Beschäftigung

Flüchtlinge in Hessen schneller als erwartet in Arbeit

  • Pitt v. Bebenburg
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Rund 21 000 Flüchtlinge haben in Hessen eine Beschäftigung gefunden. Für Fachkräfte ist es leichter als für Helfer. Doch die Betroffenen haben noch andere Sorgen.

Wer die Integration von geflüchteten Menschen in Arbeit und Ausbildung betrachtet, findet gute und schlechte Nachrichten. Die gute zuerst: Ende 2018 – das sind die aktuellsten Zahlen der Bundesagentur für Arbeit – war fast jeder zweite Flüchtling am hessischen Arbeitsmarkt in Beschäftigung, nämlich 21 000 von 46 000. Ein Jahr zuvor waren es erst 13 000 gewesen.

Und nun die schlechte Nachricht: Auch die Zahl der arbeitslosen Flüchtlinge ist angestiegen. Im Dezember 2019 waren in Hessen gut 16 000 dieser Menschen ohne Job, rund 1400 mehr als im Jahr davor. Die meisten von ihnen hatten einen syrischen Pass.

Daneben gibt es Menschen, die nicht arbeiten gehen können, weil sie in einem Sprach- oder Qualifizierungskurs sind, unter Krankheiten leiden oder Kleinkinder betreuen müssen. Im Jahr 2018 nahmen etwa 10 000 Menschen an diesen Qualifizierungsmaßnahmen teil, wie die Bundesagentur für Arbeit berichtet.

Aus Sicht von Frank Martin, dem Chef der Arbeitsagentur in Hessen, überwiegen die positiven Botschaften. „Dass die Arbeitsmarktintegration so schnell gelingen würde, haben wir nicht erwartet“, urteilt er. Dabei gelinge es besser, Fachkräfte zu integrieren als Menschen, „die lediglich eine Helfertätigkeit ausüben“.

Auch der Ausbildungsmarkt werde durch geflüchtete Bewerber gestärkt. Ihre Zahl liegt laut Arbeitsagentur bei rund 3400 jungen Menschen. Der dringend erwünschte Anstieg von Ausbildungsverträgen, der dem Handwerk und dem Gewerbe in den nächsten Jahren zu Fachkräften verhelfen soll, sei nur mit Hilfe der Flüchtlinge möglich geworden, stellen Frank Martin und Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir (Grüne) fest.

Die Unternehmen wissen, dass die geflüchteten Menschen häufig mehr Unterstützung benötigen. „Das erfordert viel pädagogisches Kümmern im Betrieb“, sagt der Präsident des Hessischen Industrie- und Handelskammertags, Eberhard Flammer. „Aber es ist aller Mühe wert.“

„Wirtschaft integriert“

Die Landesregierung engagiert sich mit dem Programm „Wirtschaft integriert“. Es wendet sich an junge Frauen und Männer, die noch nicht gut genug Deutsch sprechen, um eine Ausbildung ohne Sprachförderung und Hilfen zu bewältigen, wie das Wirtschaftsministerium von Tarek Al-Wazir (Grüne) erläutert. Außer Flüchtlingen dürfen auch andere Ausländer und Deutsche mit Migrationshintergrund teilnehmen, für die diese Voraussetzungen gelten. Dabei kooperiert das Land mit dem Handwerkstag, den Industrie- und Handelskammern und der Bundesagentur für Arbeit.

Insgesamt wurden seit April 2016 mehr als 5200 junge Menschen gefördert, rund 1300 sind derzeit noch im Programm. Das Wirtschaftsministerium nennt die Integrationserfolge „sehr erfreulich“. Bis Ende 2019 hätten 60 Prozent der Teilnehmer von „Wirtschaft integriert“ danach eine Ausbildung beginnen können. Dabei stellt für die jungen Geflüchteten nicht immer die Suche nach einem Ausbildungsplatz die größte Schwierigkeit dar. Oft haben sie Schwierigkeiten wegen ihres Aufenthaltsstatus.

Das gilt nach den Beobachtungen des Hessischen Flüchtlingsrats etwa für Menschen, die nur über eine Duldung verfügen. Diesen Menschen, zum Beispiel aus Pakistan, werde in manchen Ausländerbehörden oft die Ausbildungsduldung verweigert. Dieses Papier würde nicht nur ihnen die Sicherheit geben, dass sie vorerst bleiben dürften, sondern auch dem Betrieb garantieren, dass die Ausbildung zum Abschluss gebracht werden könne. Anita Balidemaj vom Flüchtlingsrat sagt, gerade beim Frankfurter Ausländeramt gebe es hiermit Probleme. „Wir haben den Eindruck, dass das systematisch ist.“

Die schwarz-grüne Landesregierung stellt die Fortschritte heraus. „Die Erfolge geglückter Integration sind sichtbar, aber wir sind noch nicht am Ziel“, sagte Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) im Oktober bei der zehnten Auflage des Hessischen Asylkonvents, zu dem er eingeladen hatte. Bouffier setzt auf einen doppelten Gewinn: für die Flüchtlinge und die Unternehmen, die Fachkräfte suchen.

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