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"Auch das Airrail-Center ist gefährdet"

Ausbaugegner sehen beim Bau einer Nordwestbahn zusätzliches Absturzrisiko / Fraport weist Vorwürfe zurück

Von WOLFGANG SCHUBERT

Frankfurt · 12. November · "Bislang hat sich die Diskussion um das Absturzrisiko im Zusammenhang mit dem geplanten Bau einer vierten Piste im Wald von Kelsterbach ausschließlich auf Ticona focussiert", sagte am Mittwoch Bernt Fulda, Vorstandsmitglied des Vereins Deutscher Fluglärmdienst (DFLD). Dabei sei das Risiko eines schwerwiegenden Flugzeugunglücks im Bereich des Fernbahnhofs und des benachbarten Terminal 1 "mindestens ebenso groß". Eher noch größer.

Denn rund 75 Prozent aller Anflüge auf die geplante Nordwest-Bahn würden über die Anflugroute Gelnhausen-Hanau-Offenbach erfolgen. Nur bei Ostwetterlagen - statistisch gesehen zu 25 Prozent des Jahres - würden die Jets von Mainz-Rüsselsheim- Raunheim kommend zur Landung einschweben und dabei auch das Firmengelände von Ticona überfliegen.

Nach Darstellung des DFLD würden - wenn die Nordwest-Bahn realisiert wird - die landenden Flugzeuge an den Hotel- und Bürofenstern des künftigen Airrail-Center in einer Entfernung von nur noch 110 Metern vorbeifliegen.

Das 660 Meter lange, bis zu 65 Meter breite und neunstöckige Gebäude ist als Büro- und Kongresszentrum konzipiert und wird zudem ein Fünf-Sterne-Hotel mit 650 Betten aufweisen. Mit 173 000 Quadratmetern Fläche ist es genau so groß wie alle Kaufhäuser und Geschäfte auf der Zeil zusammen.

Da sich in dem Gebäudekomplex sowie im darunter liegenden Fernbahnhof nach Darstellung Fuldas ständig bis zu 6000 Menschen aufhalten, sei aufgrund des hohen Absturzrisikos der Bau des Airrail-Centers "unverantwortlich". Fraglich ist nach Einschätzung des Flughafenausbau-Gegners auch, "ob es mit vertretbarem Aufwand möglich sein wird, innerhalb eines Gebäudes einen akzeptablen Lärmpegel sicherzustellen".

Der Flughafenbetreiber Fraport weist die Vorwürfe zurück. Nach Angaben von Ausbau-Planer Christian Häfner ist die Absturzwahrscheinlichkeit für den Bereich des Airrail-Centers in Gutachten der Berliner Gesellschaft für Luftverkehrsforschung (GFL) und der britischen Flugsicherung NATS sowie einer niederländischen Expertise in einer Größenordnung von 10-5 berechnet worden. Dies entspreche einer Absturzwahrscheinlichkeit von einem Unglück in 100 000 Jahren.

Diese Größenordnung, sagte Häfner der FR weiter, habe der Vorsitzende der Störfallkommission, Professor Christian Jochum, als akzeptabel bewertet. Die Absturzwahrscheinlichkeit beschreibt der Fraport Manager anhand zweier allgemeiner Lebensrisiken: "Die Wahrscheinlichkeit, dass ein Mensch im Bereich des Airrail-Centers bei einem Flugzeugabsturz getötet wird, ist ebenso groß wie bei der Fahrt im Auto zum Flughafen ums Leben zu kommen oder beim Fischessen an einer Gräte zu ersticken."

Zwar bestätigte Häfner, dass landende Flugzeuge den künftigen Hotel-, Büro- und Kongress-Komplex in einer Höhe von nur 90 Metern und im Abstand von etwa 110 Metern passieren werden. Dies alles aber sei unproblematisch und in allen Risikobetrachtungen in den Unterlagen für das Planfeststellungsverfahren bereits enthalten. Das Unfall- und Absturzrisiko sei auf einer Fläche von 40 mal 40 Kilometer rings um die geplante Bahn untersucht worden.

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