"Ich bin hier hängen geblieben, weil ich die Diskussion interessant finde"

Sie haben zugehört und mitdiskutiert: Stimmen zur Podiumsdiskussion der Frankfurter Rundschau zum geplanten Ausbau des Frankfurter Flughafens

Offenbach · 19. November · alö · Peter Martzloff, ehemaliger Rechtsamtleiter der Stadt Offenbach, kam aus privatem Interesse zur Podiumsdiskussion. "Ich finde es gut, dass die Frankfurter Rundschau das Thema Flughafenausbau auf diesem Weg in die Öffentlichkeit bringt", sagt er. "Mir gefällt die Zusammensetzung des Podiums, auch wenn die Ausbaubefürworter nummerisch unterlegen sind. Die notwendigen Themenbereiche werden hier gut abgedeckt." Dennoch würde Martzloff der Diskussion gerne einen weiteren Schwerpunkt hinzufügen.

"Ich finde, dass die Menschen darüber informiert werden sollten, was Dauerschallpegel und Einzelschallereignisse sind", sagt er. "Denn wir werden alle von Einzelschallereignissen nachts aus dem Schlaf gerissen, rechtlich fällt das aber alles kaum ins Gewicht, weil das Einzelschallereignis den Durchschnitt des nächtlichen Dauerschallpegels kaum anhebt." Er glaube, dass die Beurteilung der tatsächlichen Lärmbelastung durch diesen juristischen Trick der Lärmbewertung enorm verwässert und verharmlost werde. "Das ist so, als wenn uns ein Pistolenschuss weckt, der laute Knall im Dauerschallpegel aber am Ende nur noch ein leises Pfeifen ist."

Sovan Gestrel kommt auch aus Offenbach. "Ich finde gut, was die Rundschau da veranstaltet", sagt sie. "Ich bin gegen den Ausbau, weil ich stark vom Fluglärm betroffen bin. Jeden Morgen stehe ich um sechs Uhr mit den Flugzeugen auf, denn dann kann ich nicht mehr schlafen. Und jeden Abend gehe ich schon um zehn Uhr ins Bett, damit ich in den Nachtstunden mit weniger Fluglärm noch genug Schlaf bekomme." Schon seit Jahren werde davon gesprochen, dass der Lärm über den Köpfen der Offenbacher weniger werden solle. "Aber stattdessen diskutieren alle nur darüber, dass es jetzt noch mehr Krach geben soll."

Auch Ingrid Wagner stört sich am Lärm der Flugzeuge. So sehr, dass sie ihren Mann Hartmut bei seiner Arbeit in der Bürgerinitiative Luftverkehr Offenbach (BIL) tatkräftig unterstützt. Unabhängig von ihrer Meinung findet sie die Bemühungen der Frankfurter Rundschau sehr lobenswert , mehr Öffentlichkeit zum Flughafenausbau zu schaffen. "Der Ausbau soll ja direkt vor der Haustür der Offenbacher passieren. Deshalb denke ich, dass so viele Menschen wie möglich über dieses Thema informiert sein sollten."

Die Zusammenstellung des Podiums finde sie - ungeachtet ihres Gatten, der dort oben sitzt - sehr interessant. "Besonders gut gefällt mir, dass der Raunheimer Bürgermeister Thomas Jühe hier mitten in Offenbach tapfer seine Pläne zur Demokratisierung des Lärms darlegt. Und das, obwohl Offenbach dann mehr Lärm abbekommen soll." Auch einmal die Meinung der Deutschen Flugsicherung zum Ausbau und den bereits bestehenden Flugrouten zu hören, habe sie sehr interessant gefunden. "Normalerweise beteiligt sich die Flugsicherung ja weniger an den Diskussionen um den Flughafenausbau."

Der Offenbacher Bernd Buchner kam zufällig am Rathaus und dem dort aufgebauten Podium vorbei. "Ich bin hier hängen geblieben, weil ich die Diskussion sehr interessant finde", sagt er. "Auch wenn sie seitens des Publikums sehr emotional geführt wird. Es sind eben sehr viele organisierte Ausbaugegner hier." Er selbst profitiere zum Beispiel vom Frankfurter Flughafen. "Der Betrieb, bei dem ich beschäftigt bin, ist nur hier, weil der Flughafen in der Nähe ist", sagt Buchner. "Abgesehen davon unternehme ich gerne Reisen und bin deshalb selbst ziemlich oft als Kunde da. Ich wohne gerne in der Nähe des Flughafens und schätze es sehr, dass ich nur in die S-Bahn steigen muss, um dorthin zu kommen."

Die Podiumsdiskussion habe ihm neue Aspekte des Flughafenausbaus vor Augen geführt, sagt er. "Diese detaillierten Informationen über den zu erwartenden Zuwachs an Arbeitsplätzen in der Region waren mir bis dato nicht bekannt. Auch die Gefahr um die Flugzeugabstürze interessiert mich natürlich sehr." Die Zusammenstellung des Podiums findet Bernd Buchner prinzipiell gut. "Nur der Mann von der Fraport ist etwas allein gegen die ganzen betroffenen Bürgermeister und Ausbaugegner."

Marianne Quandt, die auf der Rosenhöhe wohnt und somit einen Logenplatz in der Einflugschneise hat, sagt. "Ich bin absolut gegen den Ausbau und engagiere mich deshalb in der BIL." Sie findet es "wunderbar", dass das Thema Flughafenausbau mit einer Podiumsdiskussion in die Öffentlichkeit und direkt zu den Menschen getragen wird.

Neuigkeiten habe sie als gut informiertes Mitglied der Bürgerinitiative während der Diskussion zwar nicht erfahren. "Interessant fand ich aber das Gezackere um die Arbeitsplätze, die ein Ausbau bringen soll. Schon vor zwei Jahren vertrat ein führender Mitarbeiter der Adam-Opel-AG die Ansicht, dass es nicht mehr als 50 000 Arbeitsplätze werden würden."

Noch viel mehr Informationen wünsche sie sich zum aktiven Lärmschutzprogramm, das die Fraport auch in Offenbach anbiete, sagt Marianne Quandt. "Aber nur an Objekten wie dem Krankenhaus und einer Kindertagesstätte. Die Bewohner der Rosenhöhe hingegen haben anscheinend das Nachsehen, obwohl wir vom Lärm ganz massiv betroffen sind", klagt sie.

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