Werte wie am Flughafen

Pilotstudie untersucht Fluglärm-Belästigung im Taunus

HOCHTAUNUSKREIS. "Über 1,2 Millionen Fluglärmbeschwerden in 2002 stehen für die Belastung der Region durch den Flughafen Frankfurt", erklärt die Interessengemeinschaft gegen Fluglärm Taunus. Ein "substantieller Anteil" stamme aus dem Taunus, weil die Bewohner seit der Änderung der Flugrouten im April 2001 "neu verlärmt" wurden. Nach Ergebnissen der Studie müsse der Taunus vom Lärmmanagement wie flughafennahe Bereiche behandelt werden. Die Fluglärmgegner fordern die Deutsche Flugsicherung, das Luftfahrtbundesamt und die Fluglärmkommission daher auf, "unverzüglich Maßnahmen zu einer sofortigen, wirksamen und nachhaltigen Entlastung des Hoch- und Vordertaunus von Fluglärm einzuleiten."

Für die Fluglärmgegner widerlegt die Studie auch das Argument, nur einige wenige "Dauerbeschwerer" bauschten die Lärm-Problematik auf. Sie zeige im Gegenteil, dass sich nur ein kleiner Teil der Betroffenen bei der Flughafenbetreiberin Fraport beschwert.

In einem ersten Schritt will die Studie die Lärmbetroffenheit der Bevölkerung in den Wohnlagen des Hoch- und Vordertaunus entlang der Flugroute "Tabum" ermitteln. "Wir legen der Befragung eine in der Lärmwirkungsforschung international anerkannte Methodik zugrunde", sagen Claudia Weiand und Berthold Fuld, die beim Deutschen Fluglärmdienst (DFLD) für die Studie verantwortlich sind: Sie nennen die Ergebnisse "so eindeutig, dass diese bereits bei dem jetzigen Stichprobenumfang abgesichert" seien.

"Die als repräsentativ einzustufenden ersten Ergebnisse der Fluglärmbetroffenheit sind erschreckend", urteilt W.U.T.-Pressesprecher Günther Born. In Königstein, Glashütten, Schmitten, Weilrod, Kelkheim und Eppstein, würden hohe bis sehr hohe Belästigungswerte erreicht. Sie erreichten oder überträfen die Werte, die die Universität Düsseldorf bei der Mediation zum Flughafenausbau für flughafennahe Gemeinden wie Kelsterbach, Mörfelden oder Flörsheim-Weilbach ermittelte. Die im Mediationsgutachten definierte Zumutbarkeitsgrenze, bei der sich 50 Prozent der Befragten stark belästigt fühlten und ab der ungestörtes Wohnen unmöglich sei, werde entlang der Tabum-Route überschritten. Fuld schließt daraus, dass eine erhebliche Belästigung durch Fluglärm bereits bei weitaus niedrigeren Lärmpegeln auftritt als bisher angenommen.

Fast 90 Prozent der Betroffenen empfinden laut Studie die Belastung durch Fluglärm als "unvereinbar" mit ihrer Wohnlage. Für mehr als drei Viertel der Einwohner war Ruhe einst ausschlaggebend für die Wohnortwahl im Taunus. Heute würde die überwältigende Mehrheit dagegen nicht wieder hierher ziehen. Dieses Ergebnis nennt W.U.T. "besonders brisant" für die Taunusgemeinden, deren finanzielle Basis überwiegend auf den Einkommensteuerumlagen ihrer Einwohner beruhe.

"Die Ergebnisse sind eine schallende Ohrfeige für alle, die Fluglärmbetroffenheit im Taunus als lächerlich abtun wollen", sagt Wolfgang Berger, Sprecher der IG gegen Fluglärm Taunus. Die Studie stelle dem Lärmmanagement des Flughafens Frankfurt ein katastrophales Zeugnis aus. Die von Luftfahrtgesellschaften geforderte Luftraumkapazität habe im Taunus zu einer unnötigen Neuverlärmung breiter Landstriche mit gut 150 000 Menschen geführt. Zudem nehme die Routenführung keine Rücksicht auf die Lärmarenen, die durch Hanglagen entstehen, und ignoriere die Funktion des Taunus als Naherholungsgebiet mit Kureinrichtungen. ute

Deutscher Fluglärmdienst: www.dfld.de, IG gegen Fluglärm Taunus: www.fluglaerm-taunus.de; W.U.T.: www.w-u-t.com

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