Flughafen-Ausbau ist das beherrschende Thema

Im Wahlkreis 33 treten vier Direktkandidaten an

Von Ellen Kugler

Er hat den Sieg schon so sicher in der Tasche wie das Handy immer im Anschlag: CDU-Direktkandidat Axel Wintermeyer. Der Hofheimer Anwalt sitzt seit einer Legislaturperiode im Wiesbadener Landtag, vor vier Jahren erstmals gewählt für den nach 29 Jahren ausgeschiedenen Georg Badeck. Und der 43-Jährige räumte gleich ab: 52,6 Prozent holte er an Stimmen in seinem Wahlkreis - über drei Prozentpunkte mehr als sein alteingesessener Vorgänger aus Flörsheim, der den Wahlkreis gleich sieben Mal hintereinander für die CDU gesichert hatte.

Und er war nicht faul in den vergangenen vier Jahren. Ob Pheromone im Weinberg oder die Genforschung - eifrig meldete sich der Hofheimer per Pressemitteilung zu Wort, wenn Berichtenswertes in seinem Wahlkreis dräute. Wahlkreis 33, Main-Taunus-West, das sind die Kreisstadt Hofheim, die Nachbarkommune Kriftel und die drei Mainstädte Hochheim, Flörsheim und Hattersheim. Das ist für Wintermeyer politische Heimat.

1981 wurde er erstmals Stadtverordneter in Hofheim, seit 1998 ist er Kreisvorsitzender der CDU Main-Taunus. Smart, schöngeistig, flexibel, das sind die Attribute, die seinem Ruf vorauseilen. Der ehrenamtliche Organist der evangelischen Kirchengemeinde in Bad Soden-Neuenhain liest und reist gerne und ist politisch eher als "Liberaler innerhalb der Volkspartei CDU" anzusiedeln, wie Wintermeyer über Wintermeyer sagt.

Bildung, Innere Sicherheit und Wirtschaft nennt er als zentrale Anliegen seiner Arbeit im Landtag. Er will dafür kämpfen, dass der Ausbau der A 66 vom Wiesbadener Kreuz bis Kriftel auf sechs Spuren in die Gänge kommt. Dadurch könne die Infrastruktur für die Gewerbetriebe entlang der Autobahn verbessert werden, zumal wenn eine zusätzliche Anschlussstelle für Hattersheim und Kriftel hinzu kommen. Ein Kampf gegen Windmühlen aber, seitdem der Bund die rund 90 Millionen Euro, die für den Ausbau vorgesehen waren, auf seiner Streichliste hat.

Beim Thema Flughafenerweiterung sitzt Wintermeyer zwischen den Stühlen. "Ich bin für den Erhalt des Flughafens. Aber gegen den Ausbau im Kelsterbacher Wald." Auch andere Ausbauvarianten lehnt er ab. Vielmehr sollen der Flughafen Hahn erweitert und Kurzstreckenverkehr auf die Schiene verlagert werden. Dennoch stimmte er im Landtag dem Flughafenerweiterungplan zu. "Das ist als gesamtes Mediationspaket beschlossen worden, ohne Präferenz für die Nordwest-Variante." Und er lieferte auch gleich eine persönliche Erklärung im Landtag hinzu, in der er die Planungspräferenz für die Nordwestbahn ablehnte. Zur Zeit stellt die CDU 50 Abgeordnete, Wintermeyer ist auf Platz 44 der Landesliste gut abgesichert.

Auf dem gleichen Platz wie Wintermeyer steht eine Hofheimerin, die in den Landtag einziehen will. Cornelia Koall aus Wallau tritt für die SPD, die 46 Sitze im Landtag hält, als Direktkandidatin an. Die 40 Jahre alte Industriekauffrau, die auch Heimerzieherin ist, zog erst vor einem Jahr von Frankfurt in den Kreis. Sie ist stellvertretende Vorsitzende der SPD Hofheim und im Ortsbezirk Wallau aktiv.

Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf ist ihr wichtigstes Anliegen. Sie nennt es "eine Katastrophe", dass es im ganzen Kreis nur 34 Krabbelstubenplätze für Kinder unter drei Jahren gibt. 20 Prozent der Kleinkinder sollten öffentlich betreut werden können, peilt sie als realistische Größe an. Zum Thema Schulen zweifelt sie am Sinn der Unterrichtsgarantie, von der die CDU spricht. Nicht nur die Quantität, vielmehr die Qualität des Unterrichts sei entscheidend. Die CDU-FDP-Politik , die die frühe Selektierung und die Auslese nach unten mit den schulformbezogenen Stundenplänen forciere, nennt sie einen Rückschritt. "Denn eine Durchlässigkeit zwischen den Schulformen ist nicht mehr vorhanden, was vor allem für Spätentwickler sehr schlecht ist."

Als bekennende Gegnerin des Flughafen-Ausbaus ist sie uneins mit dem Spitzenkandidaten Gerhard Bökel. "Mein Nein steht fest, da gibt es keinen Fraktionszwang." Sie glaubt, dass ein Umdenken in ihrer Partei möglich ist, denn nach der Flugroutenänderung seien auch SPD-Ortsvereine aufgewacht, die vorher am Thema kein Interesse gezeigt hätten.

