Streitpunkt Lärmverteilung

Rhein-Main-Dialog in Offenbach zum Flughafenausbau

Von FRANK W. METHLOW

Offenbach · 19. November · "In Demut der Fraport vertrauen" ist für den Offenbacher Oberbürgermeister Gerhard Grandke (SPD) im Streit um den Ausbau des Frankfurter Flughafens keine Alternative: "Denen muss alles abgerungen werden", beschreibt er sein Verhältnis zur Betreiberin des Frankfurter Flughafens. Grandkes provokativer Spruch von der notwendigen "Demokratisierung des Fluglärms" lieferte das Thema für den Rhein-Main-Dialog der FR am Dienstag in Offenbach.

In der teilweise scharf geführten Diskussion zeichnete sich schnell als kleinster gemeinsamer Nenner ab, dass weder die versammelten Bürgermeister noch Hartmut Wagner von der Bürgerinitiative Luftverkehr Offenbach (BIL) "den Flughafen zuschließen wollen". Allerdings, so Wagner, müsse dem Fraport-Management klar gemacht werden, dass "die Grenzen des Wachstums für den Flughafen erreicht sind".

Horst Amann als Vertreter der Fraport hatte keinen leichten Stand. Weder das Gros der rund 60 mithörenden und mitdiskutierenden Bürger noch Grandke, Jühe und Neu-Isenburgs Bürgermeister Oliver Quilling (CDU) wollten ihm seine Prognosen der künftigen Belastungen oder des wirtschaftlichen Zugewinns abnehmen. Auch seine Feststellung, dass es ein Nachtflugverbot nur zusammen mit dem Ausbau geben werde, löste beim Publikum deutliche Missfallenskundgebungen aus. Selbstverständlich könne die Fraport ohne neue Genehmigung über die jetzt in der Planfeststellung angegebene Zahl von 660 000 jährlichen Flugbewegungen bis an die technisch bedingte Grenze von 800 000 herangehen, konterte Wagner Amanns Behauptungen. Und statt der von Amann prognostizierten 100 000 neuen Arbeitsplätze sei im Mediationsverfahren zum Flughafen nur von etwas mehr als 40 000 die Rede, konterte Quilling.

Gestützt von einem Parlamentsbeschluss, gehört Quilling mit Neu-Isenburg auch zu den Klägern gegen den Ausbau. Grandke und Jühe votieren für eine "intelligente Verteilung des Fluglärms" oder, wie Grandke plakativ meint, für dessen Demokratisierung. Dabei ist für beide Städte auf Grund ihrer Lage zum Flughafen die Ausgangslage unterschiedlich. Wie Axel Raab, Sprecher der Deutschen Flugsicherung, darstellte, werde die Nutzung einer vorhandenen Parallelbahn und der 18-West für Starts automatisch dazu führen, dass die neue Nord-West- und die zweite Parallelbahn verstärkt für Landungen genutzt würden. Bei Landungen sei es zwingend, dass die Maschinen schon früh auf einem geraden Pfad in Richtung Landebahn fliegen. Eine "Verteilung" im Sinne Grandkes sei daher nur bei Starts, nicht bei Landungen möglich - für Offenbach eine deutlich höhere Belastung.

Die Stadt Raunheim, so Jühe, habe ein intelligentes Verteilungskonzept vorgelegt, über das jetzt diskutiert werde müsse. Jühe: "Das ist ein Lärmminderungsplan, bei dem es nicht um den Gegensatz von Bündelung oder Streuung der Flugbewegungen geht, und es geht nicht mit dem St.-Florians-Prinzip." Es müsse eine Lärmschnittmenge gefunden werden, bei der jeder Region nur so viel Lärm aufgebürdet werde, "dass dort die Leute nicht weglaufen". Als Vorsitzender der Fluglärmkommission kündigte Jühe gleichzeitig an, dass das Gremium seine Öffentlichkeitsarbeit verstärken und seine Arbeit transparent machen werde. Die intelligente Umverteilung des Lärms sei grundsätzlich notwendig - "mit oder ohne Ausbau".

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