus Geldgier, Prahlerei oder wissenschaftlichem Interesse.

Es wird jedes Jahr tausendfach aufs Neue versucht. Trotz strenger Vorschriften zum Artenschutz versuchen Menschen - von Familienvätern bis zu Geschäftsleuten -, bedrohte Tiere und Pflanzen aus deren natürlichem Habitus zu entfernen. Entweder als Statussymbol oder um damit Geld zu machen, teilweise viel Geld, wie Christine Straß vom Hauptzollamt Frankfurt weiß: „Da sind Gewinnspannen wie beim Drogenschmuggel möglich.“

Die Arbeit des Zolls trägt zum Erhalt der vom Aussterben bedrohten Arten bei. Zum Schutz der Tiere und Pflanzen überwacht der Zoll die Einhaltung der gesetzlichen Ein- und Ausfuhrregelungen im internationalen Warenverkehr. Rund 5600 Tierarten und 30 000 Pflanzenarten unterliegen diesem besonderen Schutz. Der Zoll beschlagnahmt geschützte Tiere und Pflanzen sowie daraus hergestellte Waren, die verbotswidrig ein- oder ausgeführt werden. Dabei ist es unerheblich, ob die Waren privat oder gewerblich im Reiseverkehr, im Postverkehr oder auf anderen Wegen transportiert werden. Der Zoll unterscheidet drei Arten von Schmuggel: unbedarfte Familien, die ein besonderes Souvenir mitbringen wollen, wissenschaftliches Interesse und Geldgier.

Im vergangenen Jahr wurde der Zoll bundesweit über 1100 Mal fündig und beschlagnahmte dabei über 88 000 Tiere und Pflanzen oder daraus hergestellte Objekte. Der Frankfurter Flughafen ist auch in Bezug auf den illegalen Handel mit geschützten Arten ein internationaler Hotspot, mehr als die Hälfte der bundesweiten Beschlagnahmen erfolgte dort.

Im vergangenen Jahr kam es beim Hauptzollamt Frankfurt zu 655 Sicherstellungen mit 50 179 unter Artenschutz stehenden Exemplaren. Darunter waren laut Zoll 2677 lebende Tiere, zum Beispiel eine Bengalkatze, ein Graupapagei, 300 Leguane sowie zahlreiche lebende Steinkorallen.

Darüber hinaus wurden 482 lebende Pflanzen sichergestellt. Diese kamen in 35 Sendungen häufig als Post- oder Kuriersendung, laut Inhaltserklärung meist als „Home-Dekor“ angemeldet. Es handelte sich hier oft um Kakteen oder Orchideen aus Thailand oder Taiwan, vereinzelt aus den USA oder Großbritannien. Es wurden auch zwei lebende Kannenpflanzen aus Japan und diverse Tattoocremes beschlagnahmt, die Bestandteile von Krokodilen enthalten. „Wir empfehlen allen Urlaubern und Internetbestellern, unbedingt auf Souvenirs aus geschützten Tieren und Pflanzen zu verzichten“, so Straß. Reisende erklärten den Kauf eines illegalen Souvenirs häufig damit, das Urlaubsland mit dem Kauf unterstützen zu wollen.

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