"Eine moderne Form bürgerschaftlicher Beteiligung"

Seit drei Jahren gibt es in Rüsselsheim das Bürgerbüro zum Ausbau des Frankfurter Flughafens

Von MICHAEL GRABENSTRÖER

Rüsselsheim · 23. November · 7000 direkte Kontakte mit betroffenen und zumeist besorgten Anwohnern, 41 so genannte Dialogstunden mit Experten und Flughafenanrainern, zwölf Gemeindebereisungen mit dem "mobilen Bürgerbüro" - das ist die Drei-Jahres-Bilanz, die die Leiterin des RDF-Bürgerbüros in Rüsselsheim, Barbara Banse, jetzt vorlegte. Das seien zum Teil "emotionale und sehr kontroverse Gespräche" gewesen, sagt Banse, die den aktiven Dialog als wichtiges Ziel benennt und mit ihrem Büro weiterhin dafür sorgen will, dass Bürger ihre Anliegen äußern und "mit sachlichen Informationen über den Flughafenausbau nach Hause gehen".

Gespräche gelten als Erfolg

Das Regionale Dialogforum feierte das "Dreijährige" im Rüsselsheimer Büro. Allein den nicht immer unumstrittenen Dialog fortgesetzt und das Gesprächsangebot aufrechterhalten zu haben, gilt als Erfolg. Der Vorsitzende des Dialogforums, der Darmstädter TU-Präsident Johann-Dietrich Wörner, stellte dann auch heraus, was das Dialogforum nicht sein könne: "kein Entscheidungsorgan und kein Ersatz für rechtsstaatliche Mittel". Wörner betonte in Rüsselsheim den starken "partizipativen Effekt", den das Bürgerbüro habe, das sich als Anlaufstelle für alle Fragen rund um den Flughafenausbau verstehe.

Dort würden die Sorgen der Bürger auf- und wahrgenommen. Das Dialogforum, das den Flughafenausbau kritisch, aber im Sinne des Dialogs begleite, versuche Antworten für die Fragesteller zu eruieren. Beteiligt sei das Bürgerbüro bei Fragestellungen wie Lärmminderung und Risikomanagement, seine Basis finde es dabei bei den Sorgen und Nöten der Bürger.

Als jüngste Beispiele nannte Wörner Gespräche in Brüssel, um Bedenken gegen das geplante Nachtflugverbot auszuräumen, oder den Test mit veränderten Anflugsverfahren, die durch kontinuierlichen Sinkflug zu einer erkennbaren Lärmminderung führen sollen. Wörner nannte Bürgerbüro und Dialogforum eine "Methode kontinuierlicher Einflussnahme" im Ausbauverfahren und eine "moderne Form bürgerschaftlicher Beteiligung".

Es gibt allerdings Fragen, die bleiben für Flughafen-Ausbau-Kritiker wie Reinold Hörner, unbefriedigend offen. Hörner versteht das Bürgerbüro in Rüsselsheim auch als Forum für seine Anliegen. Wenn die Fraport zum Beispiel den Ausbau für 2007 in Angriff nehmen wolle, Experten aber für ein Gesundheitsgutachten über die Auswirkungen des Fluglärms auf die Region mindestens fünf Jahre veranschlagten - dann würde der Flughafen ausgebaut, bevor die Gutachter sich äußerten, stellte Hörner fest.

Ausbaugegner bleiben skeptisch

Das wollen die Ausbaugegner nicht verstehen. Dadurch sehen sie ihre Skepsis gegenüber dem Dialog-Forum als Fortsetzung des Mediationsverfahrens genährt. Aber auch dieses Gesundheitsgutachten werde kommen, versicherte man bei der kleinen Drei-Jahres-Feier in Rüsselsheim.

Kontakt: Bürgerbüro RDF, Im Eichsfeld 4, 65428 Rüsselsheim, Telefon: 0 61 42 / 79 87 91. Informationen gibt es auch im Internet: www.dialogforum-flughafen.de

Dossier: Wächst der Flughafen weiter?

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