Für Andreas Kammerbauer, Bündnisgrüner aus Hochheim, wäre der Landtag kein Neuland. Schon einmal, von Oktober 1997 bis Frühjahr 1999, hat er ein kurzes Gastspiel in Wiesbaden gegeben, als er als Nachrücker in den Landtag rutschte.

Die politische Anerkennung der Gebärdensprache fiel in diese Zeit, und Kammerbauer, der selbst mittel- bis hochgradig schwerhörig ist, lobt die Folgen dieser Entscheidung. Hessen habe seither in der Ausbildung von Gebärdensprachen-Dolmetschern die Nase vorne und viele Gastschüler aus den anderen Bundesländern angelockt. Der 41-jährige Diplom-Politologe ist Vater von zwei Kindern, Stadtverordneter im Hochheimer Parlament und Geschäftsführer der Grünen-Kreistagsfraktion.

Kammerbauer wirbt für den sofortigen Stopp des Flughafenausbaus. Die Zahl der jährlichen Flugbewegungen müsse begrenzt werden, ein sofortiges Nachtflugverbot sei nötig. Die zivile Nutzung des Militärflughafens in Erbenheim kommt für ihn nicht in Frage. Im Landtag würde er sich für ein Gleichstellungsgesetz für Behinderte einsetzen, so wie es der Bund bereits beschlossen hat.

Kammerbauer fordert mehr Plätze für Kleinkindbetreuung, die Stärkung von Ganztags- und Gesamtschulen. Indes: Sein Listenplatz 28 ist völlig chancenlos.

Dirk Westedt ist ein Schaffer. Orts- und Fraktionsvorsitzender der FDP in Hochheim, stellvertretender Kreisvorsitzender und Mitglied im Landesfachausschuss Verkehr. Der Architekt und begeisterte Schwimmer - mit seiner Frau leitet er eine Abteilung des Hochheimer Schwimmvereins - ist Vater von drei Kindern und bei einer Bank als Projektsteuerer angestellt. Er steht auf Platz 34 der Liste - bei derzeit fünf FDP-Landtagsabgeordneten. Fühlt er sich als bloßer Zählkandidat ? "Man muss sich mit der theoretischen Möglichkeit auseinandersetzen, in den Landtag zu kommen." Falls das mit der Fünf-Prozent-Hürde überhaupt klappt.

Fast täglich absolviert er derzeit einen Termin in Sachen Landtagswahl, redet mit Winzern, Verkehrsexperten, trifft Hochheimer und potenzielle Wähler. "Man kommt viel herum und erfährt auch viel, es macht schon Spaß." Ansonsten ist der Spaßfaktor in der Politik eher gering.

Westedt ist strikter Ausbaugegner. Sein Motto: "Kein Ausbau außerhalb des Zaunes." Zum Thema Verkehr hat er noch mehr Kritisches anzumerken. Sollte die A 66 nicht sechsspurig ausgebaut werden und die B 40 / B 519 von einer Bundesstraße zur Landesstraße entwidmet werden, sieht Westedt die geplante Umgehungsstraße in Gefahr - und nennt dies "einen Schlag ins Gesicht der Menschen, die vom Verkehr direkt betroffen sind".

DIE KANDIDATEN

Cornelia Koall (SPD): Tausend Hausbesuche hat sie sich vorgenommen, die 40 Jahre alte Industriekauffrau und Heimerzieherin Cornelia Koall, Direktkandidatin der SPD im Wahlkreis 33. Die Wallauerin ist noch neu im Taunus, deshalb klopft sie an fremde Pforten, um Präsenz zu zeigen. Bessere Kleinkindbetreuung, mehr Qualität im Unterricht und ein deutliches Nein zum Ausbau des Flughafens Frankfurt sind ihre Kernthesen.

Axel Wintermeyer (CDU): Er ist smart, sonnengebräunt und schöngeistig: Das sind drei der vielen Attribute, die seinem Ruf vorauseilen. Der 43 Jahre alte Rechtsanwalt will für die CDU wieder als Direktkandidat in den Wiesbadener Landtag einziehen. Bei der 1999er Wahl holte er 52,6 Prozent - ein Ergebnis, das ihn stolz machte. Vor allem, weil sein damaliger SPD-Herausforderer Gerhard Bökel gewesen ist, damals Innenminister, heute Oppositionsführer.

Dirk Westedt (FDP): Wenn ihm alles zu viel wird, dann taucht er schon mal ab: in den Fluten des Hochheimer Hallenbades. Dort ist der Architekt Dirk Westedt oft mit seiner Frau und den drei kleinen Kindern anzutreffen: entweder als Vereinstrainer des Hochheimer Schwimmvereins oder als Privatmann. Apropos Privatleben. Ist zur Zeit gestrichen wegen des Wahlkampfs. Dirk Westedt ist Direktkandidat der FDP, Listenplatz 34.

Andreas Kammerbauer (Grüne): Lautes Aufstampfen liegt ihm nicht. Andreas Kammerbauer ist aber auch kein Leisetreter, wenn es gilt, für seine Ziele zu streiten: mehr Rechte für Menschen mit Behinderungen, weniger Fluglärm und erst recht kein Flughafenausbau, außerdem die Stärkung von Gesamt- und Ganztagsschulen. Der 41 Jahre alte Vater zweier Kinder ist von Beruf Politologe und arbeitet als Geschäftsführer der Kreistagsgrünen. kug

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