Freut sich nach drei Monaten auf seine Heimat: Sergio Neves aus Portugal.
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Freut sich nach drei Monaten auf seine Heimat: Sergio Neves aus Portugal.

Ist-Situation

Flughafen Frankfurt: Die Rückkehr der Warteschlangen

  • vonClara Gehrunger
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Der Flughafen in Frankfurt öffnet sich wieder für Reisende. Vom Normalbetrieb ist er noch weit entfernt.

Am Terminal 1 wuselt es wieder. Vor offenen Schaltern der Airlines an Flugsteig B und C haben sich lange Schlangen an Reisenden mit vollgepackten Taschen gebildet. Ein Großteil der Menschen hält sich an die Maskenpflicht, aber ein Durchkommen unter Einhaltung der Mindestabstände ist hier nicht leicht. Gänzlich anders ist das jenseits des Terminals in den Gängen vor den Sicherheitskontrollen. Dort sind kaum Menschen unterwegs, die meisten Geschäfte und auch der Zugang zu Terminal 2 sind wegen Corona noch geschlossen.

In einer Sitzecke neben einem geschlossenen Restaurant sitzt Sergio Neves mit seinem Gepäck, seinem Laptop und einer Küchenrolle. „Als die Grenzen geschlossen wurden, war ich geschäftlich in Krakau“, erzählt der Portugiese, der als Übersetzer arbeitet. Aus Angst, sich beim Reisen anzustecken, sei er kurzerhand in Polen geblieben. Ganze drei Monate habe er daraufhin dort festgesessen. Dann habe er bei einem Telefonat mit der portugiesischen Botschaft erfahren, er könne von Frankfurt aus fliegen. „Heute Morgen um 8 Uhr bin ich mit dem Bus hier angekommen“, berichtet er. Um 14 Uhr gehe es weiter nach Porto. „Ich bin so glücklich, nach Hause zu kommen!“ Und die Küchenrolle? Die sei zum Desinfizieren, sagt Neves und hält eine Flasche mit Desinfektionsmittel hoch.

Laura Ferenczy und ihre Mutter Nassip Rzekenova haben die letzten Plätze im Flugzeug nach Kasachstan ergattert.

Bis zu seinem Abflug ist am Flughafen wenig zu tun. Die wenigen wieder geöffneten Geschäfte haben verkürzte Öffnungszeiten und verzeichnen nach Angaben einiger Angestellter deutlich weniger Umsatz als vor Corona. Apotheker Panagiotis Fragkoulis schätzt, dass nach der Schließung der Außengrenzen nur noch etwa 30 statt über 300 Kunden pro Tag die Apotheke betreten haben. Die Apotheke sei trotz der Pandemie durchgängig geöffnet gewesen. „Seit Eröffnung der Außengrenzen ist wieder mehr Publikumsverkehr am Flughafen“, sagt Fragkoulis. Von Normalität sei aber noch keine Rede.

Bereits im Februar habe es in der Apotheke erste Anzeichen der Pandemie gegeben: Vermehrt hätten asiatische Kunden Masken gekauft, etwas später sei auch die Nachfrage unter Deutschen gestiegen. Nach einer Empfehlung der Gesundheitsämter zu Desinfektion habe sich auch eine Nachfrage nach entsprechenden Mitteln abgezeichnet, die das Angebot zwischenzeitlich übertroffen habe. „Erst nach einer Weile durften wir selbst im Labor Mittel herstellen“, so Fragkoulis.

Noch Souvenirs kaufen

In Terminal 1 sind einzelne Sitzplätze in den Wartebereichen durch Bänder gesperrt, um den Mindestabstand zwischen Reisenden sicherzustellen. Auf einer solchen Bank sitzen drei ältere Frauen getrennt voneinander, lehnen sich aber über die Absperrung, um sich miteinander zu unterhalten. Sie scheint die Vorsichtsmaßnahme wenig zu interessieren.

Auch die Maskenpflicht würde nicht jeder Besucher des Flughafens allzu genau nehmen, erzählt Karl-Heinz Brenner, der knapp oberhalb des Terminals ein Reisebüro betreibt. Trotzdem freut er sich über die Wiederkehr der Touristen: „Das ist ein Durchatmen, wenn man unten Menschen sieht, die bald losfliegen.“

Zu denen gehören auch Laura Ferenczy aus den USA und ihre Mutter, die im Terminal einen Ort gefunden haben, an dem etwas weniger los ist. Es ist das Ende ihres ersten Aufenthalts in Deutschland. „Anfang Juni habe ich meine Mutter zu einem Krebsbehandlungszentrum in München begleitet“, erzählt Ferenczy. Dafür musste sie von Atlanta aus nach Deutschland einreisen, was wegen der deutschen Corona-Regelungen kompliziert gewesen sei. Im Vorfeld habe sie eine schriftliche Bestätigung darüber besorgt, dass ihre Einreise dringend notwendig sei. Ihren Mann und ihr Kind durfte sie nicht mitnehmen. Jetzt, so berichtet sie weiter, bringe sie ihre Mutter zurück nach Oral in Kasachstan. Später fliege sie dann zu ihrer Familie in den USA. Trotz der widrigen Umstände ihrer Einreise zeigt sich Ferenczy guter Dinge. „Meine Mutter ist noch müde von der Operation und der Flug ist erst in einigen Stunden“, sagt sie. „Aber ich muss sowieso noch Souvenirs kaufen.“ Es kann dauern: Erst müssen die beiden sich am Schalter anstellen.

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