Mainhausen

Flügel des Altenheims in Mainhausen wird zur Isolierstation

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Die Bewohner des Seniorenheims Aurelius-Hof in Mainhausen beschreiben die Lage trotz fünf Toter als undramatisch. Positiv Getestete werden jetzt in dem Heim zusammengelegt.

Es klingt paradox: Die Pflegekasse hat dem Seniorenheim Aurelius-Hof in Mainhausen (Kreis Offenbach) in der offiziellen Qualitätsbewertung die Bestnote 1,0 erteilt – und gleichzeitig sind in den vergangenen Tagen fünf Heimbewohner an der Lungenkrankheit Covid-19 gestorben. Sie waren alle über 80 Jahre alt und hatten Vorerkrankungen.

Nach dem ersten Todesfall in der Tagespflege am 19. März seien alle Menschen getestet und isoliert worden, die von einem Kontakt zu der Erkrankten berichtet hatten, sagt Ursula Luh, Pressesprecherin des Kreises Offenbach. Gleichzeitig wurde ein Besuchsverbot in dem Altenheim verhängt und die Tagespflege ausgesetzt. Seit zwei Wochen seien die Bewohner isoliert. Trotzdem folgten weitere Infektionen und die fünf Todesfälle – nicht alle im Aurelius-Hof, sondern einige auch im Krankenhaus. „So ein Test ist halt nur eine Momentaufnahme“, sagt Luh. Zwei bis drei Tage später könne das Ergebnis schon ein anderes sein.

Jetzt seien Mitarbeiter des Gesundheitsamts vor Ort, um sämtliche Angestellten und Bewohner auf das Virus zu testen. „Die Tests laufen noch, und stündlich kommen Ergebnisse rein“, berichtet Luh. In einem Flügel des Hauses sei eine Isoeinheit gegründet worden, in die die positiv Getesteten einziehen werden. Ein spezielles Isoteam aus negativ getesteten Angestellten kümmere sich dort um sie. „Positiv getestete Mitarbeiter sollen in häuslicher Quarantäne bleiben.“ Der Kreis Offenbach versorge das Personal permanent mit Atemschutzmasken der Schutzklasse FFP-2, die die heimische Wirtschaft spendet.

Dem evangelischen Pfarrer Thomas Reitz ist es zwar seit dem ersten Todesfall verboten, das Heim zu betreten, doch ging bei ihm eine Liste von einigen Bewohnern ein, die gerne geistlichen Beistand hätten. „Acht Frauen haben sich ein Telefongespräch gewünscht“, sagt er. „Keine von ihnen hat dabei von einer dramatischen Lage gesprochen.“ Vielmehr hätten sie persönliches Unwohlsein geäußert, „aber nicht in Bezug auf das Virus“. Die Gebrechen und die Isolation bei dem schönen Wetter hätten im Vordergrund gestanden.

Dem örtlichen katholischen Pfarrer Bernhard Gugerel haben Schwestern am Telefon berichtet, dass „viel Personal infiziert sei“. Im Aurelius-Hof gibt es 220 Mitarbeiter für 123 Senioren. Die Bewohner kommen nicht nur aus Mainhausen, sondern auch aus Rödermark und Rodgau.

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